Brigitta Henke-Theel

„Für Engel wird es nie zu bunt“

Brigitta Henke-TheelVon Andrea von Fournier

Sie ist Berlinerin mit Herz und Schnauze: Nie um Worte verlegen und dennoch mitfühlend, energiegeladen, Mimik und Gestik verschwenderisch im Dauereinsatz, begeisterungsfähig. Und sie hat den Kopf voller Ideen. Wenn man ihre derzeitige Fotoausstellung „Für Engel wird es nie zu bunt“ und das gleichnamige Büchlein sieht, kommt man ins Staunen, wie fröhlich-despektierlich man die Himmelsboten mittels Computertechnik darstellen kann.

Brigitta Henke-Theel wurde 1956 in Rudow geboren und da lebt sie auch heute noch. Nach dem Abitur folgte sie dem Rat ihres Religionslehrers, der sagte, sie solle etwas Ordentliches lernen, und ließ sich am Seminar für den kirchlichen Dienst in der Zehlendorfer Leuchtenburgstraße zur Religionspädagogin ausbilden.

„Das fand ich stark, schon nach drei Jahren standen wir vor den Schülern“, erinnert sie sich. Das waren 1979 zunächst Tempelhofer Grundschüler. Danach unterrichtete sie an einem Oberstufenzentrum und fand mit dem Gymnasium die Schulform, in der sie den besten Zugang zu ihren Schülern fand. Inzwischen ist Brigitta Henke-Theel über 20 Jahre am Eckener-Gymnasium in Berlin-Tempelhof tätig

Wie alle Lehrer ihres Fachs ist sie bei der Kirche beschäftigt, die Schulen stellen „Raum, Strom und Zeit“, wie sie sagt. Sie hat in ihrem Berufsleben zu spüren bekommen, dass in der Wertigkeit der Fächer und der Wertschätzung des pädagogischen Personals durchaus Unterschiede gemacht werden. Das betrübt sie, auch wenn ihr der Religionsunterricht noch immer großen Spaß macht. An ihrer jetzigen Schule hat sie Rückhalt in der Schulleitung.

„In welchem Fach hat man als Lehrer so viele Gestaltungsmöglichkeit wie in Religion?“, fragt Brigitta Henke-Theel und beginnt aufzuzählen, was sie mit den Siebt- bis Zwölftklässlern im Lauf der Jahre unternommen hat. Dass sie den Jugendlichen in deren Kirchengemeinden folgte, wenn dort Aktionen geplant waren, sie Ausstellungen und Konzerte besuchten. Oder eine Wochenendfahrt in ein früheres Rostocker Kloster unternahm, in dem die Schülerinnen als Nonnen gewandet das Leben an solchem Ort hautnah nachempfanden.

Die Mittfünfzigerin, verheiratet und Mutter eines Sohnes, reist  gern. Dabei hat sie vor zehn Jahren ihr großes Hobby entdeckt. „Städte und Trubel erleben ist toll, doch ich suchte und fand die Stille“, so Henke-Theel. Auf den Friedhöfen  in Innsbruck, Wien, Budapest, Hamburg oder Mailand und dann auch am Berliner Südstern. Sie fotografierte zunächst aus Freude Engelskulpturen. „Das macht süchtig“, erklärt sie lachend, weshalb bald genug Objekte für die erste Ausstellung zusammengekommen waren. Pfarrerinnen, denen sie von ihren Bildern erzählte, holten die Schau in ihre Gemeinden. Mit einem Freund und früheren Kommilitonen, der Texte und Gedichte dazu schrieb, entstand ein erstes Buch.

Seit kurzem gibt es die zweite „Engelsschau“, in der sie die geflügelten Wesen künstlerisch arrangiert: mal lila oder pink dargestellt, kaleidoskopisch angeordnet oder an ungewöhnliche Orte versetzt. Manchem Betrachter verziehen sich spontan die Mundwinkel zu einem Lachen, andere schütteln verständnislos den Kopf. So ist das mit der Kunst, das nimmt die Fotografin in Kauf.  Einige Orte will sie noch einmal besuchen, weil sie jetzt eine bessere Kamera hat. Vielleicht ist ihre jetzige Ausstellung nicht ihre letzte.
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