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Gedanken zur Bronzeskulptur "Landless Stranded"

von Pröpstin Christina-Maria Bammel

Mit der rechten Hand hält sich der kleine Junge fest. Mit der linken Hand streckt er die Fackel weit nach oben. So weit er kann. Die große Schwimmweste hindert ihn ein bisschen dabei. Aber sie ist ja lebensnotwendig auf dem Meer. Nackte kleine Füße, kurze Hosen, viel zu wenig an für diese stürmische Jahreszeit! Ein kleines, tapferes Bündel Leben. Dieser Junge. Aber die Fackel lässt er nicht los. So steht er als Bronzefigur seit Kurzem auf der allerhöchsten Spitze der Kirche zum Heiligen Kreuz. Und die Fackel leuchtet zweimal täglich.

Wie viele solcher kleinen und auch größeren Jungs rufen nur mit einer Schwimmweste ausgestattet gerade um Hilfe auf stürmischer See. Der kleine Junge aus Bronze mit rauchender Fackel, hat keinen Namen. Er steht für die vielen, die fast alles verloren haben, ihr Zuhause, ihre Familien, aber nicht ihren Namen. Manchmal sogar den, wenn sie ertrinken und keiner um ihre Identität weiß. Aber eine Mutter hat sie einmal unter dem Herzen getragen, auf die Welt gebracht, umsorgt. Kein kleiner Junge hat es verdient, auf hoher See in wackeligem Fluchtboot oder in den Wäldern an Europas Grenzen einen letzten rauchenden Hilferuf abzugeben. Daran erinnert die Bronzeskulptur auf der Kirche. Der Titel der Installation “Landless Stranded”.

In jedem Menschen steckt ein Flüchtling, heißt es. In jedem Menschen steckt die Sehnsucht danach, willkommen zu sein, wo immer er oder sie ankommt. Wer wollte nicht gefunden und gehalten werden. Wer wollte nicht hören, dass jemand sagt: Bleib doch, du hast hier ein zu Hause! Flucht gehört zur Menschheit seit Tausenden von Jahren. Das heißt aber nicht, wir könnten es einfach so geschehen lassen. Wir können auch anders. Europa kann anders!

 

Letzte Änderung am: 19.10.2020