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Montagsandachten im Evangelischen Zentrum

Der Andachtsraum im Ev. Zentrum. Foto: Annette Kaiser, EKBO

Der Andachtsraum im Ev. Zentrum. Foto: Annette Kaiser, EKBO

RSSPrint
im Kreis stehend um eine gestaltete Mitte aus Stern, Kerzen, Adventskranz, Holzkreuz aus Stöcken, Bibel und Kiefernzweig mit Amaryllis

im Kreis stehend um eine gestaltete Mitte aus Stern, Kerzen, Adventskranz, Holzkreuz aus Stöcken, Bibel und Kiefernzweig mit Amaryllis

Tanja Pilger-Janßen zusammen mit Sibylle Sterzik, Amet Bick, Beate Thomas und Angelika Menzel

 

Musik

Votum

Liturgin: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Gemeinde: Amen
Liturgin: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde: der Himmel und Erde gemacht hat.
Liturgin: Der Bund und Treue hält ewiglich und nicht aufgibt das Werk seiner Hände.

Begrüßung

Sibylle Sterzik: Neu und anders, und doch vertraut. Neu und anders:
Amet Bick: Stehen um eine Mitte herum, neue Perspektiven, andere Standorte statt tradierter Sitzplätze, Blickkontakte zum Gegenüber.
Sibylle Sterzik: Und doch vertraut:
Amet Bick: der Ort und die Zeit am Montagmorgen, und doch wirkt der Raum gleich ganz anders – so offen, so frei.

Liturgin: So auch im Advent – neu und anders, und doch vertraut. Neu, denn mit dem Advent beginnt das neue Kirchenjahr, das alte ist vergangen, Neues kann werden. Neu. Es geht wieder von vorne los. Neues beginnt. Neues Leben wird.

Aber dann ist es irgendwie ja auch vertraut, so eine Adventszeit. Wir kennen die Lieder: Macht hoch die Tür, die Tore macht weit, weil das Kind in der Krippe, der Herr der Herrlichkeit, kommen wird. Oder: Tochter Zion, freue Dich. Wollen wir da nicht die Herzen öffnen und die Ohren spitzen, offen und frei sein, uns einlassen auf das neue Leben, all die Hoffnung, die in dem Kind liegt. Wir sehnen uns so sehr nach Frieden, nach Heil, nach Gelingen, nach einer heilen Welt. – Wie in jedem Jahr, als wir im Advent diese Lieder sangen. Wir kennen das.

Und doch, wer weiß, ob es nicht in diesem Jahr so ganz anders wird? Ein bißchen wie heute Morgen: Plötzlich ohne Stühle Andacht halten. Räume eröffnen sich ganz neu. Plötzlich – wer weiß, welche Überraschungen, welche Veränderungen diese Adventszeit für uns bereithält?

Aber jetzt: erst einmal die Türen und Tore, Herzen und Sinnen öffnen und den kommenden König der Ehre besingen:

Lied     EG 1,1-3.5 Macht hoch, die Tür, die Tor macht weit

 

Psalm

Hinführung:
Und wie das aussieht, dass die Türen hoch und die Tore weit sind, und wer der König der Ehre denn ist, das hat Hanns Dieter Hüsch in seinem Dezemberpsalm gedichtet. Wir lesen gemeinsam:

Mit fester Freude
Lauf ich durch die Gegend
Mal durch die Stadt
Mal meinen Fluß entlang
Jesus kommt

Der Freund der Kinder und der Tiere
Ich gehe völlig anders
Ich grüße freundlich
Möchte alle Welt berühren
Mach dich fein
Jesus kommt

Schmück dein Gesicht
Schmücke dein Haus und deinen Garten
Mein Herz schlägt ungemein
Macht Sprünge
Mein Auge lacht und färbt sich voll
Mit Glück

Jesus kommt
Alles wird gut

Hüsch, H.D., Dezember-Psalm, in: ders./ U. Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage, Düsseldorf 1997, 124.

Überleitung:   Oh komm, oh komm, Du Morgenstern, lass uns Dich schauen … wir singen gemeinsam Nr. 19, alle Strophen.

Lied     EG 19,1-3 Oh komm oh komm Du Morgenstern

Überleitung:   Oh komm, Gottes Sohn und Friedensbringer. Werde wieder Mensch geboren – immer wieder. – Wir hören von Hermann Hesse: Der Heiland:

Text (Sibylle Sterzik)  Hermann Hesse: Der Heiland

Immer wieder wird er Mensch geboren
Spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
Kommt uns nah und geht uns neu verloren.

Immer wieder muß er einsam ragen,
aller Brüder Not und Sehnsucht tragen,
Immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

Immer wieder will sich Gott verkünden,
Will das Himmlische ins Tal der Sünden,
Will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

Immer wieder, auch in diesen Tagen,
Ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
Unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
Mit dem stillen Blicke zu begegnen,
Den wir doch nicht zu erwidern wagen,
Weil nur Kinderaugen ihn ertragen.


Hermann Hesse, Sämtliche Gedichte in einem Band, Berlin 1992.

Überleitung:   Auch in diesen Tagen ist er unterwegs, der Heiland:
                        O Heiland, reiß die Himmel auf – wir singen aus

Lied     7,1-3.5  O Heiland, reiß die Himmel auf

Ansprache

Warten. An der Ampel. Auf die Bahn oder den Bus. Warten. Stehen und Warten. So wie jetzt Stehen, so wie im Advent – Warten. Da sehnt man ja schon den bequemen Stuhl herbei. Aber nein, heute in der wöchentlichen Andacht mal anders. Der andere Advent eben – kennen wir ja sonst auch vom Kalender. Jetzt auch real in der Montagsandacht. Anders. Stehen. Zum Warten passt es ja. Stehen. Und zum Advent auch – dann doch passend, heute mal zu stehen. Inzwischen wäre es an der Ampel schon grün geworden. Und gleich käme die Bahn. Aber hier im Raum ist noch Geduld nötig. Wir warten weiter. Der Advent hat ja gerade erst begonnen. Gestern die erste Kerze. Heute in 20 Tagen: Weihnachten.

Für die einen geht das schnell – was bis dahin noch alles gestemmt und geschultert werden muss. Für die anderen: noch so lange warten. Man freut sich doch so. Da sind noch 20 Türchen oder Säckchen zu öffnen – so viele, so lange dauert es noch.
So lange, bis Gott Mensch wird. Neues Leben. Ein Kind. Ein bedürftiges Baby, kein prächtiger Prinz im protzigen Palast. Noch 20 Tage bis zum Geburtstermin. Wenn doch das Kind dann endlich da ist. Ob wohl alles gut geht bis dahin? Und zur Geburt? Wenn es doch schon da wäre. Es ist kaum zu erwarten, die Freude ist doch riesig. Wenn man es dann sehen kann, es im Arm liegt, und mit diesem Winzling die Zeit stehen zu bleiben scheint. So ein kleines Wunder Leben, direkt nach der Geburt. Übervolles Herz, dankbar, glücklich, so ein Frieden – der von diesem kleinen Wunder Leben ausstrahlt.

In so einem kleinen Wunder Leben kommt Gott auf die Welt. Wahnsinn, unvorstellbar: Gott, so groß, so unbeschreiblich, und dann ein kleines Baby. Bald schon. Ganz klein und zart, sanft und gebrechlich. Ein bedürftiges Baby. Und doch weit mehr als ein strampelnder Säugling, ganz anders als ein Kleinkind: ein König. Von dem verheißen ist

Sibylle Sterzik: „Sieh, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“ (Sacharja 9,9).

Tanja Pilger-Janßen: Von dem wir dann am Heiligen Abend in unseren Gottesdiensten hören werden:

Amet Bick: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Und er heißt wunderbarer Ratgeber, starker Gott, mein Vater für alle Zeit, Friedensfürst. Seine Herrschaft werde groß und Frieden sei ohne Ende. Und er stärke sie mit Recht und Gerechtigkeit.“ (Jesaja 9,5f.)

Tanja Pilger-Janßen: In diesem kleinen Baby – solch große Erwartungen und Hoffnungen: Frieden, Recht und Gerechtigkeit. Von diesem Kind, dieser Familie im Stall in Bethlehem geht sie aus. Ob es nach allem Erlebten wohl auch so friedlich war in dem Stall mit Ochs und Esel? Das Bild von der heiligen Familie als heile Familie – so recht passt es doch nicht in dieses Setting im Stall von Bethlehem. Und heute hört man von den Familien, in denen es weniger friedlich zugeht. Da feiert der Bruder nicht mit der Schwester. Manche sind mit der Organisation ihrer Weihnachtsfeiern so sehr beschäftigt, weil ja nicht alle an einen Tisch passen, dass man eigentlich noch einen dritten Feiertag bräuchte. Von Ruhe und Frieden kaum eine Spur. „Wir haben es erst am 2. Weihnachtstag in die Kirche geschafft, vorher hat es nicht geklappt“ – habe ich schon am 26.12. gehört.

Frieden ist ja aber noch viel mehr. „Wenn wir keinen Frieden mit der Natur schaffen, dann gelingt auch kein Frieden zwischen den Menschen.“ So sagte Herr Schellnhuber bei seinem Vortrag auf der Herbstsynode. Frieden mit der Natur ermöglicht Frieden untereinander – ein Weg, ein Prozess, eine Aufgabe für uns. Schöpfung bewahren, Frieden gestalten, Klimaschutz angehen – alles Themen, die in den kommenden Jahren auf der Agenda stehen, damit wir nicht dem Unfrieden, sondern dem Frieden entgegenblicken.

Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit, die Freude darauf, dass diese mit Gottes Sohn in die Welt kommen, ja anbrechen. Da stehen wir jetzt. Wir sehnen uns nach Frieden und Gerechtigkeit – in unserer von Unfrieden, Unheil und Unrecht gezeichneten Welt. Sehnen nach Frieden in Familien und unter Freunden wie Kolleginnen. Sehnen nach Frieden für andere – Verfolgte, Geflüchtete, Notleidende, Kranke, Trauernde, Hilfebedürftige. Sehnsucht nach Heil, danach, dass es sich ändert, das Neues wird – wie mit dem Kind in der Krippe, wie mit dem bedürftigen Baby auf dem Arm nach der Geburt. Neu, anders. Irritierend und überraschend.

Ein bißchen wie heute früh: neu und anders: stehend, statt sitzend. Im Kreis, einander sehend. Anschauen auf Augenhöhe, Gesichter statt entzückender Rücken, offen nach vorne, frei von jedweder tradierten Sitzordnung, bei der die Höheren weit vorne sind. Heute – ganz anders, ganz neu: gleich nah zur Mitte, ausgerichtet auf Gottes Worte und Zeichen: Stern und Krippe, Kreuz und Schrift, strahlendes Licht und adventliche Blütenpracht. Advent – Warten – Hoffnung – Frieden – Freude – alles konzentriert in diesen Zeichen auf das Kind, das kommt. Das den Frieden mitbringt – und die Welt heil mache. Kommt zu Dir – und zu Dir – und auch Dir.  Amen.

Sieh – dein König kommt zu Dir, ja er kommt, der Friedefürst. Wir singen

Lied     13,1-3  Tochter Zion, freue Dich

 

Fürbitten        Lasst uns beten:

Tanja Pilger-Janßen: Gott des Friedens,
wir stehen in einer Welt voller Unheil, Unrecht und Unfrieden.
hilf uns, verständig miteinander zu sein und Kompromisse zu finden.
Lass uns handeln, dass Frieden mit der Natur und untereinander wirklich wird.
Stärke uns, aufeinander zuzugehen und neu zu werden.

Sibylle Sterzik: Gott der Treue,
alle Jahre wieder erwarten wir Deine Geburt.
Lass uns offen werden für Deine Botschaft vom Kind in der Krippe.
Überrasche uns, auch wenn uns Vieles so vertraut ist.
Öffne unsere Herzen und Sinnen, dass uns Dein Frieden neu erreicht.

Amet Bick: Gott der Gnade,
das neue Kirchenjahr steht vor uns.
Bleib mit Deiner Gnade und mit Deinem Segen bei uns.
Entzünde in uns das Licht, das mit der Geburt Deines Sohnes in der Welt leuchtet.
Ermutige uns, anderes zu wagen.

Tanja Pilger-Janßen: All unsere Bitten lassen wir münden in das Gebet, das Dein Sohn uns gelehrt hat.

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!

Tanja Pilger-Janßen: Lasst uns nun Licht werden, indem wir singen „Mache dich auf und werde Licht“ – Angelika Menzel wird uns den Kanon anleiten.

Lied     SJ 1 Mache Dich auf und werde Licht

Segen
im Kreis, leicht nach rechts gedreht, die linke Hand zur Mitte ausgestreckt, die recht Hand auf die Schulter des Vordermanns/ der Vorderfrau gelegt.

So empfangen wir den Segen aus der Mitte und geben ihn weiter an Vorderfrau oder Vordermann:

Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.
Amen.

Letzte Änderung am: 12.12.2017