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Lieder der Wendezeit

Ein Rechercheprojekt zum Liedgut der friedlichen Revolution

In Liedern haben vor 30 Jahren Gedanken und Worte Ausdruck gefunden, die vielen Menschen in den stürmischen und bewegten Zeiten Halt gaben. Mit dem Singen der Lieder in Gemeinschaft stärkte man sich gegenseitig. Der Mut, gegen die übermächtig scheinende Staatsmacht zu widerstehen, ist durch das Singen gewachsen. In Liedern transportiert sich die kraftspendende Botschaft noch nachhaltiger.

Musik begleitet uns durch das ganze Leben. Gesungene und gehörte Lieder gewinnen in emotional aufwühlenden Zeiten eine besondere Bedeutung. Aus Freude über einen Gewinn singen wir; ein neuer Lebensabschnitt kann mit einem Lied verbunden sein; im Dunkeln hilft es, gegen die Angst anzusingen; durch schwere Zeiten kann eine Liedzeile im Kopf tragen helfen.

Lieder, die in der Wendezeit Bedeutung hatten, sind hier zusammengetragen worden. Viele finden sich in unserem Gesangbuch, manche wurden in Archiven gefunden und andere erst durch die Erinnerung wieder lebendig. Eine kleine Reihe unserer kirchlichen Wochenzeitung zu den Liedern der Friedlichen Revolution lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und von „ihren“ Mutmachliedern berichten.

Ihre Cornelia Ewald, Landessingwartin der EKBO

  1. Aus den Gemeinden - Recherche zum Liedgut zur friedlichen Revolution - Liederliste
  2. Liedermacher der friedlichen Revolution
  3. Lieder als persönliche Begleiter

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1. Aus den Gemeinden - Recherche zum Liedgut zur friedlichen Revolution - Liederliste

2. Liedermacher der friedlichen Revolution

Im Rahmen meiner Recherche und auf der Suche nach Liedern, die zur Zeit der friedlichen Revolution in unseren Gemeinden gesungen wurden, besuchte ich das Robert-Havemann-Archiv in Lichtenberg und das deutsche Rundfunkarchiv in Potsdam. Das Eintauchen in die Zeit vor 30 Jahren war sehr bewegend. Mit begegneten Zeugnisse großen Mutes einzelner Menschen und kleiner Gruppen, die sich bereits 10 Jahre vor der Wende für Menschenrechte engagierten und dabei vielfach Anfeindungen ausgesetzt waren. Aus der Kirchengemeinde Friedrichsfelde gibt es im Havemann-Archiv das „Friedrichsfelder Liederkränzchen“, ein Liederbuch mit Friedensliedern, das, wie damals üblich, im Ormigverfahren vervielfältigt wurde und aus dem zu den Treffen gemeinsam gesungen wurde. Lieder wie: Die Gedanken sind frei, Bürgerlied, Denunziantenlied, Lied der Pariser Kommune u.v.a. finden sich hier.

Reinhard Schult, Liedermacher, war selbst im Friedrichsfelder Kreis beteiligt, zwei seiner Lieder (u.a. Darum lasst uns alles wagen) wurden dort und auch zu der richtungsweisenden Veranstaltung am 28.10.1989 in der Erlöserkirche Lichtenberg, wo sich Künstler für die Freilassung der zuvor nach  Demonstrationen Inhaftierten mit einer 5-stündigen Veranstaltung unter dem Titel „Wider den Schlaf der Vernunft – Kunstwerktätige gemeinsam gegen Gewalt – für Demokratie“ einsetzten und sich in Liedern und Texten mit ihnen solidarisierten, gesungen. Der Rundfunk der DDR II strahlte diese Sendung am 29.10.1989 aus.

Die Recherche im Deutschen Rundfunkarchiv brachte weitere spannende Beiträge zutage. Unter anderem fand ich dort das "Lied von der zu früh aufgestandenen Wahrheit“(Link führt zu Spotify) von Gerhard Schöne in der Reihe: Unser Land, unser Lied: Lieder für die Erneuerung. Sehr genau und auch schmerzhaft findet Gerhard Schöne Worte, die die damalige Situation unglaublich treffend beschreiben.

Die Gruppe Patchwork – in der kirchlichen Jugendarbeit in der DDR sehr bekannt - interpretiert in diesem Beitrag das bekannte Wolf-Biermann-Lied: „Du, lass dich nicht verhärten“, dass für viele Menschen sehr sinnbildlich für die letzten Jahre im Umgang mit dem sozialistischen System steht.

Unser Land, unser Lied: Kirchenmusik mit der Gruppe Patchwork Quelle: Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, Archivnummer KONF.6469946.

Schriftsteller, Dichter, Liedermacher und Sänger haben insbesondere in den Veranstaltungen im Oktober und November 89 ihre Stimme erhoben und mit künstlerischen Möglichkeiten in Worte und Töne gefasst, was viele Menschen bewegte.

„Noch gerade die Kurve gekriegt in der Wende“ Interpret: Stefan Körbel und Freunde
„Das ist ein Frühlingslied, das im Oktober blüht“ Interpret: Stefan Körbel

Ich darf hier sehr gern auf die Website des Detuschen Rundfunkarchivs verweisen, die eine ausführlich Dokumentationüber die Zeit der Wende anbietet:

1989.dra.de/1989-1990-wende-zeiten

Höchst interessant ist die am 30.12 1989 im Radio DDR II ausgestrahlte Diskussion von in Leipzig direkt beteiligten Künstlern u.a., die  die Ereignisse und Entscheidungen im Oktober 89 noch einmal Revue passieren lassen. Unter der Gesprächsleitung von Stefan Amzoll berichten Kurt Masur, damals Gewandhauskapellmeister, Peter Zimmermann, Theologe, Friedrich Schenker, Komponist, Christoph Hein, Schriftsteller und Georg Katzer, Komponist über die dramatischen Ereignisse in Leipzig und diskutieren die Rolle Leipzigs als Heldenstadt, die Stellung der damaligen Avantgarde für die Umgestaltung von Grund auf, die Funktion der Kunst und Künstlern, die Modelle von Demokratie und abschließend die Frage: Was wird man nach Jahren sagen über diese Zeit – was in der Rückschau nicht nur für mich sehr spannend war. Lassen Sie sich noch einmal bewegen und inspirieren durch die Lieder, Berichte und Geschichten von und über Menschen, die vorausschauend gedacht und winzig scheinende Chancen und Räume genutzt und entsprechend gehandelt – und für uns alle die Welt bewegt haben.

Leipzig im Oktober 1989 Quelle: Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv.

3. Lieder als persönliche Begleiter

In der Wochenzeitung "die-kirche" erscheint eine Reihe an Beiträgen von Zeitzeugen der friedlichen Revolution. Sie erzählen von ihren Mutmachliedern zur Wendezeit.

Informationen und Links finden Sie hier.