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Frühere Bundesministerin Christine Bergmann wird 75

05.09.2014

Seit ihrer Jugend ist Bergmann in der evangelischen Kirche engagiert, während des Studiums etwa in der evangelischen Studentengemeinde.

5. September 2014. Berlin (epd). Die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) wird am Sonntag 75 Jahre alt. Von März 2010 bis Oktober 2011 war sie Beauftragte der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. In dieser Funktion hat sie umfangreiche Empfehlungen zur Prävention von Missbrauch vorgelegt.

Bergmann wurde 1939 in Dresden geboren. Sie studierte Pharmazie in Leipzig und arbeitete als Apothekerin in Berlin, bis sie 1977 Abteilungsleiterin für Arzneimittelinformation am Institut für Arzneimittelwesen der DDR wurde. Direkt nach dem Mauerfall schloss sie sich der SPD an. Von Mai 1990 bis Januar 1991 war Bergmann die letzte Präsidentin der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Danach war sie bis 1998 Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Arbeit, berufliche Bildung und Frauen.

Der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder (SPD) gehörte Bergmann von 1998 bis 2002 als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Schröder beschrieb damals das Ressort leicht verächtlich als «Familie und das andere Gedöns». Ministerin sei sie wegen ihrer doppelten Quote als Frau aus dem Osten geworden, sagte Bergmann einmal im Rückblick. In ihrer Amtszeit machte sie aus dem sogenannten Erziehungsurlaub die Elternzeit und führte einen Rechtsanspruch auf Teilzeit ein.

In ihrer gesamten politischen Laufbahn setzte sich Bergmann für die Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen sowie für Kinderrechte ein. Nach dem Mauerfall zählte sie zu den Initiatorinnen des ersten Frauenhauses im Osten Berlins. Als Senatorin richtete sie in der Hauptstadt einen Runden Tisch gegen häusliche Gewalt ein und initiierte Programme für gewalttätige Männer. Als Bundesfamilienministerin erarbeitete Bergmann gemeinsam mit der damaligen Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) das Gewaltschutzgesetz, das geschlagenen Frauen mehr Rechte gibt. Über die Motive und Erfahrungen ihres Politikerlebens gibt sie Auskunft in der Autobiografie «Von Null auf Hundert. Stationen eines politischen Lebens», die vor zwei Jahren erschienen ist.

Seit ihrer Jugend ist Bergmann in der evangelischen Kirche engagiert, während des Studiums etwa in der evangelischen Studentengemeinde. Nach dem Abschied aus der Politik war sie von 2003 bis 2008 Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitete sie zuletzt die Kommission, die das heftig umstrittene Familienpapier «Zwischen Autonomie und Selbstbestimmung» formuliert hat. Das Leitbild der partnerschaftlichen Familie sollte der Maßstab für kirchliches Handeln bei der Unterstützung von Familien sein, warb Bergmann 2013 bei der Vorstellung der Orientierungshilfe.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, dankte Bergmann in seinem Gratulationsschreiben für ihr Engagement in Kirche und Gesellschaft. Er hob besonders den Einsatz von Christine Bergmann für die Gleichstellung der Frauen und für Genderfragen hervor. «Sie haben das Thema der Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsaufgabe kirchenleitenden Handelns in allen kirchlichen Ebenen auf den Weg gebracht», schrieb Dröge.