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Dorfkirche des Monats steht in der Stadt Brandenburg

30.06.2020

Im Juli ist die "Westkirche" in Kirchmöser ausgewählt worden

In einer Urkunde des Jahres 1368 wird erstmals das etwa zwölf Kilometer südwestlich der Stadt Brandenburg gelegene Dorf Möser erwähnt, damals im Besitz des Erzbischofs Albrechts IV. von Magdeburg. Häufig wechselte der auf einer Halbinsel zwischen mehreren Seen gelegene Ort den Eigentümer; unter anderem war er für einige Zeit im Besitz des Domstifts Brandenburg und später, bis zur Reformation, des Zisterzienserklosters Lehnin. 1816 wurde das Gut Möser aufgelöst und an eine Interessengemeinschaft von 18 Ackerbauern verkauft.

Im Jahr 1846 nahm die Eisenbahnstrecke Berlin – Potsdam – Magdeburg ihren Betrieb auf, die auch die Gemarkung des Dorfes Möser durchschnitt. Erst 1904 jedoch wurde ein neuer Bahnhof eröffnet, der näher an der Ortschaft gelegen war. Dieser Umstand sowie die Errichtung einer Dampferanlegestelle am Möserscher See sorgten dafür, dass das Dorf zum Naherholungsgebiet der Stadt Brandenburg wurde. Trotzdem zählte Möser zur Jahrhundertwende gerade 286 Einwohner.

Einen gewaltigen Aufschwung nahm der Ort, der 1916 den heutigen Namen Kirchmöser erhielt, während des Ersten Weltkrieges. Die Reichsregierung ließ ab Januar 1915 nordwestlich des Dorfes eine Pulverfabrik und ein Feuerwerkslaboratorium errichten. Für die Offiziere und Beamten dieser Institutionen entstanden Villen und Mehrfamilienhäuser im heutigen Ortsteil Kirchmöser-West. Nach dem Kriegsende mussten die militärischen Industrieanlagen gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages demontiert werden. 1920 übernahm die Deutsche Reichsbahn das Gelände und etablierte hier eines der modernsten Eisenbahnwerke Europas. Für die zahlreichen zuziehenden Arbeitskräfte errichtete die Deutsche Reichsbahn zwei moderne Werkssiedlungen nach Plänen des Regierungsbaurates Teschemacher im Sinne der Gartenstadtbewegung. Auch für die soziale Infrastruktur hatte die Bahn zu sorgen und so entstanden in Kirchmöser-West auch eine Kirche mit Pfarrhaus und eine Schule.

Der expressionistisch anmutende Kirchenbau wurde 1928/29 nach Plänen des Reichsbahnoberrates Hugo Roettcher ausgeführt. Es entstand ein verputzter Saalbau mit Satteldach, quadratischem Turm und nach Süden abschließendem Quertrakt mit Gemeindesaal, Konfirmandenraum und Wohnung des Kirchendieners. In seinem gestalterisch-architektonischen und in seinem sozialen Konzept war der Bau für seine Zeit durchaus richtungsweisend.

Bis 2003 befand sich die Kirche im Eigentum der Deutschen Bahn; erst zu diesem Zeitpunkt erwarb die Kirchengemeinde das Gebäude und das umliegende Grundstück. Aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse war die planmäßige Instandhaltung lange vernachlässigt worden. Lediglich die vom Einsturz bedrohte Dachkonstruktion über dem Gemeindesaal konnte, auch durch den Einsatz ehrenamtlicher Helfer aus der Gemeinde, 2001 instandgesetzt werden. Inzwischen jedoch ist ein erheblicher Sanierungsstau nicht mehr zu übersehen. Ein noch für dieses Jahr geplanter erster Bauabschnitt sieht eine umfassende denkmalgerechte Sanierung der baulichen Hülle und des Turmes vor; die Ausschreibung der notwendigen Arbeiten hat bereits begonnen. Zur Unterstützung dieser Arbeiten hat sich inzwischen ein aktiver Förderverein gegründet. Den finanziellen Grundstock für die Bauarbeiten bietet eine großzügige Förderung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. An den Kosten beteiligen sich auch das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, die Landeskirche, die Stadt Brandenburg, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung KiBa und der Förderkreis Alte Kirchen. Einen beträchtlichen Eigenanteil muss die Kirchengemeinde aufbringen.

Die Westkirche liegt im denkmalgeschützten Siedlungsbereich Kirchmöser-West. Gemeinde und Verein möchten das Gebäude nach seiner Instandsetzung „weit öffnen für Einwohner jeglichen Bekenntnisses und Alters, Touristen und Kulturinteressierte. Die Kirche mit Gemeindesaal soll zum religiösen, kulturellen und touristischen Zentrum der Westsiedlung werden.“ Das ursprüngliche soziale Konzept der Bauzeit bietet dafür großartige Voraussetzungen.

Weitere Informationen:
Evang. Pfarramt Plaue; Pfarrer Christian Bochwitz; Kirchstr. 8; 14774 Brandenburg; Tel.: 03381-403188; Mail: evpfarramt.plaue@ekmb.de.

Letzte Änderung am: 08.02.2016