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Israelsonntag am 8. August: Begegnungen im interreligiösen Dialog

„Christlicher Glaube kann sich gar nicht ausdrücken ohne Beziehung zum Judentum“

Berlin, 4. August 2021 – Am kommenden Sonntag, dem 8. August 2021, begeht die evangelische Kirche den Israelsonntag. Diesen Gedenktag gibt es seit der Reformation. Er erinnert an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Der Fokus des Israelsonntags in der evangelischen Kirche lag lange Zeit auf der Missionierung Menschen jüdischen Glaubens zum Christentum. Auch das Verständnis von der Zerstörung des Tempels als „Strafgericht“, verbunden mit antisemitischen und antijüdischen theologischen Ansichten, hielt bis ins 20. Jahrhundert vor. Heutzutage ist der Israelsonntag ein Tag der Erinnerung an die Schuld der Kirchen in ihrer Abwertung jüdischer Religion. Zugleich betonen Gemeinden in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) nicht nur an diesem Tag in Gottesdiensten und Gesprächen das Verbindende im Glauben von Judentum und Christentum.

„Die Kirche bleibt mit dem Judentum aufs Engste verbunden, oder sie ist nicht Kirche Jesu Christi“

„Das christlich-jüdische Verhältnis ist für mich etwas Einmaliges. Christlicher Glaube kann sich gar nicht ausdrücken ohne Beziehung zum Judentum“, sagt Bischof Christian Stäblein von der evangelischen Landeskirche. „So sind Jüdinnen und Juden unsere nächsten Geschwister, eine Nähe, die in schrecklicher Weise verletzt und von uns Christen oft zerstört worden ist. Der Israelsonntag ist ein wichtiges Zeichen im Jahr: Die Kirche bleibt mit dem Judentum aufs Engste verbunden, oder sie ist nicht Kirche Jesu Christi. Begegnung und Dialog stehen dabei ganz vorn. Die gelebte Religiosität, gegenseitige Besuche, Gespräche, Gottesdienste – all das gehört zum lebendigen interreligiösen Dialog, aus dem wir viel für unseren Alltag mitnehmen.“

Am Sonntag, 8. August, 18 Uhr findet im Rahmen der Predigtreihe „#beziehungsweise“ in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin-Charlottenburg ein Gottesdienst unter dem Thema „Verbunden im Gedenken/Tischa B’av – beziehungsweise Israelsonntag“ statt. Jüdinnen und Juden gedenken der Tempelzerstörung am Ende einer dreiwöchigen Trauerzeit mit dem Fastentag Tischa B’av, der in diesem Jahr Mitte Juli gefeiert wurde. Bischof Christian Stäblein von der EKBO und Rabbinerin Ulrike Offenberg leiten den Gottesdienst im Dialog und sprechen über ihre jeweiligen Gedenktage. Offenberg ist Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde Hameln und Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK).

Vorab gibt es ebenfalls am Sonntag, 8. August, 10 Uhr einen musikalischen Gottesdienst zum Israelsonntag in der Evangelischen Kirche in Berlin-Hellersdorf. Im Berliner Dom wird der Gottesdienst zum Israelsonntag ab 10 Uhr in Präsenz mit der Gemeinde gefeiert und auch live übertragen, www.berlinerdom.de/live. Zu einem hORA-Gottesdienst lädt die St. Matthäus-Kirche in Berlin-Tiergarten an diesem Sonntag um 18 Uhr ein. Und am Mittwoch, 11. August, 19 Uhr widmet sich die Online-Gesprächsreihe „beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ von der evangelischen Wochenzeitung „die Kirche“ dem Thema „Trauer und Neuanfang. Tischa B’av beziehungsweise Israelsonntag“. Ins Gespräch kommen der Rabbiner Nils Ederberg, Lehrbeauftragter am Abraham Geiger Kolleg Berlin, und Andreas Goetze, Landeskirchlicher Pfarrer für den interreligiösen Dialog. Die Moderation übernimmt Anna Müller, Mitarbeiterin bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Interessierte können sich per E-Mail unter dialog(at)wichern.de anmelden. Zugangsdaten werden einen Tag vorher zugesandt.

Hintergrund

Seit Anfang dieses Jahres gibt es die ökumenische Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“. Mit dieser Plakatkampagne, die von Gesprächs- und Predigtreihen begleitet wird, setzen die evangelische und katholische Kirche ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus. Die Kampagne wendet sich insbesondere an die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen. Kernanliegen ist es, die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Christen in den Festen und im religiösen Leben aufzuzeigen, um gegen den zunehmenden Antisemitismus klar Stellung zu beziehen, der auch christliche Wurzeln hat. Kernstück sind – neben anderen Formaten – Plakate für jeden Monat, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen und die in den Gemeinden aufgehängt werden können. Entstanden aus einer Initiative der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), hat sich die Kampagne zu einem deutschlandweiten ökumenischen Projekt entwickelt, das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) aufgenommen wurde und unterstützt wird. Sie findet inzwischen auch in Großbritannien und Frankreich Anklang. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Informationen zur Kampagne und Materialien unter www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de