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LevelUp '20 Online-Konferenz

09.05.2020

Main Quest Ministries e.V. und der CVJM Deutschland luden zur ersten Online-Konferenz für christliche Gamer und Nerds ein.

Nach der Begrüßung und einem geistlichen Impuls referierte Stefan Piasecki unter der Überschrift "credere et ludere" (glaube und spiele) mit einem Abriss in die Geschichte des Gamings und der Virtual Reality. Dabei hat er bedeutende Zitate einfließen lassen, die insbesondere den Wert von Spielen für unser religiös-spirituelles, ja moralisches Sein und Werden würdigten und verwies dabei u.a. auch auf Edward Snowden, der selbst sagte, dass sein Handeln durch Spiele beeinflusst wurde. In der Tat gab es bereits Anfang der 80er Jahre die ersten Spiele, deren Handlungsverlauf sich durch die Entscheidungen bzw. daraus folgenden Aktionen der Spielenden veränderte, wodurch zumeist ein moralisches Bewusstsein spielerisch geschärft wurde. "Spiele sind Teil der Alltagskultur und verbinden alle sozialen Schichten und Generationen", referiert der unter anderem an der CVJM-Hochschule Kassel dozierende Dr. Piasecki. Und tatsächlich weiß ich häufig nicht einmal, wer auf der anderen Seite mit mir zockt, weder Geschlecht, noch Miliieue, Alter oder Herkunft. Das Spiel an sich verbindet.

Einen englisch-sprachigen Beitrag hörten wir von 4TW - Gaming Ministry. Dabei gingen Jay und Davy auch auf Tabletop-Spiele ein, die noch einmal einen ganz eigenen nerdigen Bereich eröffneten und gleichfalls in die Kategorie Gaming gehören. Mir vielen dabei auch Gemeinden aus unserer Landeskirche ein, die regelmäßig zu Spieleabenden einluden, wie beispielsweise die Kirchengemeinde in Berlin-Blankenburg. Wichtig war es Davy Thompson, klar zu machen, dass Gott nicht erst in die Spiele hineingebracht werden muss, weil er bereits da ist. Wir müssen das nur akzeptieren und wir dürfen nicht aufhören, nach Gott zu fragen und ihn zu bitten, ingame genauso wie im wirklichen Leben.

Niklas Schier gab einen interessanten Einblick in seine Arbeit als Pfarrer bzw. rückblickend auf sein Spezialvikariat in der EKHN. Er beschrieb das Spezialvikariat in Hessen-Nassau als "kirchensteuerfinanzierte Narrenfreiheit für ein halbes Jahr - einige sind nach Hawaii gegangen, ich hab gefragt, ob ich auf Twitch darf und die haben "Ja" gesagt. In diesem halben Jahr war ich sehr frei und habe auch keine Regeln auferlegt bekommen. Ich habe mir dieses Projekt ausgesucht, die Kirche hat es für das halbe Jahr unterstützt und danach eben nicht mehr. Nun mache ich es einfach so als Pfarrer." Spezialvikariate gibt es übrigens auch in der EKBO. Interessierte suchen rechtzeitig das Gespräch mit Dr. Christoph Vogel, dem Leiter unserer Ausbildungsabteilung. Während seiner Ausführungen, schätzte Niklas Schier die Twitch-Gemeinde als zu 95% seiner Meinung nach kirchenfern bis kirchenfeindlich ein, was sich nicht mit meiner eigenen Erfahrung deckt, aber dennoch interessant ist, dass es zu dieser Einschätzung kommt, weil eben viele (christliche) Gamer ihre Religiosität nicht offen vor sich her tragen. In jedem Fall ermutigt Pfarrer Schier ganz explizit auch Christ*innen zum Spielen: "Im Sommer ist es zu heiß, ideal zum zocken. Herbstwetter macht depressiv, ideal zum zocken. Im Winter ist es zu kalt, ideal zum zocken. Und im Frühling fliegen Pollen, ideal zum zocken."

Schließlich referierte noch Katharina Hauboldt zunächst allgemein zu FreshX-Projekten, die ähnlich dem Gaming vielleicht nicht unbedingt als erstes mit "dem" Christ-Sein verbunden werden, wie die Metal- oder Tattoo-Szene. Auch wenn sie selbst nicht aus der Gaming-Szene kommt, gelte für diese dasselbe wie für alle anderen Bereiche: Katharina Hauboldt macht Mut, dort auf Menschen zuzugehen, indem die Beziehung zu Gott gestärkt wird auf eine Art, die eben zu diesem Medium passt. Man müsse das auch als Gabe sehen, weil es genug Menschen gebe, die das gar nicht können und noch mal genug Menschen, die aber genau dort (ingame) zu finden seien. Bei FreshX sei besonders das Hinhören und das Dasein wichtg, empathisches Zuhören auf Gott und auf die Menschen, nicht nur um zu Antworten, sondern um neugierig von den Menschen zu erfahren und zu fragen, wie sich das verbindet mit dem Evangelium. Das könne sie sich für den Bereich Gaming gar nicht genau vorstellen, aber sie fände es durchaus interessant, weil es z.B. bei Unterhaltungen über Teamspeak eben auch in den persönlichen Bereich gehe, wo durchaus auch über den Glauben gesprochen werden könne.

Die Vorträge an sich haben schon viele Inspirationen gegeben, aber auch mit den Pausen hat sich das Team große Mühe gegeben. Sponsoren haben ihre Projekte vorgestellt und dabei ganz nebenbei u.a. auf die Wichtigkeit der Präsenz von Gemeinden im digitalen Raum hingewiesen, hier nicht zuletzt auch eine interessant gestaltete Homepage, die zudem Hinweise auf (wirklich erreichbare) Ansprechpartner*innen bereithalten sollten, hervorgehoben. Zudem gab es auch Hinweise auf Hilfe bei Suchtproblemen in Bezug auf Internet und Gaming bei Jugendlichen, so dass selbst die Pausenfüller häufig lehrreiche Anstöße geben konnten. Humor gab es durchweg und allerortes, egal ob ganz gezielt durch Christian Memes oder einfach im Rahmen der sich entwickelnden Gespräche nebenbei.

Den Abschluss bis um 22:45 Uhr bildete #ZockenFürDenGutenZweck, wobei es egal war, ob man das Geld für Headshots in CS oder die Zocker bei Mario Kart gab, in jedem Fall waren die gesammelten über 1700,-€ gut angelegt als Unterstützung für die Tafel Deutschland e.V., wobei ich den Eindruck hatte, dass die Zocker auch ohne diese Spenden sehr viel Spaß hatten und gerne gespielt haben und so soll es ja auch sein. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, die noch einmal mehr deutlich machte, dass es keinen Grund gibt, Gaming und Christentum nicht zusammenzudenken. Oder um mit den Worten von Pfarrer Wolfgang Loest zu schließen: "Denn ich bin davon überzeugt, dass Gott auch uns Nerds liebt."

Ein Bericht von Landesonlinepfarrer Andreas Erdmann, Berlin d. 09.05.2020

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Letzte Änderung am: 24.04.2020