www.ekbo.de: Newsmeldungen https://www.ekbo.de/ Newsmeldungen de www.ekbo.de: Newsmeldungen https://www.ekbo.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif https://www.ekbo.de/ 18 16 Newsmeldungen http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sat, 31 Oct 2020 10:28:57 +0100 Von Luthers Freiheitstraktat zum Tempolimit https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/von-luthers-freiheitstraktat-zum-tempolimit.html In der Corona-Pandemie zeigt Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" ihre ganze Aktualität, schwärmt der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm. Nicht alles bei Luther ist Gold, hält Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow dagegen.

Gotha (epd). Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die vor 500 Jahren erschienenen Hauptschriften von Martin Luther (1483-1546) als eine der Grundlagen des modernen Rechtstaats gewürdigt. Zugleich warnte der Linken-Politiker am Vorabend des Reformationstages bei einer Podiumsdiskussion mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, vor einer Überhöhung des Reformators. Dagegen sprächen schon seine Äußerungen zum Platz der Frauen in der Gesellschaft oder die antisemitischen Ausfälle am Ende seines Lebens, sagte er am Freitagabend im Gothaer Augustinerkloster.

Anlass für das Gespräch des EKD-Ratsvorsitzenden und des Linken-Politikers Ramelow war das Erscheinen von Luthers Traktat "Von der Freiheit eines Christenmenschen" im Jahre 1520, also vor 500 Jahren. Eine Erstauflage der Schrift, die seit 2015 zum Unesco-Weltdokumentenerbe zählt, wird in der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrt.

Bedford-Strohm bezeichnete das Werk als eines seiner absoluten Lieblingsbücher. Aus keiner anderen Schrift habe er bei den vielen Vorträgen und Predigten im Reformationsjubiläumsjahr 2017 so oft zitiert. Darin appelliere Luther an die Einsicht der Menschen: "Du kennst doch selbst diese Not. Du weißt doch, wie sehr du dir selbst wünscht, dass die anderen dir beistehen. Also öffne dein Herz genauso für die anderen, wie du selbst das in der gleichen Situation erhoffst." Für den bayerischen Landesbischof ist mit diesem Appell aber keine Aufforderung zu Aufopferung oder Selbstverleugnung verbunden: "Das ist ein Appell an die Einsicht aller Menschen guten Willens", erklärte er.

Ramelow spannte einen historischen Bogen von der Reformation über die Arbeiterführerin Rosa Luxemburg (1871-1919) und dem Vorgehen der DDR-Oberen gegen die Verwendung ihrer Worte, dass Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden sei. Für ihn ende die Freiheit des Einzelnen dort, wo sie die Freiheit Anderer gefährde. Als Beispiel führte er den Streit um ein Tempolimit in Deutschland an. Dort werde ein "Lebensrisiko" eingegangen, dass viele Menschen etwa bei der Eindämmung der aktuellen Corona-Krise nicht akzeptieren wollten.

Bedford-Strohm hatte die Corona-Pandemie bereits zum Thema seiner Predigt im Festgottesdienst zum Erscheinen von Luthers Freiheitsschrift vor 500 Jahren gemacht. Dabei rief er in der Gothaer Margarethenkirche zu Solidarität und Selbstverantwortung auf. Einander beizustehen sei die beste Basis, um in der Krise zu bestehen.

Freiheit eines Christenmenschen in Pandemiezeiten heiße, "sorgsam mit Gesundheitsrisiken umzugehen und gleichzeitig dafür einzutreten, dass Menschen keinen sozialen Tod sterben", sagte Bedford-Strohm. Das bedeute, sich von der Not der Menschen, deren ökonomische und soziale Existenz durch die Corona-Maßnahmen immer mehr wegbreche, anrühren zu lassen und entsprechend der eigenen Möglichkeiten Solidarität zu üben. Wenn aber Menschen heute für Freiheiten demonstrierten, die andere in Gefahr brächten, dann könnten sie sich nicht auf das christliche Freiheitsverständnis berufen, stellte Bedford-Strohm klar.

Info
Das von Catherine Newmark moderierte Gespräch von Heinrich Bedford-Strohm und Bodo Ramelow wurde aufgezeichnet und soll am 8. November im Deutschlandfunk gesendet sowie online als Podcast veröffentlicht werden.

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Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Sat, 31 Oct 2020 10:28:57 +0100
Stiftungskuratorium "House of One" konstituiert sich https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/stiftungskuratorium-house-of-one-konstituiert-sich.html
Zu dem 20-köpfigen Gremium zählen den Angaben zufolge unter anderem der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der Professor für Islamische Religionswissenschaft, Mouhanad Khorchide, der frühere Bundespräsident Christian Wulff, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die Direktorin des Jüdischen Museums Berlin, Hetty Berg, und Markus Grübel (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfragen.

Eine ursprünglich geplante Festveranstaltung im Roten Rathaus müsse coronabedingt abgesagt werden. Stattdessen werde die konstituierende Sitzung per Videokonferenz stattfinden, hieß es.

Unter dem Dach des "House of One" soll es künftig eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee geben. Für die Errichtung des Drei-Religionen-Hauses waren bislang eine Bauzeit von mindestens drei Jahren sowie insgesamt 47,2 Millionen Euro an Baukosten veranschlagt worden. Die Summe soll größtenteils über Spenden zusammenkommen. Bislang sind nach Angaben der Stiftung knapp 32 Millionen Euro an Spenden und Zuwendungen eingegangen. Jeweils weitere zehn Millionen Euro haben der Bund und das Land Berlin bereitgestellt.

(epd) 

Info
Die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der Stiftung House of One - Bet- und Lehrhaus soll am 2. November um 16 Uhr als Videokonferenz stattfinden.

www.house-of-one.org ]]>
Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Sat, 31 Oct 2020 10:27:22 +0100
"Das Virus hat das Sterben ja nicht ausgesetzt" https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/das-virus-hat-das-sterben-ja-nicht-ausgesetzt.html Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Betreuung von Alten und kranken Menschen. Laut Hospiz- und Palliativ-Verband Berlin gibt es in Einrichtungen der Sterbebegleitung bislang aber keine Besuchsbeschränkungen. In Berlin gibt es aktuell 27 ambulante Hospizdienste, 16 stationäre Hospize für Erwachsene, zwei Kinder-Hospize sowie jeweils ein Tages-Hospiz für Erwachsene und für Kinder. Den ambulanten Lazarus-Hospizdienst in Berlin gibt es seit 1992. Mit der Koordinatorin der derzeit knapp 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Elizabeth Schmidt-Pabst, sprach der Evangelische Pressedienst (epd) über die Arbeit unter Pandemie-Bedingungen.

 epd: Wie hat die Corona-Pandemie die Arbeit verändert?

 Schmidt-Pabst: Zu Beginn der Pandemie, während des ersten Lockdowns, waren keine Begleitungen in Krankenhäusern und Heimen durchführbar. Die noch bestehenden Begleitungen wurden, falls möglich, auf SMS, Briefe, What?sapp oder E-Mail umgestellt. Auch sogenannte Palliativ-Care-Fachberatungen für Betroffene und ihre Angehörigen wurden per Video-Chat durchgeführt. Nach den ersten leichten Lockerungen bekamen wir von den Ärzten Anfragen für Begleitungen in der Häuslichkeit. Über den Sommer war unsere Arbeit wie immer. Jetzt, seit etwa zehn Tagen, beginnen die Krankenhäuser und Wohnheime ihre Stationen vorübergehend auf Grund von Corona-Fällen zu schließen. Aktuell bekommen wir aber auch Anfragen für Begleitungen in Pflegeheimen, wo Corona auf den Wohnbereichen festgestellt wurde.

 epd: Und wie reagieren Sie darauf?

 Schmidt-Pabst: Dann bekommen die Ehrenamtlichen FFP2-Masken und Schutzkleidung, um dennoch die Patienten begleiten zu können. Das erfolgt natürlich nur mit totaler Transparenz den Ehrenamtlichen gegenüber und mit deren Bereitschaft, dieses Risiko einzugehen. Die Arbeit ist aber für uns im Büro im Großen und Ganzen gleich geblieben. Das Virus hat das Sterben ja nicht ausgesetzt. Für unsere Ehrenamtlichen aber hat sich die Situation durch die Maskenpflicht verändert. Durch die fehlende Mimik auf Grund der Masken sind gerade nonverbale Begleitungen sehr kompliziert geworden, um nur ein Beispiel zu nennen. Wir hoffen, dass für alle Einrichtungen weiterhin Sonderregelungen für schwerstkranke und sterbende Menschen getroffen werden - denn niemand sollte seine letzten Tage alleine verbringen müssen.

 epd: Welche Auswirkungen hat dies auf die schwer Kranken und sterbenden Menschen?

 Schmidt-Pabst: Es kann für schwerstkranke Menschen im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie weniger bis gar keinen Besuch bekommen. Alle Einrichtungen und die dort arbeitenden Pflegenden sind aber sehr bemüht, den ethischen Spagat zwischen dem gesundheitlichen Schutz der Bewohner und einer würdigen psychosozialen Begleitung zu vollführen. Es ist eine sehr schwere Aufgabe und jeden Tag wird in den Einrichtungen neu überlegt, wie am besten mit der Situation umzugehen ist.

 epd: Ist Ihres Erachtens sichergestellt, dass es künftig nicht zu totalen Besuchsverboten für Verwandte oder ehrenamtliche Helfer in Hospizen kommt?

 Schmidt-Pabst: In Hospizen gab es zu keiner Zeit ein totales Besuchsverbot und auch in den Pflegeheimen wurde, unseres Wissens nach, zumindest für Angehörige, immer eine Lösung bei im Sterben liegenden Bewohnern gefunden. Ich denke, die Hospize wie die Pflegheime werden jetzt bei den neuen Einschränkungen ähnlich vorgehen.

 epd: Welchen Rat haben Sie in diesem Zusammenhang an die Politik, die schließlich die Corona-Schutzverordnungen beschließen muss?

 Schmidt-Pabst: Eine ausreichende Bereitstellung von FFP2-Masken ist absolut notwendig, um alle Pflegenden und Ehrenamtlichen schützen zu können. Wir möchten unsere Ehrenamtlichen mit einem guten Gewissen in Pflegheimen, Krankenhäusern und stationären Hospizen einsetzen können. Dafür ist ein sicherer Schutz unserer Ehrenamtlichen Voraussetzung.

epd-Gespräch: Lukas Philippi

www.lazarushospiz.de 

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Landeskirchliche Nachrichten zum Corona-Virus Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Fri, 30 Oct 2020 13:01:04 +0100
Drei Geistliche für Sorben https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/drei-geistliche-fuer-sorben.html Die EKBO gratuliert Pfarrer Christoph Rummel zu seiner Einführung als Sorbischer Superintendent in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS). Er folgt auf Jan Mahling, der im Sommer in den Ruhestand verabschiedet worden war und der im Rahmen seines Amtes auch in der EKBO Aufgaben als leitender Geistlicher übernommen hatte.

Für die Kontinuität der kirchlichen Arbeit mit Sorben und Wenden in der EKBO stehen drei Pfarrer*innen. Die Seelsorge für Sorben/Wenden wird von Pfarrer Ingolf Kschenka (Evangelischer Pfarrsprengel Jänschwalde) und von Pfarrerin Jadwiga Mahling (Evangelische Kirchengemeinde Schleife) verantwortet. Darüber hinaus nimmt Pfarrerin Katharina Köhler (Evangelischer Pfarrsprengel Dissen–Sielow) Aufgaben als leitende Geistliche wahr und koordiniert auch die Zusammenarbeit mit den Sorben in der benachbarten sächsischen Landeskirche. Die EKBO leistet damit weiterhin ihren Beitrag zur Traditionspflege und Vernetzung der Sorben und unterstützt aktiv die Interessen der evangelischen Sorben/Wenden in beiden Landeskirchen.

In der EKBO gibt es weiterhin ein vielfältiges sorbisches/wendisches Gemeinde- und Gottesdienstleben. Es wird in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Serbska namša (Wendischer Gottesdienst) und dem Verein zur Förderung der wendischen Sprache in der Kirche e. V. auch zukünftig von beruflich und – besonders bemerkens- und dankenswert – den ehrenamtlich Mitarbeitenden gestaltet.

So wird zum Reformationsfest am 31. Oktober 2020, 14 Uhr, in die Kirche Fehrow eingeladen zum wendischen Abendmahlsgottesdienst mit Kindergottesdienst. 

Zum Hintergrund:
Die Sorben/Wenden sind als slawische Minderheit seit rund 1.500 Jahren in der Ober- und Niederlausitz in Sachsen und Brandenburg ansässig. Sie bewahren ihre eigene Sprache und ihre von zahlreichen Festen und vielfältigem Brauchtum geprägte Kultur. Schätzungen zufolge leben in Brandenburg rund 20.000 und in Sachsen etwa 40.000 Sorben/Wenden. In der EKBO regelt ein Kirchengesetz den Schutz und die Ausgestaltung der kirchlichen Arbeit mit Sorben/Wenden. Ein Beauftragter und ein Beirat fördern die Schwerpunkte sorbischer und wendischer Gemeindearbeit.

Weitere Infos unter
www.ekbo.de/wir/kirchengemeinden/sorben-und-wenden
www.serby-ekbo.de 
www.evkirchenkreis-cottbus.de/leben/wendensorben  

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Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Fri, 30 Oct 2020 12:53:23 +0100
Tafel sammelt vor Weihnachten für Bedürftige https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/tafel-sammelt-vor-weihnachten-fuer-beduerftige.html
Die in den Lagern gesammelten Spenden würden noch vor Weihnachten über die Ausgabestellen von "Laib und Seele" an bedürftige Menschen verteilt. Die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, sagte, "in der Vorweihnachtszeit ist das Haushaltsbudget unserer Tafelgäste besonders knapp". Viele Eltern litten darunter, ihren Kindern viele Wünsche nicht erfüllen zu können. "Mit den Spenden sorgen wir dafür, dass sie sich zumindest um die alltäglichen Dinge nicht kümmern müssen", sagte Werth. "Laib und Seele" ist eine Gemeinschaftsaktion der Berliner Tafel, der Kirchen und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB).

(epd) 

Info
Beteiligt sind folgende Standorte von MyPlace-Selfstorage:
Friedrichshain: Landsberger Allee 63, 10249 Berlin
Mitte: Ellen-Epstein-Straße 2, 10559 Berlin
Neukölln: Grenzallee 37, 12057 Berlin
Prenzlauer Berg: Prenzlauer Promenade 26, 13089 Berlin
Reinickendorf: Markstraße 11, 13409 Berlin
Treptow-Köpenick: Schnellerstrasse 18a, 12439 Berlin
Marzahn: Märkische Allee 193, 12681 Berlin
Weißensee: Weißenseer Weg 73, 10369 Berlin

www.berliner-tafel.de 
www.myplace.de/ort/berlin 
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Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Thu, 29 Oct 2020 15:11:02 +0100
Berlin und Brandenburg begehen Reformationstag https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/berlin-und-brandenburg-begehen-reformationstag.html
Bei Gottesdiensten und Veranstaltungen werde pandemiebedingt auf verschiedene Formate gesetzt, hieß es. Die Landeskirche lade am Abend unter dem Motto "Reformation - crossover" in die Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg ein. Teilnehmen können wegen der Infektionslage nur zuvor angemeldete Gäste.

Gefeiert werde mit einer Mischung aus Gottesdienst und Konzert vor Ort sowie digital per Livestream, hieß es. Thema seien die Auswirkungen und Herausforderungen der Pandemie. Bischof Christian Stäblein und die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein halten die Andacht.

In Potsdam wird den Angaben zufolge zu einem Reformationstag für Kinder mit Übernachtung in der Bornimer Kirche und einem Familiengottesdienst zum Abschluss eingeladen. In Cottbus-Sielow soll ein Gottesdienst mit anschließendem Lagerfeuer gefeiert werden. In der Region Lehnin wird zu einem Filmgottesdienst in mehreren Kirchen und im Internet eingeladen.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther der Überlieferung nach 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg an, die zu Veränderungen in der Kirche aufriefen. Der Thesenanschlag gilt als Geburtsstunde der Reformation und der protestantischen Kirche.

(epd)]]>
Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Thu, 29 Oct 2020 13:01:01 +0100
"Die ganzheitliche Sicht einbringen" https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/die-ganzheitliche-sicht-einbringen.html Weimar/Hildesheim (epd). Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) richtete im Mai nach dem ersten massiven Herunterfahren des sozialen Lebens in Deutschland deutliche Vorwürfe an die Adresse der Kirchen. Sie hätten Hundertausende von kranken, einsamen, alten und sterbenden Menschen im Stich gelassen, sagte die evangelische Theologin und frühere Pfarrerin in einem Zeitungsinterview - und rief damit heftige Gegenreaktionen hervor. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zieht die 62-Jährige nun erneut Bilanz. Lieberknecht sollte ursprünglich am Freitag bei einem Empfang der evangelischen Kirche in Hildesheim am Vorabend des Reformationstages sprechen. Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen wurde die Veranstaltung jedoch abgesagt.

 epd: Frau Lieberknecht, Deutschland befindet mitten in der zweiten Corona-Welle. Was ist aus Ihrer Sicht jetzt die Aufgabe der Kirchen?

 Lieberknecht: Wir haben alle miteinander aus der ersten Welle viel gelernt. Es wird jetzt unisono Wert darauf gelegt, dass nicht wieder Kinder in den Kindergärten und Schulen und auch ihre Eltern und Lehrer die Leidtragenden sein sollen. Das gleiche betrifft die Kranken, die Pflegestationen, die Sterbenden in den Heimen und Krankenhäusern. Sie sollen nicht mehr völlig isoliert werden. Dass sich diese Erkenntnis durchgesetzt hat, ist eine Folge der gesellschaftlichen Debatte, die auch aus der Kirche heraus mitbestimmt worden ist.

 epd: Sie haben im Frühjahr den Kirchen vorgeworfen, sie hätten in der Krise zu wenig für alte und einsame Menschen getan. Waren Sie überrascht über die heftigen Gegenreaktionen?

 Lieberknecht: Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich damit einen so wunden Punkt getroffen habe. Zum einen haben mir Leute geschrieben: Endlich sagt es mal jemand, das ist mir aus dem Herzen gesprochen. Auf der anderen Seite haben sich diejenigen gemeldet, die sich getroffen fühlten. Sie sagten ich hätte zu wenig beachtet, was die Kirche alles tatsächlich vor Ort getan hat.

 epd: Worum ging es Ihnen im Kern?

 Lieberknecht: Es ging mir überhaupt nicht darum, dass einzelne Seelsorger nicht genügend getan hätten. Etliche haben ja rund um die Uhr versucht, ihren Dienst zu tun, und haben nach neuen Formaten gesucht. Was mir gefehlt hat, war das öffentlich vernehmbare theologische Wort der Kirchen für eine gesellschaftliche Situation, in der viele Menschen isoliert waren. Die Debatte war zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich von den Virologen bestimmt, die sehr einseitig nur auf den Gesundheitsschutz reflektierten. Doch das Selbstbestimmungsrecht gerade von Menschen, die auf das Ende zugehen, wurde wenig beachtet. Es ging mir darum, die ganzheitliche Sicht des Menschen einzubringen, der eben nicht nur vom Brot allein lebt und nicht nur vom Gesundheitsschutz allein. Und das ist Sache der Kirche. Was nutzt aller Gesundheitsschutz, wenn am Ende Menschen aus Einsamkeit, aus Verzweiflung, aus mangelnden sozialen Kontakten eingehen, leiden oder vielleicht sogar sterben?

 epd: Hat die Kirche am Anfang der Pandemie aus Ihrer Sicht versagt?

 Lieberknecht: Das ist zu hart gesagt. Es sind partielle Dinge, die ich vermisst habe.

 epd: Haben die Kirchen aus Ihrer Sicht ihre Lektion gelernt?

 Lieberknecht: Auf jeden Fall. Sie haben sich nach einer anfänglich zögernden Haltung ganz klar positioniert und Vorschläge gemacht für diakonische Seelsorge an Einsamen, Kranken und Sterbenden. Das ist eine erfreuliche und ganz wichtige Entwicklung. Diesen Weg möchte ich engagiert und mit viel Zustimmung begleiten.

 epd: Worauf wird es in den kommenden Wochen und Monaten ankommen?

 Lieberknecht: Die Kirchen sind in einer mehrfachen Verantwortung. Sie müssen einerseits für den gesellschaftlichen Konsens mit einstehen, dass der Gesundheitsschutz wirklich bestmöglich gewährleistet wird. Auf der anderen Seite müssen sie in einer Zeit, in der Menschen mehr als sonst nach dem Zusammenhang von Leben und Tod und nach den Grenzen ihrer Existenz fragen, etwas verkünden, was nur sie verkünden können: Nämlich die mutmachende und tröstende christliche Botschaft, zu der auch eine ganzheitliche Sicht des Menschen gehört.

 epd: Am Samstag feiern die Protestanten das Reformationsfest, dabei geht es besonders um das Thema Freiheit. Was wir aber zurzeit erleben, ist mit all den Beschränkungen ja eher das Gegenteil. Was könnte eine Botschaft des Reformationsfestes für heute sein?

 Lieberknecht: Die Freiheit im reformatorischen Sinne ist ja eine gebundene Freiheit. Ich bin frei, weil ich mich von Gott im Glauben gehalten und getragen weiß. Aber zugleich bin ich, wie Martin Luther sagt, ein dienstbarer Knecht in der Liebe gegenüber meinen Nächsten in dieser Gesellschaft. Und ich bin gerufen zur Weltverantwortung im Nahen wie im Fernen. In dieser Freiheit können wir den Kopf freihaben, die Hände zum Gebet falten, aber auch wieder öffnen, um anzupacken, um das Richtige, das Verantwortungsvolle zu tun. Luthers Entdeckung der Freiheit war aber auch getragen von einer großen Bildungsoffensive. Deshalb finde ich es richtig, dass wir jetzt, wenn wir das gesellschaftliche Leben wieder zurückzufahren, auf der anderen Seite der Bildung für unsere Kinder eine absolute Priorität einräumen. Das ist nach 500 Jahren eine gute Weiterführung aus dem reformatorischen Glauben heraus.

 epd: Sie sind jetzt seit einiger Zeit heraus aus dem politischen Geschäft. Wie erleben Sie die Corona-Krise persönlich?

 Lieberknecht: Ich bin nach wie vor in einer Reihe von politischen, kulturellen und kirchlichen Ehrenämtern mehr als beschäftigt. Und die Ausübung dieser Ämter geschieht momentan häufig von einer Videokonferenz zur anderen. Aber ich genieße natürlich auch meine Freiheit, die ich habe, mit meiner Familie und mit meinen Enkeln. In der ersten Corona-Phase habe ich über Monate das Homeschooling von immerhin damals vier schulpflichtigen Enkelinnen und Enkeln betreut. Inzwischen sind es sogar fünf. Aber wir hoffen ja, dass es nicht wieder so weit kommt, dass der Lockdown wieder in die Schulen einzieht.

epd-Gespräch: Michael Grau

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Landeskirchliche Nachrichten zum Corona-Virus Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Thu, 29 Oct 2020 09:33:19 +0100
Wie steht es mit der Solidarität in der Pandemie? https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/wie-steht-es-mit-der-solidaritaet-in-der-pandemie.html Mit einer Predigtreihe fragt Die Ev. Kirchengemeinde Tiergarten nach „Solidarität in der Pandemie“. Betroffene von Lebenshilfe e.V., Obdachlosenhilfe, Sportverein, Theater u. a. gastpredigen von 7. November bis 19. Dezember jeweils sonnabends 18 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, Händelallee 20.

Mehr Informationen gibt es hier: www.ev-gemeinde-tiergarten.de/kulturkirche

und auf diesem Plakat.

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Landeskirchliche Nachrichten zum Corona-Virus Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Wed, 28 Oct 2020 12:57:09 +0100
Kirchenhistoriker Kaufmann: Von Luther streiten lernen https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/kirchenhistoriker-kaufmann-von-luther-streiten-lernen.html Göttingen (epd). Am Beispiel des Reformators Martin Luther (1483-1546) können Menschen aus Sicht des Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann bis heute streiten lernen. Luthers Beharrlichkeit im Konflikt mit Papst und Kaiser sei vorbildlich, sagte der Göttinger Theologieprofessor dem Evangelischen Pressedienst (epd) im Blick auf den Reformationstag am 31. Oktober. Luthers Beispiel zeige, was es bedeute, von einer Sache zutiefst überzeugt zu sein und für sie auch gegen den Mainstream einzustehen. "In diesem Punkt kann sein Lebenszeugnis auch nach 500 Jahren noch anregen und ermutigen." Luther hatte sich 1521 vor dem Kaiser geweigert, seine reformatorischen Überzeugungen zu widerrufen.

In der heutigen Gesellschaft sei die Versuchung groß, den leichteren Weg zu gehen und sich anzupassen, sagte Kaufmann, der zu den renommiertesten Luther-Kennern in Europa zählt. Als Beispiel nannte er die seit der Beginn der Corona-Pandemie alltäglichen Video-Konferenzen. Seiner Erfahrung nach verführt das digitale Format dazu, Konflikte nicht anzugehen. Zu einem guten Miteinander gehöre aber manchmal auch der offene Streit. "Über Luther kann man sich permanent ärgern. Aber das ist auch seine Stärke. An ihm kann man sich reiben, aber auch aufrichten", betonte der Theologe.

Ihn beeindrucke auch, wie sich religiöse Leidenschaft und Vernunft bei Luther ergänzen. Das zeige Luthers Einsatz für das Gemeinwohl während der Pestepidemie 1527 in Wittenberg. Einige Bürger hätten damals entgegen den Maßgaben des städtischen Magistrats gemeinsam getrunken und gefeiert. Andere hätten die Epidemie als Strafe Gottes gedeutet. Sie alle habe Luther zu Disziplin und Vernunft gerufen. Er habe daran festgehalten, dass Gottes Wege unerforschlich seien. Gott dulde zwar die Krankheit, aber mehr könne man nicht sagen. "Für Luther war klar: Gott ist der, der die Arznei erfindet. Er ist derjenige, der auf der Seite der Retter steht. Und unsere Aufgabe als Christen besteht darin, dem Nächsten dienlich zu sein", sagte Kaufmann.

Der Reformationstag dürfe aber nicht rein reines Luther-Gedenken sein, betonte der Professor. Als arbeitsfreier Feiertag in Nord- und Ostdeutschland müsse er ein Tag für alle Bürger sein. Er sei er eine hervorragende Gelegenheit für vielfältige Begegnungen zwischen den Religionen, aber auch zwischen religiösen Menschen und solchen, die sich keiner Religion zugehörig fühlten. Die Kirchen könnten hier nur Impulse setzen, müssten sich aber starke Partner vor Ort suchen, etwa Moscheegemeinden, die Stadt oder Vereine.

Denn ganz gleich, wie jemand zum Glauben oder zur Reformation stehe: Dass Religion im Leben des Einzelnen und in der Geschichte viel Gutes, aber auch Böses bewirken könne, werde an der Reformation besonders anschaulich, sagte Kaufmann: "Religion ist nicht einfach nur Privatsache. Daher müssen wir als Zivilgesellschaft darüber ins Gespräch kommen, wie wir mit der religiösen Vielfalt umgehen und welche Rolle Religion in unserem Miteinander spielen soll."

epd-Gespräch: Urs Mundt

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Kirche und Politik Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Wed, 28 Oct 2020 09:31:36 +0100
Buchautor Seidel: Corona-Krise Chance zu tiefgreifender Kirchenreform https://www.ekbo.de//themen/detail/nachricht/buchautor-seidel-corona-krise-chance-zu-tiefgreifender-kirchenreform.html Leipzig (epd). Nach Ansicht des Leipziger Theologen und Autors Stefan Seidel bergen die derzeitigen gesellschaftlichen Umbrüche für die Kirchen eine Chance zu tiefgreifenden Reformen. Diese könnten sogar gestärkt aus dieser "Zeit des Wandels" hervorgehen, sagte Seidel dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf die Corona-Krise. Dafür müssten sie sich jedoch "von vielen leeren Hüllen und überholten religiösen Vorstellungen lösen". Von Seidel erschien diesen Herbst im Claudius-Verlag das Buch "Nach der Leere - Versuch über die Religion der Zukunft".

Generell sei unübersehbar, dass die Religion heute zurück auf die Tagesordnungen dränge, "sei es in ihrer schmutzigen Gestalt von Terrorismus oder sei es in ihrer weichgespülten Form als Sinnsurrogat auf dem Psychomarkt", so Seidel. Die meisten Philosophen und Soziologen hätten bereits die Ausrufung des Endes der Religion zurückgenommen und sprechen mittlerweile von einer "postsäkularen Epoche, in der sich die Religion als ein überraschend lebendiges Phänomen erweist".

Die Zukunft der Religion liege nicht in großen institutionellen Formen und absolut gesetzten Dogmen, sondern gehe zunehmend von einzelnen Menschen aus, "denen eine Verbindung zu einem größeren Ganzen bewusst geworden ist", sagte Seidel dem epd. Immer mehr werde in der Gesellschaft deutlich, dass Eigeninteresse sowie Gewinnmaximierung allein auf die Dauer nicht glücklich machten, so der Leitende Redakteur der evangelischen Wochenzeitung "Der Sonntag".

Seidel warb für eine Spiritualität der "Liebe, des Mitleids, der Achtung und des Respekts gegenüber anderen Menschen, den Tieren und der ganzen Natur". Eine Religion der Zukunft müsse zudem gerade in der heutigen Zeit den Menschen die Angst vor dem Ungewissen nehmen. Die Kirchen müssten sich noch mehr darauf konzentrieren, beim Umgang mit diesen Unwägbarkeiten zu helfen, wie es jetzt in der Corona-Zeit besonders wichtig sei.

Für die Kirchen bestehe die Aufgabe darin, ihre "Werte und Traditionen so zu übersetzen, dass auch säkulare Menschen diese für das eigene Leben als nützlich empfinden." Doch nicht die äußere Zugehörigkeit zu einer Institution werde entscheidend sein. Den religiösen Menschen der Zukunft erkenne man daran, "dass er fähig ist, eine vertrauende Beziehung zum Ungewissen zu haben und dass sich in seinem Leben eine größere Liebe spiegelt", so Seidel.

epd-Gespräch: Stephan Cezanne

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Landeskirchliche Nachrichten zum Corona-Virus Nachrichten des Evangelischen Pressedienstes Startseite Wed, 28 Oct 2020 09:19:42 +0100