Brandenburg erinnert am Holocaust-Gedenktag an NS-Opfer
23. Januar 2012. Oranienburg (epd). Am Holocaust-Gedenktag wird in Brandenburg am Freitag an zahlreichen Orten an die Opfer des Nationalsozialismus und die Befreung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 erinnert. In den KZ-Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen stehen die Opfer von NS-Mordaktionen vor 70 Jahren im Mittelpunkt der Gedenkfeiern. In Ravensbrück wollen Schüler aus Erinnerungen von Kindern und Frauen aus dem tschechischen Dorf Lidice vorlesen, das im Sommer 1942 von den Nazis zerstört wurde. Die Gedenkstätte Sachsenhausen und der brandenburgische Landtag erinnern in Oranienburg an die Erschießung von 250 Juden im KZ Sachsenhausen im Frühjahr 1942.
In Brandenburg an der Havel wird am Freitag mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie an die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Menschen erinnert. Weitere Gedenkveranstaltungen sind in Potsdam, Eberswalde, Frankfurt an der Oder und anderen Orten geplant. In Fehrbellin wollen Aktionsbündnisse aus Wittstock, Neuruppin und Fehrbellin zum ersten Mal gemeinsam an die Opfer von Faschismus, Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit erinnern.
Zu der Gedenkveranstaltung in Sachsenhausen werden auch Brandenburgs Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD), der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, und die evangelische PotsdamerGeneralsuperintendentin Heilgard Asmus erwartet. Die „jüdischen Geiseln“ in Sachsenhausen wurden in einer Vergeltungsaktion für den Anschlag einer Widerstandsgruppe auf eine Berliner NS-Propagandaausstellung im Mai 1942 ermordet. Unter den Opfern waren 96 KZ-Häftlinge und 154 Juden, die von der Gestapo als Reaktion auf den Brandanschlag als „Geiseln“ verhaftet worden waren. Die Opfer der Mordaktion waren die ersten NS-Opfer, die in der damals zur Vernichtung neu errichteten „Station Z“ in Sachsenhausen hingerichtet wurden.
In Lidice wurden im Juni 1942 in einer Vergeltungsaktion für den tödlichen Anschlag von Widerstandskämpfern auf den Chef des SSReichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, die Männer des Dorfes erschossen. Das Dorf wurde vollständig zerstört. 196 Frauen aus Lidice wurden am 14. Juni 1942 in das Frauen-KZ Ravensbrück bei Fürstenberg an der Havel deportiert.
