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Haus der alten Schätze

24.06.2019

Am Brandenburger Dom wird der Abschluss der Sanierung vorbereitet

"Wiege der Mark", älteste Institution Brandenburgs, Zeugnis von mehr als 1.000 Jahren Geschichte: Der Dom zu Brandenburg an der Havel gilt als Wahrzeichen des Landes. Bald soll das letzte große Sanierungsprojekt an dem Denkmal beginnen.

Brandenburg an der Havel (epd). Eine kleine Münze aus der Zeit Friedrichs des Großen, die einen großangelegten Finanzbetrug des preußischen Königs zur Kriegsfinanzierung belegt, ein Brief des Schriftstellers Theodor Fontane an einen Pfarrer, die Urkunde der Ersterwähnung der Stadt Berlin, ein Regierungsedikt aus dem 18. Jahrhundert, das erfolglos die "Ausrottung der Sperlinge und Krähen" anordnete: Der evangelische Dom zu Brandenburg an der Havel mit seinem Archiv ist auch ein Ort des historischen Gedächtnisses von Kirche und Land. Für Dokumente, Urkunden, Gemälde und andere Schätze des Domstifts soll nun ein neuer Platz entstehen.

Für das "Haus der alten Schätze" wird derzeit die Sanierung der Ostklausur des Doms mit dem Anbau der sogenannten Spiegelburg vorbereitet, das letzte große Sanierungsvorhaben am Domensemble seit dem Start der Arbeiten in den 90er Jahren. Rund 30 Millionen Euro wurden seitdem nach Angaben des Domstifts in den Erhalt des Denkmals investiert. Rund 7,6 Millionen Euro sollen nun die Arbeiten für das "Haus der alten Schätze" kosten.

Im Mai 2020 sollen sie beginnen und 2023 abgeschlossen werden. Dann sollen dort das Dommuseum und das Domstiftsarchiv einziehen. "Derzeit laufen die Voruntersuchungen und Vorplanungen", sagt Domkurator Cord-Georg Hasselmann. Vor einigen Jahrzehnten angebrachte Stahlbetonverstärkungen mittelalterlicher Gemäuerpfeiler werden derzeit in der Spiegelburg abgetragen, darunter kommt der historische Backstein zum Vorschein. Was all dies für die Statik bedeutet, ist noch nicht ganz klar. Als Bibliotheksmagazin wurden die Räume zuletzt genutzt, künftig werden sie einen Teil der historischen Schätze beherbergen.

Die außergewöhnlichen Bestände des Dommuseums und des Domstiftsarchivs seien von überregionaler kulturgeschichtlicher Bedeutung, heißt es beim Domstift. Ziel des Sanierungsprojekts sei, sie für künftige Generationen zu erhalten und zugleich historisch wertvolle Bausubstanz vor weiterem Verfall zu retten. Wo einst im Mittelalter Prämonstratenser-Mönche lebten, sollen die Domschätze künftig unter modernen technischen Bedingungen aufbewahrt und für jedermann zugänglich gemacht werden.

Das Archiv, nach Angaben des Domstifts das mit Abstand älteste östlich der Elbe, verwahrt unter anderem die von Otto dem Großen ausgestellte Gründungsurkunde des Bistums Brandenburg aus dem Jahr 948. Rund 100 alte liturgische Kirchengewänder aus dem 14. bis 17. Jahrhundert werden dort aufbewahrt, einer der europaweit größten Textilbestände des Mittelalters, erzählt Museumsleiter Rüdiger von Schnurbein. Im "Haus der alten Schätze" sollen einige davon künftig in einem eigenen Raum präsentiert werden.

Aus dem Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) werden für das Sanierungsvorhaben rund vier Millionen Euro bereitgestellt, rund neun Millionen Euro Bundesmittel werden dann insgesamt in den Dom geflossen sein. Weitere zwei Millionen Euro für Ostklausur und Spiegelburg kommen vom Land Brandenburg. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz steuert nach Angaben des Domstifts 500.000 Euro bei, weitere Mittel kommen aus Spenden. Derzeit gebe es bei dem Projekt noch eine Finanzierungslücke von rund einer Million Euro, sagt Geschäftsführer Manuel Asmus. Das Domstift sucht deshalb nach weiteren Geldquellen.

Es sei eine Herausforderung und auch ein "großes Glück", ein "so mächtiges und bedeutendes Denkmal zu bewahren", betont Grütters am Samstag bei einem Besuch des Doms, der im Zuge der Reformation protestantisch wurde. Das mittelalterliche Bauwerk sei nicht nur für die Region von herausragender Bedeutung, sondern auch ein "national wirklich bedeutsames Projekt". Die Sanierung stoße auch außerhalb kirchlicher Kreise auf großes Interesse. "Das ist kein Eliteprojekt", betont Grütters.

Für die Präsentation der Kirchenschätze im künftigen Museum will der Förderverein des Doms 100.000 Euro zusätzliche Mittel einwerben: Für 100 Schätze werden Paten gesucht, die je 1.000 Euro beisteuern. Der Fontanebrief steht zur Übernahme einer Patenschaft zur Verfügung, vergoldete Abendmahlskelche, ein Bischofsstab, Siegel von Kaiser und Papst, Urkunden, Gemälde. Und die Betrugsmünze Friedrichs des Großen.

Internet
www.dom-brandenburg.de
www.foerderverein-dom-brandenburg.de
www.kulturstaatsministerin.de

Letzte Änderung am: 17.02.2017