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Corona: Schulen der Ärmsten in Kapstadt geschlossen

14.05.2020

Mit Spenden versucht der Verein iThemba Labantu in Kapstadt den ärmsten Schulkindern im Township zu helfen

Ein Brief von Otto Kohlstock, erschienen in der Wochenzeitung die kirche. Otto Kohlstock leitet seit 2003 das ökumenische Zentrum iThemba Labantu, das auch vom Berliner Missionswerk unterstützt wird. Es liegt in Philippi, einem der ärmsten Townships Kapstadts. Kohlstock ist Träger des Bundesverdienstkreuzes.

"Es heißt, dass die Einschränkungen, denen sich die Menschen Südafrikas unterziehen müssen, die schärfsten weltweit seien, ausgenommen Wuhan. Hier herrscht eine extreme Ausgangssperre. Erlaubt ist nur der Weg zum Lebensmittelgeschäft, zur Apotheke oder zum Arzt. Nicht einmal Hunde darf man ausführen. Bisher sind 4996 Menschen positiv getestet worden. 1473 sind genesen, und 93 Tote zu beklagen.

Anders als in Deutschland ist die große Armut vieler Menschen, die schon vor der Corona-Krise kaum oder nichts zu essen hatten, ein sehr ernstzunehmender Faktor. Die Wirtschaft Südafrikas lag schon vor Corona am Boden. Die Währung, der Rand, ist abgestürzt. Sie war noch nie so schwach wie heute (1 Euro= 20 Rand). Die Arbeitslosigkeit steigt womöglich von 38 auf 50 Prozent, wobei die Jugendarbeitslosigkeit jetzt schon bei 60 Prozent liegt. Zwischen 250.000 und einer Million Menschen könnten ihre Arbeit verlieren.

Um Plünderungen von Geschäften und Lieferfahrzeugen für Lebensmittel einzudämmen, kündigte Präsident Ramaphosa ein Rettungspaket an, das etwa 10 Prozent des Bruttosozialproduktes, also 500 Milliarden Rand entspricht. Um die größte Hungersnot abzuwenden, will die Regierung jeder Person ohne Einkommen pro Monat 350 Rand (17,50 Euro) zukommen lassen. Das Kindergeld soll pro Mutter um 300 Rand auf 725 Rand (36,25€) steigen.

Unsere Schule iThemba Labantu musste wie alle anderen Schulen und Einrichtungen am 27. März schließen. Da die meisten unserer Kinder aus schwierigen häuslichen Verhältnissen kommen und 95 Prozent bei ihrer alleinerziehenden Mutter, Oma oder Tante wohnen, machen wir uns sehr große Sorgen um ihr Wohlergehen, zumal sie nun keine Mahlzeiten mehr von uns bekommen. Zum Glück konnten wir noch vor dem Ausgehverbot 60 Lebensmittelpakete für die Ärmsten packen. Aber nun darf niemand mehr auf das Gelände von iThemba Labantu, außer die Hausmeisterfamilie, die dort wohnt.

Noch können wir unseren Mitarbeitenden das volle Gehalt weiter zahlen, und dafür sind wir unseren Spendern sehr dankbar. Doch wie sollten wir nun den Kindern, deren Geschwistern und Müttern weiterhelfen? Glücklicherweise bietet eine große Lebensmittelkette einen Gutscheinkauf an. Wir schicken sie den Begünstigten auf das Handy. Das haben wir nun schon in 272 Fällen gemacht, so dass die Notlage der ärmsten unserer Kinder erst einmal gelindert ist. Da die Probleme nun erst beginnen – die Lebensmittelpreise stiegen um 8,7 Prozent – werden wir gefordert sein, den Menschen in ihrer Not beizustehen. Denkt bitte an die Ärmsten der Armen hier bei uns in Euren Gedanken, Gebeten und mit Spenden."

Wer helfen möchte:
Spendenkonto Berliner Missionswerk, Evangelische Bank, BIC GENODEF1EK1,
IBAN DE86 5206 0410 0003 9000 88
Verwendungszweck Projekt-Nr. 6007 (iThemba Labantu)

Auch die Gossner Mission befürchtet eine humanitäre Katastrophe im globalen Süden und beschließt eine Corona-Soforthilfe, die Sie unterstützen können.