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Dabei du bist!? Fachtag zur Bekämpfung von Kinderarmut

Foto: www.pixabay.de

RSSPrint

Kinderarmut ist eines der bedrückendsten Probleme in unserer Gesellschaft. Kinderarmut hat viele Gesichter. Sie reicht von der materiellen Not bis zur sozialen Ausgrenzung.Um Kinderarmut und ihre Folgen wirksam zu bekämpfen, hat Sozialministerin Diana Golze den Brandenburger Runden Tisch zur Bekämpfung der Kinderarmut »Starke Familien – Starke Kinder« ins Leben gerufen.

Unter dem Titel »Dabei du bist!?« hat die EKBO am 14. September in Potsdam zu einem Fachtag eingeladen, der einen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs zur Armutsbekämpfung leisten wollte. Er nahm in besonderer Weise das Engagement freier Träger zur Stärkung und Unterstützung von Kindern in den Blick. 

Hier der Bericht über den Fachtag von Simone Merkel

„Stellen Sie sich vor: Anne, Bob und Carla streiten sich um eine Flöte. Anne kann als einzige drauf spielen. Carla hat die Flöte gebaut. Bob hat nichts, womit er sich seine Zeit vertreiben kann. Es gibt nur diese eine Flöte. Die Möglichkeit, sich in der Nutzung der Flöte abzuwechseln, kann nicht in Betracht gezogen werden. Sie müssen nun entscheiden, welches der drei Kinder die Flöte haben soll. Wie würden Sie entscheiden?“

Mit dieser herausfordernden Denkaufgabe begann Prof. Dr. Sabine Andresen von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main am 14. September 2017 im Berufsbildungswerk Oberlinhaus ihren Vortrag. Schon mit diesen ersten Sätzen nahm sie die Fragen, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Fachtages bewegten, auf. Wie kann allen Kindern in einem reichen Land wie Deutschland Teilhabe ermöglicht werden. Wie kann es gelingen, besonders benachteiligen Kindern, die in einem armutsgefährdeten Umfeld aufwachsen, Chancengleichheit zu bieten? Und was ist in diesem Zusammenhang gerecht?

Befunde aus der Forschung (z. B. aus der World Vision Kinderstudie, in der Kinder selbst befragt wurden) zeigen, dass Wohlbefinden und die soziale Lage in einem engen Zusammenhang stehen. Sicherheit, Freundschaften, verlässliche Bezugspersonen und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit machen aus der Perspektive der Kinder ein gutes Leben aus. Diesen Impuls verstärkte Beate Hofmann aus Moritzburg mit ihren Anregungen. Sie nahm das Stichwort „Beziehungen“ auf, um auf die Frage „Was macht Kinder stark?“ zu antworten. „Beziehungen müssen vertrauensvoll, wertschätzend, respektvoll und verlässlich sein“, sagt Beate Hofmann.

Wertschätzung, Verlässlichkeit und Stärkung der Kindern, genau darum geht es den ehrenamtlich und beruflich Engagierten der freien Träger der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Land Brandenburg. Etwa 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Kommunen und Initiativen waren der Einladung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gefolgt. Sie alle hatten das Anliegen, gemeinsam zu diskutieren, Leerstellen in Politik und Gesellschaft aufzuzeigen und sich zu vernetzten. Gute Netzwerke, gemeinsame und ressortübergreifende Anstrengungen für die Stärkung der Kinder sowie die Vereinfachung von Strukturen und der Abbau von Bürokratie stellten am Ende des Tages die dringlichsten Forderungen dar. Formuliert wurden sie an runden Tischen zu denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Praxis im zweiten Teil des Tages eingeladen hatten. Neben der Arbeit mit Kindern der evangelischen Kirche, des Zirkusprojektes des evangelischen Kirchenkreises Cottbus, des Verbandes der christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder präsentieren auch die Kammerakademie Potsdam, die Stiftung SPI, der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., der Kreissportbund Märkisch Oderland und das gemeinnützige Projekt „Librileo“ ihre Arbeit. Abgerundet wurde die Vorstellung der Akteure der Praxis durch die Präsentation der Oberlin Berufsbildung. Allen Projekten gemeinsam ist, dass es ihnen auf je eigener Weise gelingt, Kindern Teilhabe zu ermöglichen. Sichtbar wurde, dass sie damit einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der Kinder in Brandenburg leisten.

Gewürdigt wurde das Engagement der freien Träger, Verbände und Initiativen bereits in den Grußworten. Daniela Trochowski, Staatsekretärin im Ministerium für Finanzen, verwies in ihrem Grußwort auch auf das finanzielle Engagement des Landes Brandenburg. Dr. Jörg Antoine, Präsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, würdigte das Engagement aller Beteiligten als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut in Brandenburg.

Am Ende des Tages war klar, dass es noch viele herausfordernde Aufgaben zu lösen gilt. Dr. Martina Köppen und Martin Vogel nahmen als Vertreter katholischen und der evangelischen Kirche die Anliegen entgegen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Tages an die Initiative „Starke Familien – starke Kindern“, an den Runden Tisch gegen Kinderarmut richten.

Letzte Änderung am: 20.09.2017