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Kolumne: Pröpstin Christina-Maria Bammel zum Christopher Street Day

"Homophobie trennt von Gott"

Christina-Maria Bammel. Foto: Matthias Kauffmann / EKBO
Christina-Maria Bammel. Foto: Matthias Kauffmann / EKBO

In der "B.Z." schreibt Christina-Maria Bammel, Pröpstin der EKBO, in ihrer neuen Kolumnen-Folge über den Christopher Street Day:

"Der Christopher Street Day ist ein wichtiges Zeichen für unsere Stadt. Der Weg von queeren Menschen zu gleichen Rechten und Anerkennung war furchtbar lang. Er ist noch bittere Realität – hier und in vielen Ländern für Menschen, die einen gleichgeschlechtlichen Partner lieben und das Leben mit ihm oder ihr teilen wollen. Meine Kirche ist an der diskriminierenden Behandlung der Menschen, die kaum in die vermeintliche Norm passten, nicht unschuldig. Ein bestimmtes Verständnis von Glaube wurde dazu genutzt, Menschen wegen ihrer Sexualität und gleichgeschlechtlichen Liebe zu verurteilen. Einen Menschen des gleichen Geschlechts zu lieben ist keine Sünde. Liebe zu unterdrücken oder zu verbieten rechne ich dagegen zur Sünde.

Menschen, die in der Vergangenheit nicht in das Liebesschema der Mehrheit passten, wurden gedemütigt und Biografien zerstört. Es geschah mit Berufung auf die Heiligen Schriften. Die würden festlegen, was ein anständiges Leben mit Gottes Wort sei. Mir sind die Schriften auch heilig. Heilig ist mir die Liebe, die sich schenkt, sich nicht zwingen lässt und „alles erträgt“ – auch in Gestalt der Gleichgeschlechtlichkeit. Diese Liebe sehe ich nicht in der Bibel verdammt. Übergriffigkeit, sexuelle Gewalt, Missbrauch, Treulosigkeit, Verrat und Verantwortungslosigkeit kommen dagegen in der Bibel häufig verdammt schlecht weg. Sie haben nichts mit Liebe zu tun, nur mit abgetöteter Liebe. Da spreche ich als Christin von Sünde.

Noch immer berufen sich Menschen auf die heiligen Schriften, um gleichgeschlechtlichen Paaren Anerkennung zu verwehren. Nicht mit Jesus – ist meine Antwort. Nicht mit der evangelischen Kirche. Sie wird sich zu ihrer Schuld an Menschen äußern, die queer sind. Morgen im Gottesdienst in der St. Marienkirche in Mitte zur CSD-Eröffnung. Die Bitte um Vergebung – in Ohr und Herz aller, die in der Vergangenheit bis heute Ausgrenzung erlebt haben. Erreicht auch Gottes Ohr, glaube ich – und dass wir Menschen am Ende nicht Richter über uns selbst sind, sondern zuletzt Gott urteilt, indem sie alles schlechte Gewesene von uns wegnimmt. Damit machen sich Christen aber keinen schlanken Fuß. Wir haben genau angeschaut, was war: Aufarbeiten ist nötig! Höchsten Respekt habe ich für alle, die gegen dieses Unrecht aufgestanden waren. Sie lehrten ihre Kirche: Homophobie trennt von Gott."

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