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Wenn Bilder sprechen könnten

RSSPrint
Thronende Maria mit dem Kind und und zwei Engeln von Meister der Heiligen Magdalena (2. Hälfte 13. Jh.). Kulturstiftung St. Matthäus.

Seit über zwölf Jahren erläutern Kunsthistoriker und Theologen im Duo am letzten Donnerstag im Monat bei einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe die Ikonografie eines Gemäldes.

Alle Informationen zu dieser Projektreihe und den aktuellen Terminen finden Sie HIER.


Um Ihnen Lust auf diese interessanten Termine zu machen, hier die Nachlese einer „Christlichen Bildbetrachtung“ aus dem vergangenen Jahr:

In Raum 38 der Gemäldegalerie wird’s an diesem Abend eng. Die „christliche Bildbetrachtung“ ist, salopp gesprochen, der Renner. Auf schwarzen Museumsklappstühlen sitzen wir dicht an dicht und blicken konzentriert Richtung Wand, an der das eindrucksvolle Gemälde „Die Anbetung der Könige“ (um 1441–45) von Antonio Vivarini und Giovanni d’Alemagna hängt.

Die Schweizer Kunsthistorikerin Brigit Blass-Simmen, die in Berlin lebt, und der Direktor der Stiftung St. Matthäus, Christhard-Georg Neubert, nähern sich dem Bildmotiv in ihren Vorträgen nacheinander.

Als „ungemein personenreich“,„multikulti“, mit Menschen aus aller Herren Länder, beschreibt es die Kunsthistorikerin eingangs. Sie wünschte sich Kerzen herbei, um die reliefartigen, mit Gold ornamentierten Details an den Figuren für uns gebührend ausleuchten zu können. Das Bild stamme aus der Werkstatt einer „familiär verbandelten Künstlergemeinschaft“ auf der Insel Murano bei Venedig. In einem in der Frührenaissance eher „altmodischen Malstil“ der Pastiglia zeige es den Zug der Heiligen Drei Könige mit großem Gefolge nach Bethlehem. In dessen Zentrum steht die Huldigung des Jesuskindes durch die drei Weisen. Die Mittelachse des Gemäldes wird von der Darstellung des Heiligen Geistes, der den Stern von Bethlehem an die Peripherie drängt, und „Gottvater mit Aureole“ bestimmt, „eine spektakuläre Darstellung der Trinität“.

Aus diesem kompositorischen Setting heraus entwickeln Blass-Simmen und Neubert hoch spannende Bezüge zum Zeitgeschehen um 1500, zu theologischen Disputen, etwa der Einberufung des Unions-Konzils unter dem byzantinischen Kaiser Johannes VIII. oder des „Filioque“-Zusatzes, der Ost- und Westkirche bis heute trennt. Die biblische Erzählung an sich bietet Raum für weitere fesselnde Erörterungen und Assoziationen: Wo setzten sich Legenden durch? Wie muss man sich den Heiligen Geist und dessen Wirkung vorstellen? –

Ein rundum gelungener, sehr unterhaltsamer Streifzug durch die Kunst- und Religionsgeschichte, und das auf keinen Fall ausschließlich für Bibelkundige.

(aus: „Kultur in Kirchen. Das Magazin für Berlin und Potsdam“, Nr. 2, Februar/März 2016, Text: Ulrike Mattern)