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Einsamkeit und Isolation: Gesprächsbedarf bei der kirchlichen Telefonseelsorge steigt

12.01.2021

„Covid-19 ist in den Gesprächen immer präsent", sagt Justus Münster

Die Mitarbeitenden des Corona-Seelsorgetelefons haben viel zu tun. „Covid-19 ist in den Gesprächen immer präsent. Der Lockdown funktioniert wie ein Brennglas“, sagt Pfarrer Justus Münster, Beauftragter der EKBO für Notfallseelsorge im Land Berlin. „Wir sind so etwas wie die Seelsorge-Feuerwehr.“ Alle im Team seien gut informiert über das Thema und könnten weiterführende Hilfe vermitteln. „Wir machen ein fokussiertes Gesprächsangebot für Menschen in der Krise und sind gut erreichbar.“ 

Auch die Kirchliche TelefonSeelsorge in Berlin und Brandenburg führt in Pandemiezeiten sehr intensive Gespräche. Im Dezember 2020 verzeichnete sie rund 1.000 Anrufe mehr als im Vorjahr. „Das Thema Einsamkeit und Isolation nimmt immer mehr Raum ein“, sagt Uwe Müller, Mitarbeiter beim Diakonischen Werk und Leiter der TelefonSeelsorge in Berlin und Brandenburg. Hinzu kämen familiäre Probleme, depressive Verstimmungen, Ängste, Stress, Ärger und Suizidalität. Die knapp 340 Ehrenamtlichen in Berlin, Cottbus, Frankfurt/Oder und Potsdam arbeiten in mehreren Schichten rund um die Uhr an den Telefonen ihrer jeweiligen Geschäftsstelle. 

Seit März 2020 gibt es das Corona-Seelsorgetelefon als zusätzliche Anlaufstelle von der Kirchlichen TelefonSeelsorge in Berlin und Brandenburg. Rund 43 ausgebildete Ehrenamtliche arbeiten derzeit dafür. Von März bis Dezember vergangenen Jahres führten sie über 2.600 Gespräche, zehn bis 15 am Tag, mit einer durchschnittlichen Gesprächsdauer von 30 Minuten. Beim ersten Lockdown im März habe der Schwerpunkt auf konkreten Ängsten gelegen, seelischer Natur oder auch in Form von Existenzsorgen, so Justus Münster. Jetzt verspüre man bei den Anruferinnen und Anrufern eine tiefe Melancholie. Viele seien in einer depressiven Phase, andere werden ungeduldig und machen sich am Telefon Luft. Zunehmend führen die Ehrenamtlichen Gespräche mit direkt von Covid-19 Betroffenen, etwa Angehörigen von infizierten oder verstorbenen Personen. Die Unsicherheit der Situation sei für viele Menschen schwer zu ertragen. Die seelsorgerischen Gespräche wirkten stabilisierend. 

Hintergrund:
Die Kirchliche TelefonSeelsorge in Berlin und Brandenburg ist unter den Rufnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar. Träger sind das Erzbistum Berlin, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die Hoffbauer-Stiftung, evangelische freikirchliche Gemeinden, Caritas und Diakonie. Seit März 2020 gibt es als Zusatzangebot das Corona-Seelsorgetelefon. Von 8 bis 24 Uhr sind die Mitarbeitenden kostenfrei unter der Rufnummer 030/403 665 885 erreichbar.