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Die Dorfkirche des Monats steht in Kietz

04.10.2019

Schon von weitem ist die St.-Johannis-Kirche sichtbar; auf einer Warft – einem künstlich aufgeschüttetem Erdhügel gelegen, der das Gebäude vor dem Hochwasser der nahegelegenen Elbe schützen soll – wirkt sie so gar nicht wie eine schlichte Dorfkirche. Der stattliche neuromanische Backsteinbau macht eher den Eindruck eines städtischen Gotteshauses. Der erste Kirchenbau des Ortes wurde durch ein Elbehochwasser zerstört; ein zweites Gotteshaus, ein Fachwerkbau von 1703 durch Blitzschlag vernichtet. Die heutige auf kreuzförmigem Grundriss errichtete Kirche entstand zwischen 1892 und 1894. Aus dem Vorgängerbau blieben der barocke Altaraufsatz mit einem Kreuzigungsgemälde, die reich ornamental geschmückte Kanzel und der schöne Patronatsstuhl erhalten. Noch älter ist ein bemerkenswerter Grabstein für den damaligen Patronatsherren Bartholomäus von Wenckstern aus dem Jahr 1553. Gerahmt von einer Säulenarchitektur ist der Verstorbene im Waffenrock halbplastisch dargestellt.

Mit der Errichtung der Sicherungsmaßnahmen an der innerdeutschen Grenze stand die Kietzer Kirche im Sperrgebiet und durfte nicht mehr genutzt werden. Nur aus der Ferne konnte der langsame Verfall beobachtet werden. Nach dem Ende der DDR 1989/90 fand man eine Ruine vor, die wegen Einsturzgefahr bauaufsichtlich gesperrt werden musste. Das Dach war undicht, Wasser war in das Gebäude eingedrungen, der Hausschwamm hatte sich ausgebreitet. Sogar über einem Abriss des Kirchengebäudes wurde nachgedacht.

Glücklicherweise kam es anders. Engagierte Bewohner gründeten 1999 den Förderverein Kietzer Kirche. Als Signal für den Aufbruch glänzte bereits kurz danach das neue Turmkreuz über der Warft. Bereits nach den ersten Sicherungsarbeiten wurde die Kirche wieder gottesdienstlich genutzt. Bis 2012 dauerte die schrittweise Sanierung, durch die das Kirchengebäude wieder zu einem Mittelpunkt des Lebens in der Region wurde. Die Restaurierung der hohen Bleiglasfenster konnte allein durch Spenden des Fördervereins ermöglicht werden. Die bauzeitlichen Wandmalereien wurden wieder hergestellt, Altar und Kanzel vorbildlich restauriert. Die Gesamtfinanzierung trugen weitgehend die örtliche Kirchengemeinde, der Förderverein und der Kirchenkreis. Auch der Landkreis, die Sparkassenstiftung, der Förderkreis Alte Kirchen und die Landeskirche beteiligten sich.

Mit dem Wiederaufbau ihrer Kirche ist das Miteinander der Dorfgemeinschaft gewachsen. Der denkmalgeschützte Bau ist heute auch Kulturkirche der Region. Regelmäßig finden Konzerte statt, unter anderem im Rahmen der Reihe „Musikschulen öffnen Kirchen“. Im Rahmen des Prignitz-Sommers fanden regelmäßig Opernaufführungen hier ihren Platz. Und sogar eine heimische Laientheatergruppe, die „Himmlischen Laienspieler der Lenzerwische“, tritt hier regelmäßig auf. Die Kirche des kleinen Ortes am äußersten nordwestlichen Zipfel des Landes Brandenburg zieht zu den Kulturveranstaltungen inzwischen auch Gäste aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern an. Die Erlöse kommen dem weiteren Erhalt des Gotteshauses zugute.

In diesem Jahr konnte nun auch die Dacheindeckung erneuert werden, nachdem das Dach 1999 als erste Notsicherungsmaßnahme mit Altziegeln einer Abrissscheune gedeckt worden war.

Weitere Informationen:
Dr. Andreas Draeger; Kaarster Str. 18; 19348 Perleberg; Tel.: 03876-614170; draeger.andreas(at)gmx.de