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Berliner Kirche plant Traugottesdienste für Schwule und Lesben

Evangelische Synode beendet Frühjahrstagung in Berlin

25. April 2015. Mehr Anerkennung für Homosexuelle, Engagement für Flüchtlinge, Gedenken an Völkermord-Opfer: Die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat am Samstag ihre Frühjahrstagung in Berlin beendet.

Berlin (epd). Die Kirche will auf Schwule und Lesben zugehen: Homosexuelle Paare sollen in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz bald den gleichen Segen bekommen wie Ehepaare. Die seit 2002 möglichen Segensandachten für eingetragene Lebenspartnerschaften sollen voraussichtlich im Frühjahr 2016 den klassischen Trauungsgottesdiensten für Mann und Frau gleichgestellt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung beschloss die Synode zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung am Samstag in Berlin.

Die Kirchenleitung wurde von der Synode beauftragt, die kirchlichen Rechtsvorschriften entsprechend anzupassen und die notwendigen liturgischen Ordnungen und Texte zu erarbeiten. Zuvor hatten die Synodalen kontrovers über das Thema diskutiert. Kritiker der Gleichstellung argumentierten vor allem, Kirchenmitglieder in ländlichen Gegenden würden damit überfordert.

Viele Schwule und Lesben hätten der Landeskirche bereits den Rücken gekehrt, weil sie nicht die gleiche Anerkennung für ihre Lebenspartnerschaften bekommen wie Ehepaare, argumentierten hingegen die Befürworter. Nachdem seit Jahren Segensandachten für homosexuelle Paare möglich sind, sei es nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen, betonte Bischof Markus Dröge. Dabei müssten jedoch möglichst viele Menschen mitgenommen werden.

Die Synode forderte zugleich den Berliner Senat auf, sich stärker für die rund 100 Flüchtlinge in kirchlicher Obhut in der Stadt zu engagieren. Der Senat müsse "zügig und zielführend" über das Angebot der Kirche zur Lösung der Aufenthaltsfragen verhandeln, heißt es in dem Beschluss. Dafür müssten befristete Duldungen erteilt werden, um eine juristische Vorprüfung der Fälle und eine Einzelfallprüfung durch die Innenverwaltung zu ermöglichen.

Die Flüchtlinge, die seit mehreren Monaten unter dem Schutz der evangelischen Kirche leben, sind überwiegend ehemalige Bewohner des vor rund einem Jahr aufgelösten Camps vom Kreuzberger Oranienplatz. Das Kirchenparlament rief zugleich die eigenen Gemeinden auf, Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Menschen aus anderen Ländern hätten vor allem auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Berlin große Probleme, Wohnungen zu finden, hieß es zur Begründung.

Das Kirchenparlament erinnerte auch an die Opfer des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren und forderte die Bundesregierung zum Engagement für religiöse Minderheiten auf. "Verantwortung verjährt nicht", heißt es in einer entsprechenden Erklärung der Synode: "Was damals geschah, darf auch heute nicht verschwiegen werden."

Der Völkermord an den Armeniern müsse von der ganzen Welt anerkannt und verurteilt werden, auch von der Türkei: "Schuld muss angenommen werden." Dieser durchaus schwere Schritt zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte sei notwendig, um den "Weg zur Vergebung zu öffnen, bittere Erinnerungen zu heilen und eine gemeinsame Zukunft zu gewinnen".

Die 114 Synodalen vertreten rund eine Million Protestanten in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen. Das Kirchenparlament kommt im November zu seiner nächsten Tagung zusammen.