Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
InstagramRSSPrint

Bischof Dröge erinnert an Gefängnispfarrer Poelchau

08.10.2018

Denkmaleinweihung und Gottesdienst in der JVA Tegel

Berlin (epd). Mit einem Gottesdienst ist am Sonntag in der Berliner Justizvollzugsanstalt Tegel an den Widerstandskämpfer und Gefängnisseelsorger Harald Poelchau (1903-1972) erinnert worden. Anlass war die Einweihung eines Denkmals in der JVA und der Geburtstag Poelchaus am Freitag (5. Oktober).

Der Berliner Bischof Markus Dröge würdigte bereits am Samstag den Einsatz Poelchaus für Gefangene in der NS-Zeit. So habe Poelchau Kontakte zwischen politisch Inhaftierten und ihren Angehörigen ermöglicht und versucht, Haftbedingungen zu lindern, erklärte Dröge im RBB-Hörfunk. Zudem habe er zum Tode Verurteilte auf ihrem Weg zur Hinrichtung begleitet: "Für Tausend Inhaftierte war der Pfarrer da in den letzten Tagen und Minuten ihres Lebens."

Poelchau war Mitglied der Bekennenden Kirche und von 1933 bis 1945 und von 1949 bis 1951 evangelischer Gefängnisseelsorger im Strafgefängnis Berlin-Tegel. An ihn erinnert in der Justizvollzugsanstalt Tegel jetzt eine Skulptur. Poelchau wäre am 5. Oktober 115 Jahre alt geworden.

Poelchau habe Briefe und Nachrichten für die politisch Inhaftierten aus dem oder in das Gefängnis geschmuggelt, sagte Dröge weiter, unter anderem für Dietrich Bonhoeffer und Helmut James Graf von Moltke: "Gemeinsam mit seiner Ehefrau Dorothee vermittelte er jüdischen Mitbürgern illegale Unterkünfte, um sie vor dem Abtransport ins Konzentrationslager zu bewahren."

Poelchau sei ein Mann gewesen, so Dröge weiter, "der Wege fand, obwohl es schwer war". Das bringe auch die Skulptur in der JVA Tegel auf den Punkt. Sie zeigt einen Mann, der im Begriff ist, durch eine Mauer zu gehen. Zu dem Denkmal gehört ein Spiegel auf dem die Frage steht: "Was braucht es, einem anderen zu helfen".

Diese Frage, so Dröge weiter, "der sich Harald Poelchau damals so mutig und glaubwürdig stellte", habe nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Erinnerung an Harald Poelchau zeige: "Es gibt oft einen Weg. Manchmal braucht es Mut dazu. Und Menschen, die an unserer Seite sind." Das Denkmal symbolisiert den Pfarrer, wie er mit einer Aktentasche - in der er oft Briefe und Lebensmittel für die Inhaftierten versteckte - durch die Gefängnismauer geht.

 

Zur Radiokolumne des Bischofs zum Gedenken an Harald Pölchau geht es hier.