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Medizinhistoriker: Pandemie hinterlässt Spuren in Gesellschaft

Erfurt (epd). Der Erlanger Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven befürchtet große Risiken für die Gesellschaft durch die Corona-Pandemie. Im Interview mit MDR Thüringen kritisierte der Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg am Samstag, das soziale Gebot der Stunde sei, „Fürchte deinen Nächsten!“. Das hinterlasse in der Gesellschaft Spuren. Im Umgang der Politik und der Gesellschaft mit der Pandemie sehe er viele Parallelen zum Umgang mit Seuchen seit dem späten Mittelalter, sagte der Forscher.

Wie bei früheren Seuchen werde Corona als eine Art Herrschaftsinstrument genutzt. Politische Maßnahmen seien verknüpft mit anderen Interessen als der eigentlichen Krankheitsbekämpfung. Im sozialen Miteinander würden „das Denunziationswesen und andere unschöne Dinge“ emporwachsen, sagte Leven, dessen Forschungsschwerpunkt unter anderem die Seuchengeschichte ist. Er denke dabei an Impfneid oder Impfdrängler.

Er verwies zudem auf Forschungen, wonach besonders sozial schwächer gestellte Menschen unter den Folgen von Corona leiden. Die Ausgrenzung solcher besonders betroffenen Gruppen von Menschen werde die Gesellschaft noch länger beschäftigen, sagte Leven.

Positiv sei, dass es gelungen ist, innerhalb weniger Monate den Corona-Erreger zu identifizieren, mehrere Impfstoffe zu entwickeln und zu produzieren. Das sei ein „fantastischer Erfolg der Medizin und auch der Pharmaindustrie“ und eine direkte Folge von Lernprozessen seit Jahrhunderten, sagte der Wissenschaftler.

epd ost mg