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Das Bibelkabinett – eine Wunderkammer

An Pfingsten wurde die Kollekte für die bibelmissionarische Arbeit der Landeskirche, unter anderem für die Cansteinische Bibelkabinett, gesammelt. Mareike Witt, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bibelkabinett, im Gespräch mit Tanja Pilger-Janßen über eine Legobibel und selbstverständliche Geschichten, die doch eigentlich unglaublich sind.

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Das Team des Bibelkabinetts. Foto: privat

Das Team des Bibelkabinetts. Foto: privat

 

Tanja Pilger-Janßen: Frau Witt, was hat Pfings­ten mit dem Bibel­kabinett zu tun?

Mareike Witt: Was wüssten wir von Pfingsten, wenn wir die Bibel nicht hätten? Hier sind wir beim Anliegen des Bibelkabinetts.

T.P.: Und wie sieht das aus?

M.W: Das Bibelkabinett soll dazu dienen, dass sich konfessionelle wie konfessionslose, glaubende wie nicht glaubende Menschen über die Bibel informieren können. Jede Frage kann gestellt werden. Mit unterschiedlichen Zugängen zu den Texten versucht unser Team Interesse und Neugierde zu wecken. In der Arbeit steht aber nicht das Anschauen, sondern das eigene Ausprobieren im Vordergrund.

T.P.: Und warum der Name ­„Kabinett“?

M.W.: Ein Kabinett ist eine Wunderkammer, hier gibt es viel zu entdecken. Zu sehen sind mittelalterliche Faksimile, Bibeln aus dem 16. Jahrhundert bis zur Minecraft­bibel, Bibeln in über hundert verschiedenen Sprachen und vieles mehr.

T.P.: Das Bibelkabinett ist bei Schulklassen sehr beliebt. Wie arbeiten Sie zusammen? 

M.W.: Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat eine Geschichte. Wie haben Menschen ihre Erlebnisse mit Gott aufgeschrieben? Auf Stein, mit Feder und Tinte – das kann bei uns ausprobiert werden. Mit einer Druckerpresse drucken wir Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue.“ Vergleichen wir diese Übersetzung mit der Volxbibel: „Gott höchstpersönlich ist mein Dauergastgeber, der mich nonstop erfüllt … er bringt mich zu einer all-you-can-eat-bar“, sind wir sofort im Gespräch.

T.P.: Der Berliner Freiherr von Canstein gründete 1710 die weltweit erste Bibelgesellschaft, um die biblische Botschaft den Menschen nahezubringen. Was gibt es neben dem Bibelkabinett noch für Möglichkeiten bei Ihnen?

M.W.: Für und mit dem Religionsunterricht bieten wir zum zweiten Mal das Legobibelprojekt an. Von Erwachsenen ist zurzeit der Vortrag „Was ist an der Luther Revision 2017 neu?“ sehr gefragt.

T.P.: Was ist das Legobibel­projekt?

M.W.: 2015 haben wir über 500 Kindern und Jugendlichen angeregt, die Geschichte von Josef mit Lego darzustellen. Sie haben die Szenen fotografiert und mit Texten versehen. Wir haben die Ergebnisse als Comic-Buch drucken lassen. Bei einem großen Festgottesdienst hat jeder eine eigene Legobibel erhalten. Es war sehr schön zu hören, wie viel Spaß es den Teilnehmenden gemacht hat, sich mit den Bibeltexten auseinanderzusetzen.

T.P.: Wie erreichen Sie konfessionslose Menschen? 

M.W.: Vor einigen Jahren hatten wir einen Projekttag in einer Kirche in Berlin-Marzahn. Ein Junge aus der Gegend, ohne kirchliche Sozialisation, schaute sich eine Kinderbibel an, hielt inne und sagte begeistert: „Das ist ja unglaublich!“ Das werde ich so schnell nicht vergessen. Für uns sind die biblischen Geschichten oft selbstverständlich – kennen wir schon. Aber eigentlich sind das krasse Geschichten – unglaublich.

T.P: Worauf sind Sie im Bibel­kabinett besonders stolz?

M.W.Oh, da könnte man einiges nennen: unsere Druckerpresse, eine Bibel aus dem 16. Jahrhundert, die kleinste deutsche Bibel und so weiter. Aber am stolzesten sind wir als Team nicht auf Ausstellungsstücke, sondern auf die Bibel an sich und die Arbeit mit ihr. Das Schönste ist, wenn wir merken, dass es Besuchergruppen bei uns gefällt. Der Großteil unserer Arbeit wird ehrenamtlich oder auf Honorarbasis geleistet. Jährlich besuchen uns um die 2000 Menschen. Das ist für uns als kleine Einrichtung sehr viel. Das gemeinsame Arbeiten zur Bibel, das ist für uns der echte Schatz im Bibelkabinett.

Mareike Witt. Foto: privat

Das Bibelkabinett
Die Arbeit im Bibelkabinett wird von einem Team aus Theologiestudierenden und Pfarrern auf Honorarbasis und einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin gestaltet. Finanziert wird das Angebot durch Spenden und die Kollekten am Pfingstsonntag.

Kontakt: 
(030) 3191219, kontakt@bibelkabinett.de, www.bibelkabinett.de

Kontodaten: 
Cansteinsche Bibelanstalt in Berlin e.V.
IBAN DE25 5206 0410 0003 9082 67
BIC GENODEF1EK1

Letzte Änderung am: 14.06.2017