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Torsten Ramlow

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Torsten Ramlow
Torsten Ramlow


Von Andrea von Fournier

Es gibt eine Welt, die bleibt den meisten von uns verschlossen. Torsten Ramlow kennt sie hingegen gut. Im schwarzen T-Shirt mit den großen Lettern „VIP“ auf Brust und Rücken steht er hinter dem Küchentresen, wo ein riesiger Topf Rosenkohleintopf köchelt, meist lächelnd.

Viele der Gäste der Notübernachtung der Berliner Stadtmission, manchmal sind es um die 150 pro Abend, begrüßen den schmalen Mann erfreut. Um so herzlicher, weil er jetzt nicht mehr so regelmäßig hier arbeitet wie früher. Als ehrenamtlicher Helfer kommt der 44-Jährige gebürtige Kyritzer hierher, wenn er Urlaub oder einen freien Tag hat. Dann kocht er, teilt Essen aus, wechselt mit vielen der Obdachlosen, die Nacht für Nacht für ein Essen und ein Lager vor der Tür in der Lehrter Straße stehen, ein paar Worte. Er nimmt die Bedürftigen in ihrer Situation ernst, ohne gekünsteltes Mitleid.

Als der gelernte Maurer 1998 nach Berlin kam, wollte er von der Familie weg – seine Ehe war gescheitert, den Job hatte er verloren und er trank zu viel. Vielleicht würde in Berlin alles besser werden, hoffte er. Wohnung und Arbeit hatte er hier nicht und lebte auf der Straße. Dann zog er sich eine Verletzung am Sprunggelenk zu. Keinen schien das zu interessieren. Nach drei Tagen brachte ihn ein mitfühlender Taxifahrer zur Krankenstation der Stadtmission, damals war sie in die Magdalenenstraße. Viele Gespräche wurden mit ihm geführt. Er kam in ein Übergangsheim, versuchte dem Problem Alkohol zu Leibe zu rücken. Einer der Betreuer sprach ihn an,  ob er nicht ehrenamtlich mitarbeiten wolle. Er bekam die Chance, in der Notübernachtung zu helfen, war verantwortlich für die Betten und das Außengelände. Nach zwei Jahren fühlte er, dass es ihm langsam besser ging. Auf Honorarbasis arbeitete er jetzt für die, die ganz unten waren. Elf Jahre blieb er in der Stadtmission. Den Alkohol verbannte er erfolgreich aus seinem Leben.

Torsten Ramlow wurde ehrenamtlicher Malteser, machte eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Im letzten Jahr lernte er über eine Anzeige eine Frau kennen und lieben. Er heiratete sie und zog nach Bad Liebenwerder. Er fand eine Familie und Arbeit in der Rettungsstelle. Gern und regelmäßig kommt er wieder zurück in die Lehrter Straße, er schätzt die netten Kollegen dort.
Heute ist er ein fröhlicher Mensch, dankbar für alles, was ihm in den vergangenen Jahren an Hilfe und Aufmerksamkeit zuteil wurde. Und er sorgt nun mit dafür, dass auch andere diesen Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Auseinanderbrechen der Familie, Obdachlosigkeit, Drogen- oder Alkoholmissbrauch durchbrechen können.




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