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"Die Kirche hat die Menschen in Not nicht alleine gelassen"

20.05.2020

Bischof Christian Stäblein widerspricht früherer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht

Bischof Christian Stäblein sagte am Dienstag:

"Wer behauptet, die Kirche habe in den letzten Wochen geschwiegen oder sei nicht für die Menschen da gewesen, hat nicht richtig hingehört und hingeschaut. Die evangelische Kirche und ihre Mitarbeitenden – beruflich wie ehrenamtlich – waren insbesondere bei den Kranken und Sterbenden, haben die Menschen in ihrer Not nicht eingelassen. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger waren, wo sie konnten, in den Krankenhäusern und Heimen, zu Hause und auch auf den Friedhöfen bei der Begleitung der Trauernden. Das ist die ureigenste Aufgabe der Kirche: bei den Menschen sein. Und nicht als erstes das laute darüber Reden. Viele Kirchen waren während dieser Zeit geöffnet für das stille Gebet. Gottesdienste wurden in den Gemeinden in vielfältigster Weise gefeiert, unterstützt von den  Kirchenleitungen. Dieses alles im Nachhinein zu leugnen, ist wohlfeile Institutionenkritik, die an der Wirklichkeit vorbei geht."

Die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat den Kirchen Versagen in der Corona-Krise vorgeworfen. Die Kirche habe in dieser Zeit Hunderttausende Menschen allein gelassen, Kranke, Einsame, Alte, Sterbende, kritisierte Lieberknecht in der Zeitung "Die Welt" (Montag Online/Dienstag Print): "Es sind 8.000 Menschen an Covid-19 gestorben, aber seit März auch 150.000 Menschen aus anderen Gründen. Wo war da das Wort der Kirchen?"

Das Schließen der Gotteshäuser wäre nicht zwingend erforderlich gewesen, sagte die Lieberknecht. Nach dem Infektionsschutzgesetz hätte es ein Recht für Geistliche auf die Begleitung von Sterbenden gegeben. Dazu hätte sie sich "ein klares Wort der Kirchen gewünscht".