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Zwei Frauen für Görlitz

05.02.2018

Kandidatinnen für evangelisches Generalsuperintendentenamt vorgestellt.



Die rund 175.000 evangelischen Christen in der Region zwischen Bad Freienwalde, Jüterbog und Görlitz bekommen ein neues theologisches Oberhaupt: Für das Generalsuperintendentenamt im Sprengel Görlitz kandidieren zwei Frauen. Gewählt wird am 24. März.

Görlitz/Berlin (epd). Eine ehemalige Katholikin, die evangelische Pfarrerin wurde, und eine gebürtige Westfälin, die noch vor dem Ende der DDR erwogen hat, in den Osten zu gehen: Als Nachfolgerin für den langjährigen Görlitzer Generalsuperintendenten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Martin Herche, kandidieren zwei Frauen mit ungewöhnlicher Biografie. Am Montag haben sich die Cottbusser Superintendentin Ulrike Menzel und die Leiterin des Seelsorgeseminars der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Theresa Rinecker, in Berlin vorgestellt.

Die 52-jährige Theologin Ulrike Menzel stammt aus Minden in Westfalen und hat in Münster und Bonn evangelische Theologie studiert. Nach der Ordination 1993 in Görlitz war sie Pfarrerin in den evangelischen Kirchengemeinden Lindenau, Schraden und Schleife, danach unter anderem Schulpfarrerin am evangelischen Gymnasium Johanneum in Hoyerswerda. Seit 2006 war sie als bei den Missionarischen Diensten der Landeskirche tätig und übernahm 2009 das Amt der Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Cottbus. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Als junge Frau habe sie bereits seit 1985 kirchliche Kontakte nach Görlitz gehabt und dort 1988 ein vierwöchiges Gemeindepraktikum absolviert, erzählt Menzel. Danach sei sie gefragt worden, ob sie nicht dauerhaft dort bleiben wolle und habe dann überlegt zur Görlitzer Kirche zu wechseln. "Das hat mich nicht losgelassen", sagt sie. Wenig später war es dann so weit und sie ging nach Sachsen. "Ich baue gerne Brücken", sagt Menzel: Innerhalb der Landeskirche, in der Ökumene, in die außerkirchliche Gesellschaft, nach Polen.

Die 53-jährige Pastorin Theresa Rinecker stammt aus Merseburg, hat in Jena evangelische Theologie studiert und wurde 1991 ordiniert. Danach war sie bis 2007 Pfarrerin in Queienfeld im Kirchenkreis Meiningen und in Bad Berka im Kirchenkreis Weimar. Seit 2008 leitet sie das Seelsorgeseminar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das seinen Sitz seit 2016 in Halle an der Saale hat. Die Theologin hat zudem einen Predigtauftrag im Kirchenkreis Weimar. Sie lebt in einer Partnerschaft und hat drei Töchter.

Sie habe eine von tiefer Frömmigkeit geprägte katholische Kindheit erlebt, dann aber als Katholikin evangelische Theologie studiert und sei schließlich im fünften Studienjahr konvertiert, erzählt Rinecker. "Nah bei den Menschen sein", so beschreibt sie ihre Aufgabe. Mit dem Brennpunktthema der Lausitz, dem Braunkohletagebau, sei sie bereits durch ihre Familie verbunden, sagt die Theologin: "Mein Vater ist Geologe und Bergbauingenieur."

Einer der großen Orte im Sprengel ist Cottbus. Dass die 100.000-Einwohner-Stadt seit einiger Zeit wegen Gewaltvorfällen gegen und von Flüchtlingen in den Schlagzeilen ist, treibt beide Kandidatinnen um. Die Debatte müsse wieder sachlich und nüchtern geführt werden, sagt Menzel. Cottbus sei weder "eine Stadt der Messerstecher noch der Nazis". Rechte und rechtsextreme Kräfte würden die Probleme hochkochen und die Ängste der Menschen ausnutzen. Dem müssten Fakten entgegengesetzt werden und Gespräche. Es sei an der Zeit, wieder zu Runden Tischen einzuladen, um miteinander zu reden, sagt Rinacker. Und auch individuelle Zivilcourage sei wichtig.

Der gebürtige Wriezener Martin Herche ist seit 2011 Generalsuperintendent des Sprengels Görlitz der Landeskirche, der Teile von Brandenburg und Sachsen umfasst, und geht Anfang Oktober mit 65 Jahren in den Ruhestand. Dem Wahlkonvent, der am 24. März in Cottbus die Nachfolgerin bestimmt, gehören 31 Kirchenvertreter an, Vorsitzender ist Bischof Markus Dröge.

Info:
Theresa Rinecker wird sich am Sonntag, den 4. März, um 14 Uhr im Dom zu Fürstenwalde, Ulrike Menzel am Sonntag, den 18. März, um 14 Uhr in der Krypta der Görlitzer Peterskirche jeweils in einem Gottesdienst mit einer Predigt, einem Vortrag und in einer anschließenden Diskussion vorstellen. Die Wahl in der Cottbusser Oberkirche beginnt am Samstag, dem 24. März, um 14 Uhr.

Internet:
www.ekbo.de
Kirchengesetz zur Generalsuperintendenten-Wahl: http://u.epd.de/y2t

Letzte Änderung am: 17.02.2017