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Publizist Meisner: Corona-Folgen für Demokratie beachten

Leipzig (epd). Der Publizist Matthias Meisner hat die Politik aufgefordert, sich stärker mit den Folgen der Corona-Pandemie für das soziale Miteinander auseinanderzusetzen. „Ich finde, es muss auch Diskussionen geben über die Bedrohung der Demokratie, die mit dieser Corona-Krise einhergeht“, sagte Meisner am Donnerstag im Rahmen des Lesefestes „Leipzig liest extra“.

Diesem Aspekt müsse sich die Politik viel stärker widmen, damit „die gesellschaftlichen Verwerfungen nicht bleiben“, erklärte der langjährige „Tagesspiegel“-Redakteur mit Blick auf die Proteste gegen die Pandemiepolitik. Es brauche Formate, „um Verdruss und Ängste besprechen zu können, damit vermieden wird, dass die Menschen am Ende irgendwo in ihrer Verzweiflung nur noch darauf kommen, ihre Wut auf den Marktplätzen gemeinsam mit Neonazis herauszuschreien“.

Mit Blick auf die bundesweiten Demonstrationen der „Querdenken“-Bewegung gegen die Corona-Maßnahmen in den vergangenen Monaten sagte Meisner, er finde es erschreckend, „welcher Hass da wächst, welche Aggression, welche Gewalt“. Die Proteste seien teilweise auch in Anschläge auf Impfzentren, Teststationen oder das Robert Koch-Institut umgeschlagen.

Dabei sei festzuhalten, dass bei weitem nicht jeder, der solche Demonstrationen besuche, Neonazi sei, betonte Meisner. Es sei allerdings ein weit verbreitetes Phänomen, dort gemeinsam „mit Neonazis, Rechtsradikalen, Antisemiten auf die Straße zu gehen“. Auch in der Mitte der Gesellschaft seien viele Menschen anfälliger geworden für Verschwörungserzählungen. Zugleich wachse das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien, Angriffe auf Reporterinnen und Reporter häuften sich.

„Es ist insgesamt problematisch für die Gesellschaft, wenn ein Abstand zu Rechtsextremen nicht eingehalten wird“, resümierte Meisner, der Ko-Herausgeber des Sammelbands „Fehlender Mindestabstand“ über die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen ist. Es bestehe die Gefahr, dass dies auch über die Pandemie hinaus so bleibe, wenn etwa politische Bildungsarbeit, Medienkompetenz oder Formate für mehr Dialog nicht gestärkt würden.

epd ost sue phi