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Zum Internationalen Kindertag

Von Pröpstin Christina-Maria Bammel

Heute zum Internationalen Kindertag am 1. Juni werden wir wieder laute Forderungen hören und formulieren, die Rechte und Ansprüche von Kindern und Jugendlichen zu stärken, ihre Sichtweisen und Erfahrungen in alle gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse zur Pandemiebewältigung konsequenter integrieren.

Es bleibt ein Skandal, dass Kinder mit dieser Pandemiezeit gefährdeter waren und sind – gerade mit Blick auf häusliche und auch sexuelle Gewalt; ebenso, was Vernachlässigung angeht. Wir wissen um den Skandal der in Bildungsfragen abgehängten Kinder. Wir wissen um den Skandal der Vereinsamung von Kindern und Jugendlichen bei überforderten Eltern. Und das ist nicht nur ein Problem in sozial oder wirtschaftlich besonders herausgeforderten Familien.

Kein Kind darf benachteiligt werden, und jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, auf Gesundheit, auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung, auf Schutz vor Gewalt, auf Zugang zu den Medien. Die Liste ist viel länger. Klar! Kinderrechte sind kein Kinderkram, aber sie werden zu oft als so etwas abgetan. Morgen werden vielleicht einige Stimmen auf allen möglichen Kanälen daran erinnern, dass Kinderrechte alles andere als Kinderkram sind. Wer in der DDR aufgewachsen ist, hat es vielleicht noch im Gedächtnis: Dort war der Internationale Kindertag am 1. Juni ein ziemlich großes Ereignis. Nur wie fast alles in der DDR wurde auch dieser Tag genutzt, um die eigene Politik angeblich um der Kinder willen hell und strahlend auf der dunklen Folie der Politik nicht sozialistischer Länder zu inszenieren. Die DDR ist mit dem Jahr 1989 versunken. Aber seit eben jenem selben Jahr gibt es die UN-Kinderrechtskonvention. Was könnte aktueller sein?  Es ist gut, dass es Regeln und Rechte gibt. Aber ich habe noch ein paar mehr Wünsche. Für jedes einzelne Kind dieser Stadt und für jedes Kind des gesamten globalen Dorfes:

Dass kein einziges Kind je vergessen möge, wie das Träumen geht,

wie es sich anfühlt, geachtet zu werden und andere Menschen achten zu können,

wie es sich anfühlt, in eine Decke gehüllt und gewärmt zu werden,

wie es sich anfühlt, stark und laut sein zu können,

wie es sich anfühlt, die eigene Meinung sagen zu können.

Schöne Wünsche sind eins, voller Einsatz für Kinderrechte - das ist der zweite Schritt. Kommt einem vielleicht grenzenlos vor, was da noch zu tun ist. Da halte ich es mit dem vierfachen Familienvater und Bürgerrechtler Martin Luther King: “Wir müssen begrenzte Enttäuschungen akzeptieren, aber nie die unbegrenzte Hoffnung verlieren.“

Wir brauchen eine Kinderbegleit- und unterstützungs-Offensive, zum Beispiel auch eine beherzte Intensivierung der Ausgleichs- und Erholungsangebote für junge Menschen. Das braucht einen gemeinsamen, gesellschaftlichen Willen und gemeinsam getragene Ressourcen. Und damit meine ich nicht nur die Ressourcenausstattung in der Familienberatung, in den Angeboten zur Familienerholung, in der Arbeit der Familienzentren. Ich meine auch die Begleitung derer, die sich um die Kinder sorgen, sie pflegen, bilden und fördern. Das muss in auskömmlicher Weise geschehen!

Rund um den Globus wird zu verschiedenen Zeiten an die Rechte der Kinder erinnert und heute werden die Kinder besonders gefeiert. Die Vereinten Nationen haben dafür beispielweise den 20. November ausgewählt. Aber ob nun am 1. Juni, am zweiten Sonntag im August, am 12. April, am 20. September - Ist nicht jeder Tag ein entscheidender Tag im Einsatz für Kinderrechte! Ich meine, jeder Tag ist Kindertag.

Letzte Änderung am: 19.10.2020