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RSSPrint

Für Pfarrerinnen: Lust auf Leitung

08.11.2017

Workshop für Pfarrerinnen und ordinierte Gemeindepädagoginnen in der EKBO am 17. November von 9.30 bis 15.30 Uhr im Evangelischen Zentrum

Die EKBO hat erkannt, dass sie sich um weiblichen Nachwuchs in kirchlichen Leitungspositionen im Pfarrdienst gezielt kümmern muss. Derzeit sind zwar schon knapp 42 Prozent der Pfarrpersonen Frauen, allerdings gibt es in der Landeskirche lediglich fünf Superintendentinnen neben 26 männlichen Kollegen. Deswegen veranstaltet die EKBO ein Forum für Pfarrerinnen und ordinierte Gemeindepädagoginnen mit dem Titel „Lust auf Leitung“ am Freitag, den 17. November, von 9.30 bis 15.30 Uhr im Evangelischen Zentrum, Georgenkirchstr. 69, 10249 Berlin (zum Programm: bitte nach unten scrollen). Oberkonsistorialrätin Dorothea Braeuer aus der Personalabteilung unserer Kirche koordiniert die Veranstaltung, die von einem größeren Team vorbereitet wird. Tanja Pilger-Janßen, Pfarrerin im Medienhaus der Landeskirche, hat im Vorfeld mit ihr gesprochen.

Tanja Pilger-Janßen: Woran liegt es, dass Frauen deutlich weniger in höheren Leitungsämtern unserer Kirche vertreten sind?

Dorothea Braeuer: Der Pfarrberuf war viele Jahre lang rein männlich geprägt. Erst seit den späten 1970er Jahren sind Frauen im Pfarramt in unserer Kirche gleichberechtigt. Dennoch sind altbackene Geschlechterklischees, etwa, dass ein Mann ins Leitungsamt gehört, auch weiterhin in unserer Kirche verbreitet. Gut qualifizierte Bewerberinnen bewerten das eher negativ. Hinzu kommt, dass Frauen sich erst dann auf eine Leitungsstelle bewerben, wenn sie ihrer Meinung nach hundert Prozent des Anforderungsprofils erfüllen. Männer bewerben sich auch, wenn sie nur 60 Prozent erfüllen.

Tanja Pilger-Janßen: Wie lassen sich ein Leitungsamt und Familie Ihrer Meinung nach in der Kirche vereinbaren?

Dorothea Braeuer: Jedes Pfarramt ist ein Leitungsamt, das neben den klassischen Fähigkeiten eine hohe organisatorisch-strategische Kompetenz erfordert. Was im Beruf gebraucht wird, ist auch privat wichtig, um sowohl den Partner oder die Partnerin und die Kinder in den Beruf zu integrieren, als auch wirkliche Auszeiten für Familie und Privates einzuhalten. Wer das trainiert hat, wird diese Kompetenz auch im spezifischen Leitungsamt einsetzen. Wer dazu noch ein gutes Unterstützungsnetz durch Partnerschaft, Freunde und Familie hat und in einem guten Team arbeitet, wird Freude am Leiten haben.          

Tanja Pilger-Janßen: Sie bieten ein Forum für Pfarrerinnen und ordinierte Gemeindepädagoginnen in der EKBO an, um Lust auf Leitung zu machen. Was motiviert Sie, diese Veranstaltung zu organisieren?

Dorothea Braeuer: Das Thema war einfach dran. Nach jeder Wahl in ein Leitungsamt, in der sich wieder ein Mann durchsetzte, rieben wir leitenden Frauen uns die Augen und sagten, da müssten wir etwas machen. Deshalb war ich sehr froh, dass die Idee, ein Führungsforum für Pfarrerinnen zu veranstalten, von unserer Kirche freudig aufgegriffen wurde. Und ich bin dankbar für die starke Gemeinschaft, die in der Vorbereitung unter uns Frauen gewachsen ist.

Ich selbst bin in meinen ersten Amtsjahren ermutigt worden durch Pfarrerinnen, an denen ich mich orientieren konnte. Inzwischen gibt es mehr Pfarrerinnen, aber in der Leitungsebene erleben wir eher einen Rücklauf. Deshalb brauchen wir Vorbilder, die uns zeigen, dass Leitung weiblich ist. Denn Frauen bewerben sich eher, wenn es ihre Geschlechtsgenossinnen in einem Unternehmen ganz nach oben geschafft haben.       

Tanja Pilger-Janßen: Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?

Dorothea Braeuer: Die beiden Generalsuperintendentinnen, die fünf Superintendentinnen und die anderen Frauen, die ein Leitungsamt in unserer Kirche haben, zeigen sich in diesem Forum. Sie wollen den Pfarrerinnen und ordinierten Gemeindepädagoginnen Mut zur Leitung machen. Durch den Vortrag und durch den persönlichen Austausch mit den leitenden Frauen rücken sie nahe und werden zu Schwestern, die raten und beraten können. Wir bieten einen Raum, um Fragen und Hindernisse mit leitenden EKBO-Frauen zu besprechen. Ich hoffe, dass die Pfarrerinnen und ordinierten Gemeindepädagoginnen gestärkt und ermutigt werden, Leitung anzunehmen, zu gestalten und sie besser zu verstehen. Und für alle, wo immer sie leiten, erhoffe ich Anregungen, um die jeweilige Leitungsverantwortung aktiv und kreativ zu gestalten. Und im besten Fall: Lust auf Leitung!

Tanja Pilger-Janßen: Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es für Frauen, Kompetenzen für Leitungsämter – abgesehen vom klassischen Gemeindepfarramt – zu erwerben?

Dorothea Braeuer: Neben den Fortbildungen des Pastoralkollegs  gibt es im Raum der EKD diverse Fortbildungsangebote für die mittlere Ebene. Wir arbeiten seit einigen Jahren eng mit der Gemeindeakademie der bayrischen Landeskirche in Rummelsberg zusammen. Wenn sich jemand – ob Frau oder Mann – auf ein Leitungsamt vorbereiten möchte und hierzu durch den Kirchenkreis oder die Generalsuperintendenten empfohlen wird, trägt die Landeskirche die Kosten der Leitungsfortbildung. Ebenso für die Neuen, die gerade ein Superintendentenamt beginnen. Für die Frauen, die wir als Leitungspersönlichkeiten gewinnen wollen, könnte es aber noch mehr und spezifische Angebote geben. Was hier zu tun ist, werden wir nach der Veranstaltung auswerten und der Kirchenleitung vortragen.

 

Das Programm des Workshops "Lust auf Leitung":

9.30 Uhr Ankommen und Brezelfrühstück

9.45 Uhr Geistlicher Impuls und Begrüßung: Präses Sigrun Neuwerth, Bischof Dr. Dröge

10.15 Uhr Frauen führen: Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Vortrag und Gespräch

11.45 Uhr Streiflichter aus der Leitungserfahrung aus der Perspektive einer ordinierten Gemeindepädagogin, einer Superintendentin, einer Generalssuperintendentin und einer Oberkonsistorialrätin

12.15 Uhr Workshops

1. Frauen gewinnen – Mentoringprogramme zur Stärkung von Frauen
2. Netze werfen Vernetzung und Leitung – ein seltenes Phänomen?
3. Ich bin die Neue, ich komm‘ jetzt öfter
4. Zur Balance von privatem und beruflichem Leben
5. Frauen und Macht
6. Freiheit und Verantwortung in der Leitung
7. Frauen führen – der Workshop zum Vortrag

Mittagsimbiss

14.30 Uhr Ergebnisse, Forderungen und Empfehlungen aus den Workshops an die Kirchenleitung und
Unterstützungssysteme und Werkzeuge der EKBO für Leitungsaufgaben im ordinierten Dienst

15.30 Uhr Reisesegen


Die Workshops werden geleitet von: 
Hella Mahler, Pfarrerin und Gleichstellungsbeauftragte (Hannover); Magdalena Möbius, Pfarrerin und Studienleiterin; Dr. Christina-Maria Bammel, Oberkonsistorialrätin; Dr. Elke Rutzenhöfer, Leiterin Medienhaus; Dorothea Braeuer, Oberkonsistorialrätin; Eva-Maria Menard, Superintendentin; Solveig Enk, Pfarrerin, Dr. Rajah Scheepers, Pfarrerin; Ulrike Trautwein, Generalsuperintendentin; Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin; Barbara Eschen, Direktorin Diakonie; Katharina Furian, Superintendentin; Sigrun Neuwerth, Präses Landessynode; Beate Hornschuh-Böhm, Superintendentin; Viola Kennert, Superintendentin. 
Moderation der Ergebnisse: Barbara Manterfeld-Wormit, Pfarrerin Ev. Rundfunkdienst

Das ausführliche Programm finden Sie hier.
Den Einladungsflyer können Sie hier downloaden.

Anmeldung mit Angabe der Workshopwahl (bitte Zahlen in bevorzugter Reihenfolge angeben) an Dorothea Braeuer: d.braeuer(at)ekbo.de