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Montagsandachten im Evangelischen Zentrum

Der Andachtsraum im Ev. Zentrum. Foto: Annette Kaiser, EKBO

Der Andachtsraum im Ev. Zentrum. Foto: Annette Kaiser, EKBO

RSSPrint

Das richtige Hören – Eine Montagsandacht von Harald Sommer

"Wer meine Worte hört und sich nach ihnen richtet wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigem Grund baut. Wenn nun ein Wolkenbruch niedergeht, die Flüsse über die Ufer treten und der Sturm tobt und an dem Haus rüttelt, so stürzt es doch nicht ein, weil es auf Fels gebaut ist. Wer dagegen meine Worte hört uns sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand gebaut hat.Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht, die Flüsse über die Ufer treten, der Sturm tobt und an dem Haus rüttelt, stürzt es ein und der Schaden ist groß. Als Jesus seine Rede beendet hatte, waren alle von seinen Worten tief beeindruckt. Denn er sprach wie einer, der Vollmacht von Gott hat."

Matthäus.7, 24-29:

Das Gleichnis, das Jesus hier erzählt, steht am Ende der berühmten Bergpredigt, und hat deshalb eine besondere Bedeutung. Es will den Worten, die Jesus zuvor gesprochen hat, noch einmal besonderes Gewicht verleihen. Es ist gleichsam ein Fazit aus dem vorher Gesagten und beschreibt die Konsequenzen aus Jesu Predigt: Es geht ums richtige Hören, das in die richtige Tat mündet.

Erinnern wir uns an die Worte der Bergpredigt: Es beginnt mit den Seligpreisungen, wie zum Beispiel "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen." Dann kommen die Salz und Lichtworte: "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt." Es folgen die Worte von der Feindesliebe, der berühmte Satz von der anderen Backe, die man nach dem ersten Schlag auch noch darbieten soll. Vom Schätze Sammeln ist die Rede: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Es folgt die Rede vom "Sorget nicht!" mit dem Schluss: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das andere alles zufallen." Dann: "Bittet, so wird euch gegeben...",  die goldene Regel: Was euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Und schließlich kurz vor unserem Text, steht da: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, die richtigen Propheten".

Ich denke, die Erinnerung an die verschiedenen Aussagen der Bergpredigt ist wichtig, um den Zusammenhang zu verstehen, wenn Jesus sagt: "Wer meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, ist ein kluger Mann."

Ist es klug, sich auf die Botschaft dieses Mannes einzulassen, sich der Zugluft seiner Verkündigung auszusetzen? Bisher konnte man sagen: ich habe keinen getötet, keinen falschen Eid geschworen, auf Recht und Vergeltung gesetzt, den Besitz der anderen respektiert, den Nächsten geliebt und – wie es sich gehört – den Feind gehasst. Es ist doch beruhigend, sich in solch einem Gebäude von Rechtschaffenheit geborgen zu wissen.

Aber jetzt kommt Jesus und macht uns darauf aufmerksam, dass dieses Haus zusammenstürzen wird. Fort mit den frommen Werken, weg mit der Sorge, über den Jordan mit dem Richtgeist. Ist es klug, alles auf eine Karte setzen ? (Trachtet zuerst...) Ist es nichts mit dem Reich Gottes, wäre es doch töricht, Jesus zu folgen.

Als hätte Jesus die vielen kleinen und großen Bedenken seiner Zeitgenossen und auch von uns heutigen aufgeklärten Menschen gekannt, erzählt er immer wieder kleine Geschichten in nachvollziehbaren Bildern: heute ein Gleichnis vom Hausbau. Keiner unter uns, der ein Haus bauen will, lässt sich einfach eine Fuhre Baumaterial liefern und baut drauf los. Wer bauen will, wird einen Fachmann oder eine Fachfrau zu Rate ziehen, besser noch mehrere, Architekten, Statiker, Handwerker verschiedener Fachrichtungen. Wer beim Bauen klug sein will, hört auf Fachleute und folgt ihrem Rat.

Jesus selbst stammte ja aus dem Baufach, schließlich war er gelernter Zimmermann, der in seinen Zeiten nicht nur für das Dach zuständig war. Deshalb weiß er, wie sehr es auf ein ordentliches Fundament ankommt. Die zwei Häuser, von denen das Gleichnis berichtet, unterscheiden sich ja nicht in Größe oder Material, Technik oder Sorgfalt in der Ausführung. Vielleicht sehen sich die Häuser sogar ähnlich, wie bei Reihenhäusern, dass einem die Unterschiede gar nicht ins Auge springen. Aber das ist ja das Gefährliche an der Dummheit, dass sie in Zeiten ohne Wind, Regen Sturm gleichwohl solide erscheint, nicht unterscheidbar von kluger Vorsorge. Erst wenn es ernst wird, wenn die Stürme am Fundament rütteln, erweist sich die Standhaftigkeit.

Auch Freundschaften sind auf Sand oder auf Fels gebaut und bewähren sich erst in der Not. Der Kluge rechnet mit den Stürmen und baut auch wenn es anfangs mühsamer ist und länger dauert, sein Haus auf Felsen, seine Freundschaft auf Vertrauen. Diese Ausdauer ist in unserer Zeit, die schnelllebig und oberflächlich ist, eher störend und scheint überholt. Dies gilt ebenso für einen festen Glauben an die Seligkeit der Hungernden und Friedfertigen, oder an die Liebesbedürftigkeit und Liebesfähigkeit dessen, den wir zum Feind gemacht haben, oder gar für den festen Glauben an das Anbrechen des Reiches Gottes.

An den Früchten erkennt man die wahren und die falschen Propheten, sagt Jesus. Ich finde es gut und wichtig, dass wir offenbar lernen müssen, zu unterscheiden, dass wir uns auf den Weg der Erkenntnis machen sollen, dass wir unseren Verstand gebrauchen sollen und dass unsere Klugheit gefragt ist.

Mit anderen Worten, auf Gottes Wort zu hören und danach zu handeln, ist offensichtlich nichts für Doofe. Angesichts der Botschaft der Bergpredigt sieht mancher dumm aus, der sich selber für klug hält. Liebe Schwestern und Brüder, Sand taugt nichts, Wer auf Sand bauen will, der hat die Probleme schon vorprogrammiert.

Aber wir sind schon manchmal merkwürdig, wir Menschen. Beim Bau eines Hauses, in dem wir und nach uns noch einige Generationen leben wollen, ziehen wir Fachleute hinzu, und machen alles richtig, jedenfalls lassen wir nichts unversucht. Keiner käme auf die Idee, ein Haus in den Sand zu bauen, wahrscheinlich gäbe es dafür auch keine Baugenehmigung. Aber beim Bau unseres Lebenshauses sind wir erheblich nachlässiger.

Klug also der Mensch, der auch hier auf die Mahnung des Fachmannes hört: „Darum, wer meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn nun ein Wolkenbruch niedergeht, die Flüsse über die Ufer treten und der Sturm tobt und an dem Haus rüttelt, so stürzt es doch nicht ein, denn es ist auf Fels gegründet.“

Eben! Amen.