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Inhaftierter Menschenrechtler Peter Steudtner veröffentlicht Briefe

12.10.2017

Bislang gebe es vier solche Schreiben, die über die Bildungs- und Begegnungsstätte "Kurve Wustrow" veröffentlicht werden, für die er auch arbeitet.

Berlin (epd). Der in der Türkei inhaftierte Menschenrechtler Peter Steudtner versucht neuerdings in regelmäßigen offenen Briefen über sich zu informieren. Bislang gebe es vier solche Schreiben, die über die Bildungs- und Begegnungsstätte "Kurve Wustrow" veröffentlicht werden, für die er auch arbeitet, sagte die Pfarrerin der Berliner Gethsemanekirche, Almut Bellmann, dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). Darin beschreibe er unter anderem, "wie er sich selbst Kraft und Hoffnung erhält".

Die evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord, die auch Steudtners Kirchengemeinde ist, veranstaltet täglich Andachten für den inhaftieren Menschenrechtler. Am Freitag sitzt Steudtner seit genau 100 Tagen in türkischer Untersuchungshaft.

"Er versucht, sich auf Dinge zu konzentrieren, die ihm sinnvoll erscheinen", berichtete Bellmann weiter aus Steudtners Briefen: "Er will produktiv bleiben." So mache er "Sport so gut es geht, läuft viel". Steudtner sei "sogar in seinem kleinen Gefängnishof den Berlin-Marathon mitgelaufen". Außerdem habe er sich mit seinem türkischen Mithäftling Spiele gebastelt und lerne Türkisch. Zudem arbeite er an einem neuen Workshop für die "Kurve Wustrow". "Seine Berichte strahlen eine Energie aus, die beeindruckend ist", sagte die Pfarrerin und fügte hinzu: "In einer Situation, in der man auch nur Ohnmacht empfinden könnte".

Weiter berichtete Bellmann, dass es anfangs ein "täglicher Kraftakt" gewesen sei, die allabendlichen Andachten in der Berliner Gethsemanekirche für Steudtner aufrechtzuerhalten.  "Doch es ist leichter, seit die Information zu uns gedrungen ist, dass Peter Steudtner von unseren Fürbitten weiß." Er habe geschrieben, dass er jeden Abend um 18 Uhr daran denke und einen Teil der Lieder, die er kennt, mitsinge.

Bei den Andachten für den inhaftieren Menschenrechtler sei zudem eine große Verbundenheit zu spüren, "aber die Menschen gehen unterschiedlich mit der Situation um". So habe die angedrohte Haftstrafe von bis zu 15 Jahren viele Menschen in der Kirchengemeinde erschüttert. "Dann verbreitete jemand Optimismus, sagte, das sei vielleicht der nächste Schritt, es gehe voran", sagte die Pfarrerin.

Täglich kommen Bellmann zufolge fünf bis 30 Teilnehmer, um in der Gethsemanekirche für Steudtner zu beten, montags seien es hingegen an die 100 Menschen. "Das kann als eine Art Wiederaufnahme der früheren Montagsgebete verstanden werden", sagte Bellmann. Künftig werde zudem montags immer ein offizieller Vertreter der Landeskirche teilnehmen.

Zudem äußerte Bellmann die Hoffnung, dass die politisch Verantwortlichen für Steudtner alles tun, was in ihrer Kraft stehe. "Darauf müssen wir vertrauen. Aber oft befällt uns eine große Ungeduld", sagte die Pfarrerin.

Am vergangenen Wochenende war bekanntgeworden, dass die türkische Staatsanwaltschaft für elf im Juli festgenommene Menschenrechtsaktivisten, darunter Steudtner, bis zu 15 Jahre Haft fordert. Die türkischen Behörden werfen ihnen die Unterstützung terroristischer Organisationen vor. Steudtner war am 5. Juli in der Türkei festgenommen worden. Ein Einspruch gegen die Untersuchungshaft des Deutschen und weiterer Menschenrechtler war zurückgewiesen worden.


Internet
Kirchengemeinde: www.ekpn.de