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Kirche Piazza - Mein Einsatz in Berlin-Marzahn

von Pröpstin Christina-Maria Bammel

Manchmal geschieht so etwas wie Pfingsten, das Brausen des Geistes und das gegenseitige Verstehen, plötzlich und unmittelbar – und braucht dafür kein besonderes Datum:

Wenige Tage vor dem Fest der Ausschüttung des Heiligen Geistes habe ich das erlebt auf einem Marzahner Platz in Berlin zwischen Rathaus, Springbrunnen und Einkaufsmall. Wer einmal dort steht und offen ist für das, was kommt, kann es erleben: Menschen bleiben stehen, bekommen einen Capuccino oder Espresso, so wie sie es wünschen, - geschenkt!

 „Wann bekommt man heute noch etwas geschenkt?“ Sagt ein bisschen überrascht ein junger Mann – und der frische Wind auf dem Platz pfeift ihm ein etwas durch die kurzen Haare. Der Kaffee wärmt. Und das Gespräch taut ihn auch innerlich ein bisschen auf. Wird er danach sagen.  

Gratis das alles mit der Cafe-Ape, einer kleinen fahrenden roten Kaffeemaschine. Und Zeit zum Zuhören gibt es dazu. Die letzten Monate haben dem jungen Mann zugesetzt. Er war mehr allein als ihm lieb gewesen wäre. „Die Pandemie ist eine Katastrophe für mich.“ Darüber mehr als einen Augenblick ins Gespräch kommen können.

Ein Wort der Ermutigung. Das kann so viel bewirken. Gottes Geist sucht wunderbare Wege in die Herzen der Menschen.

Auch in das Herz des Rentners, der in der Nähe wohnt und die Pandemiemonate gut überstanden hat. Aber einsam war es schon ein bisschen, meint er. Jetzt ist er mal wieder zu seinem alten Arbeitsplatz gegangen. Mal nachsehen, wie es den ehemaligen Kollegen geht. Da hat man natürlich nicht so viel Zeit für ihn. Aber er kommt jetzt mit dem Espresso ein wenig ins Erzählen, wie er früher Stadtplanung gemacht hatte, was ihm da geholfen hat, wenn er  sich gegen Widerstände behaupten musste. Und was ihm jetzt hilft: Vielleicht wird er mal wieder ins Konzert gehen, das es ganz in der Nähe seiner Wohnung manchmal in der Kirche gibt. Ist was anderes als die ständigen Filme.

Und dann die drei Frauen sogar aus einem anderen Bezirk. Eine von ihnen erzählt, wie gut ihr Nachbarschaftshilfe in den vergangenen Monaten getan hat. Kann man daraus nicht was Dauerhaftes machen? Wir überlegen zusammen, wie das gehen könnte.

Solche und andere Geschichten habe ich gemeinsam mit anderen begeisterten Kolleg:innen an der Ape erleben dürfen.

Offenheit, Interesse, Kontaktfreude – alles da in dieser Stadt. Was daraus alles an Guten entstehen kann …

Beziehungen, die aus dem Augenblick heraus entstehen, die bestärken für den Moment – und vielleicht auch darüber hinaus. Für mich ist das Geistwirken, wofür ich nur von Herzen dankbar sein kann.

Ob Religion nicht auch viel mit Gewalt und Übergriffigkeit zu tun habe, werde ich gefragt. Die Geschichte hat das Buch auch zu dieser Schattenseite von Religiosität geschrieben.

Wenn ich an die ersten Pfingstbegegnungen in den Schriften der Bibel denke, zeichnet sich noch ein anderes Bild: Gottes Geistkraft ist Sanftmut statt Tollwut, Mutgeist statt Wutgeist, Freundlichkeit statt Feindlichkeit. Wir finden diese Kraft in Fest- und Alltagen, im Ungewöhnlichen und Überraschenden. Wir werden von ihr gefunden, angesteckt, gezogen und gelockt, begeistert! Immer wieder erlebt, immer wieder erfüllt davon, wenn ich am wenigsten damit rechne.

Das feiern wir am besten in Gemeinschaft. Denn Gottes Geist stiftet und erneuert Gemeinschaft, bringt Leben in die Beziehungen, gibt einen neuen Anfang, wo alte Wege an ihr Ende gekommen sind. Darauf hoffen in diesen Festtage vielen Menschen weltweit, ich auch.

 

Letzte Änderung am: 19.10.2020