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Bischof Stäblein: Wir sorgen für ein ehrendes Gedenken an Max Friedlaender

Neuaufstellung des Grabsteins auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf geplant

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Antworten zum ehrenden Gedenken an Max Friedlaender

Neuaufstellung des Grabsteins geplant

 

Auf der Grabstelle des  Südwestkirchhofs Stahnsdorf, auf der 1934 die Urne des Max Friedlaender bestattet wurde, erfolgte am 8. Oktober 2021 die Beisetzung der Urne des Henry Thomas Hafenmayer.

Max Friedlaender, ein Musikwissenschaftler, geboren 1852 in Brieg, verstarb 1934 an einem Gehirnschlag. Er war jüdischer Herkunft und trat in den 1890er Jahren zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Er wurde 1934 als evangelischer Christ bestattet.

Mit der historischen Aufarbeitung ist das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) in Potsdam beauftragt. Hierzu gehört besonders der Verdienst um die Erforschung des Lebens von Franz Schubert durch Professor Friedlaender.

Der Grabstein ist derzeit von der Friedhofsverwaltung gesichert. Er ist Eigentum der EKBO. Eine Umbettung der Urne Hafenmayers ist auf Wunsch der Nachfahren Friedlaenders nicht vorgesehen.

 

Zukünftig wird ein Gedenkort an zentraler Stelle auf dem Kirchhof das Leben und Werk von Friedlaender würdigen.

Das bestätigen wir. Die Nachfahren möchten sich nicht weiter öffentlich äußern.

 

Wenn eine Grabstätte abgelaufen ist, kann sie von der Friedhofsverwaltung abgeräumt und eingeebnet werden, die Zersetzungsprozesse der beigesetzten Aschen sind dann regelmäßig abgeschlossen. Die Grabstätte ist dann aufgelöst.

 

Seit 1980 ist die Grabstätte abgelaufen und seitdem gab es keine Nachfragen oder Interesse an dem historischen Grab. Die Friedhofsverwaltung stellt von sich aus keine Nachforschungen an. Das Grab stand somit zur Wiederbelegung frei.

Die Beerdigung fand auf der historischen Grabstätte statt.

Hafenmayer, ein Holocaustleugner, hatte sich eine zentrale Grabstelle gewünscht. Diesem Anliegen kam die Friedhofsverwaltung nicht nach, da in dem anvisierten Bereich viele Gräber jüdischer Verstorbener liegen. Mit der Auswahl einer abgelegenen dezentralen Grabstelle soll der Bildung einer Anlaufstelle für Rechtsextreme vorgebeugt werden. Die Freigabe für Henry Thomas Hafenmayer erfolgte auf Basis des Bestattungsregisters, das Max Friedlaender mit evangelischer Konfession führte.

In Deutschland besteht der Bestattungsanspruch grundsätzlich nur auf kommunalen oder kirchlichen (Monopol-)Friedhöfen des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen oder soweit bereits Grabnutzungsrechte auf einem Friedhof erworben wurden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Friedhof frei zu wählen. Herr Hafenmayer wählte den Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Die Anmeldung der Bestattung erfolgte für die ursprüngliche und später von der Friedhofsverwaltung wieder entzogene Grabstätte am 31.08.2021.

Die Bestattung wurde durch den Bevollmächtigten Hafenmayers, Uwe Meenen, angemeldet. Eine Patenschaft über eine Grabstelle des Südwestfriedhofs liegt nicht vor.

In der Kapelle auf dem Friedhof fand eine nichtkirchliche Gedenkfeier statt. Henry Thomas Hafenmayer wurde im Anschluss an eine Gedenkfeier beerdigt.

 

Die Beisetzung fand ohne evangelische Begleitung statt. Zugegen war das Friedhofspersonal.

Der Grabstein wurde durch die Friedhofsverwaltung verhüllt. Das entspricht dem üblichen Vorgehen bei Bestattungen auf Grabstätten, auf denen sich ein historischer, noch nicht umgearbeiteter, also mit der alten Inschrift versehener, Grabstein befindet.

 

Der Südwestkirchhof steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Miterfasst sind auch die historischen Grabsteine, die deshalb grundsätzlich vor Ort verbleiben sollen, aber einer neuen Zweckbestimmung zugeführt werden dürfen. Der Grabstein Friedlaenders wird an einer neuen, zentralen Stelle aufgestellt (siehe oben).

Veränderungen fanden unmittelbar nach der Beerdigung statt. Das Friedhofspersonal entfernte politisch provokative Schleifen und Dekoration, eine Schärpe gehörte nicht dazu. Inzwischen sind alle Kränze beseitigt.

 

Vor Ort sicherten Polizisten in Uniform und in zivil.

Die Friedhofsverwaltung hat nach der Bestattungsanmeldung am 31.08.2021 Kenntnis erlangt und das Konsistorium der EKBO, also die kirchliche Verwaltung, informiert. Dieses entschied nach Beratung am 21. September 2021 trotz des Hintergrundes von Herrn Hafenmayer aus dem Grundsatz heraus, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte hat. Die Grabstellenvergabe selbst erfolgte hingegen unmittelbar durch die Friedhofsverwaltung.

Auf diesem Friedhof gibt es viele Kriegsgräber und in rechtsextremen Kreisen sind auch die Stellen bereits eigeebneter Gräber bekannt. Die Friedhofsverwaltung arbeitet eng mit der Polizei zusammen und so konnten in den vergangenen Jahren Aufmärsche unterbunden werden.

Letzte Änderung am: 28.03.2022