Gedenkveranstaltungen für NS-Opfer Friedrich Weißler
20. Februar 2012. Oranienburg/Stahnsdorf (epd). Mit mehreren Gedenkveranstaltungen ist am Sonntag an den vor 75 Jahren von den Nazis ermordeten Juristen Friedrich Weißler erinnert worden. Bei Feiern in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen und auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf wurden Zivilcourage und Geradlinigkeit des Mitglieds der Bekennenden Kirche hervorgehoben. Unter den Teilnehmern war auch die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, die an der 2005 in Sachsenhausen eingeweihten Gedenkstele für Weißler ein Gebet sprach.
Zu der Gedenkzeremonie auf dem Stahnsdorfer Friedhof hatte der Sohn von Friedrich Weißler, Johannes Weißler, eingeladen. Nach seiner Ermordung am 19. Februar 1937 im KZ Sachsenhausen war Weißler auf dem Südwestkirchof beigesetzt worden. Die Grabstätte ist seit Kriegsende ein Ehrengrab der evangelischen Kirche. Der promovierte Jurist gilt als erster Märtyrer der Bekennenden Kirche.
Weißler war ab Dezember 1932 bis zur Machtübernahme der Nazis Präsident des Landgerichts Magdeburg, danach juristischer Berater und Leiter der Kanzlei der Bekennenden Kirche. Er wurde am 28. April 1891 im oberschlesischen Königshütte als Kind einer jüdischen Familie geboren und evangelisch getauft. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er seine juristische Laufbahn in Halle an der Saale und war unter anderem am Oberlandesgericht Naumburg und am Arbeitsgericht in Halle tätig. Mitte 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Abstammung von den Nazis aus dem Staatsdienst entlassen.
Als Mitglied der Bekennenden Kirche arbeitete Weißler mit Karl Barth und Martin Niemöller zusammen und war Mitverfasser einer Denkschrift von 1936 an Adolf Hitler, in der unter anderem die nationalsozialistische Rassenideologie kritisiert wurde. Nachdem das Dokument im Juli 1936 öffentlich bekannt wurde, ließ die Gestapo den Juristen verhaften.
