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Görlitzer Synagoge als Begegnungsort wiedereröffnet

Seit 1991 ist die Görlitzer Synagoge saniert worden. 12,6 Millionen Euro flossen in den Jugendstilbau. Künftig soll er als kulturelles Zentrum genutzt werden.

Die Görlitzer Synagoge. Foto: Hans Peter Schaefer, www.reserv-art.de / Wikimedia
Die Görlitzer Synagoge. Foto: Hans Peter Schaefer, www.reserv-art.de / Wikimedia

Neue Farbigkeit und eine neue Aufgabe für das historische Denkmal: Nach jahrzehntelanger Sanierung und vielfachem gesellschaftlichen Engagement ist die ehemalige Görlitzer Synagoge am Montag als Kulturforum wiedereröffnet worden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) rief in ihrer Festrede dazu auf, gegen Judenhass aufzustehen. „Antisemitismus ist ein Angriff auf Menschlichkeit, Demokratie und damit auf uns alle“, sagte Grütters. Das Görlitzer Kulturforum könne einen Beitrag zur Wissensvermittlung leisten, gerade für Heranwachsende. Sie hoffe, dass die Geschichte des Ortes das Verantwortungsbewusstsein seiner Gäste schärft.

Die Görlitzer Synagoge hatte als einzige auf dem Gebiet des heutigen Freistaats Sachsen die NS-Pogromnacht vom 9. November 1938 überstanden. Eine Jüdische Gemeinde gab es nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Vernichtungswahn der Nationalsozialisten nicht mehr. 1963 ging die Synagoge in das Eigentum der Stadt über und verfiel zusehends. Zeitweise wurde sie vom städtischen Theater als Kulissenlager genutzt.

Im Kampf für Menschlichkeit und bei der Verteidigung demokratischer Werte komme es auf jeden einzelnen, auf jede einzelne an, sagte Grütters. Es sei beschämend, „welch erschreckendes Ausmaß Hass und Gewalt gegenüber Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder angenommen haben“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte, lange habe sich keiner vorstellen können, dass die Synagoge wieder im alten Glanz erstrahlt. Nach 30 Jahren sei das nun gelungen. „Wir haben den schönsten Raum zwischen Dresden und Breslau“, sagte Kretschmer.

Der Erfolg der Sanierung habe „viele Mütter und Väter“. Der CDU-Politiker erinnerte dabei auch an die Bürgerinnen und Bürger, die sich in der DDR-Zeit gegen den Verfall der Synagoge engagiert haben. Für die Nutzung des neuen Raums wünsche er sich Mut und Weitsicht.

Auch Kretschmer appellierte an ein friedliches Miteinander. „Wir alle sind aufgefordert, das jüdische Erbe zu bewahren und jüdisches Leben zu ermöglichen“, sagte er.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland sprach von einem „glücklichen Tag für Sachsen und Deutschland“. Die Synagoge sei ein „eindrucksvoller Beweis, dass jüdisches Leben hierzulande blüht und trotz dunkler Epochen untrennbar zu Deutschland und Europa gehört“. Nach vielen Jahrzehnten habe die jüdische Gemeinde in Görlitz endlich wieder einen Ort des Gebets und des Innehaltens. Die Synagoge solle ein Ort des Austausches und der Begegnung werden.

Die frühere Wochentagssynagoge im Seitenflügel ist nach der Sanierung wieder zugänglich und kann als Gebetsraum genutzt werden. Für 2022 ist geplant, dem Denkmal auch wieder einen Davidstern aufzusetzen.

„Es soll ein Ort werden, der europäische Verständigung lebt“, sagte der Görlitzer Oberbürgermeister, Octavian Ursu (CDU). Die jetzt restaurierte Synagoge sei eine Zeichen der Hoffnung, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Dresden, Michael Hurshell. Der Dialog sei wichtiger denn je. Die Eröffnung des Kulturforums Synagoge Görlitz war coronabedingt zweimal verschoben worden.

(epd)

https://www.goerlitz.de/Juedische-Spuren.html