Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel, 24. Dezember 2011

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Die ermutigende Ansage der Engelbotschaft wird auch an diesem Weihnachtsfest in Gottesdiensten und Konzerten zu hören sein.

Wenn ichdas Jahr 2011 vorüber ziehen lasse, sehe ich vieles, was Furcht verbreitet. Der Amoklauf im Juli in Norwegen, bei dem über 77 Menschen getötet wurden, stellt die ideologische Verführbarkeit des Menschen und das Ausmaß schwerer psychischer Krankheit vor Augen. Ich teile die Furcht vieler Menschen um die Stabilität des Geldes, besonders dann, wenn die Altersversorgung selbst angespart wurde. Ich hoffe, dass Europa sich fängt und sich nicht nur als Wirtschaftsgemeinschaft sieht, sondern sich verstärkt als solidarische Wertegemeinschaft entdeckt. Besonders erschreckend war die bittere Erkenntnis, dass in Deutschland rechtsradikale Gruppen gut vernetzt über Jahre Anschläge planten und kaltblütig zehn Menschen ermordeten, Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft.Sie waren längst keine Fremden mehr. Sie haben hier gelebt, geliebt und gearbeitet. Sie waren unsere Nachbarn.

Hochmoderne Überwachungssysteme haben versagt. Das Ausmaß an nationalsozialistischer Verbohrtheit wurde unterschätzt. Offensichtlich werden die rechtsradikalen Mordmotive gespeist von der Angst vor dem Fremden und vom schwachen Selbstwertgefühl der Täter. Erstaunlich sind die Ergebnisse der Untersuchung „Wie tolerant ist Berlin?“ des Meinungsforschungsinstitutes Info GmbH, die Mitte Dezember veröffentlicht wurden: Bundesweit sind 19 Prozent negativ gegen Ausländer und Migranten eingestellt. In Berlin jeder vierte Befragte. Gerade in den Bezirken, in denen weniger Migranten wohnen, ist die Ablehnung am stärksten. Das bedeutet: Wo Begegnung tatsächlich stattfindet, werden Vorurteile abgebaut.

Der dringend notwendige Kampf gegen Rechtsextremismus ist deshalb vor allem ein Kampf für bessere Bildung und verstärkte Begegnungsmöglichkeiten. Das Ideal des Grundgesetzes, das jedem Menschen die gleiche Würde zuspricht, kann nur wirklich werden, wenn auch das, was die Menschen prägt, ihre Kultur und Religion, selbstverständlicher Teil unseres Bildungssystems ist.

Von den Kirchen wird gegenwärtig vor allem Wertevermittlung erwartet. Zu Recht ist das Bewusstsein tief in der Bevölkerung verankert, dass die Werte der Solidarität, der Nächstenliebe und der Achtung der Menschenwürde in unserem Land und in Europa stark durch die christliche Tradition geprägt sind. Die Kirchen nehmen diese Herausforderung an, in dem sie sich für den Religionsunterricht – nicht nur den christlichen – im öffentlichen Bildungssystem einsetzen. Sie machen sich stark für freie, auch konfessionell geprägte Schulen. Nur ein Schulsystem, das Vielfalt kennt, kann auch zur Akzeptanz der weltanschaulichen Vielfalt in der Gesellschaft beitragen.

Kontraproduktiv und wenig sachgemäß sind die Forderungen nach Trennung von Kirche und Staat in unsrem Land. Denn diese Trennung gibt es längst. Dass die getrennten Systeme Religionsgemeinschaft und Staat in unserem Rechtssystem sinnvoll aufeinander bezogen und zur partnerschaftlichen Arbeit verpflichtet sind, ist ein hohes, historisch gewachsenes Gut. Wer diese Kooperationen kappen will, schadet der Wertebildung in unserer Gesellschaft.

Im Land Brandenburg ist die Evangelische Kirche stark engagiert im Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Dieses Bündnis fordert seit langem, dass die Behörden sehr viel intensiver mit den zivilgesellschaftlichen Kräften zusammenarbeiten. Statt die Veranstalter von öffentlichen „Aktionen gegen Rechts“ mit der Forderung einer sogenannten „Demokratieerklärung“ unter Generalverdacht zu stellen, muss der Informationsaustausch nicht nur zwischen den Sicherheitsbehörden selbst, sondern auch zwischen Behörden und Aktionsgruppen verbessert und institutionalisiert werden.

„Fürchtet euch nicht!“ Die Weihnachtsbotschaft ist vor zweitausend Jahren nicht in einer heilen Idylle entstanden. Die römische Staatsmacht breitete ihr aufgezwungenes Verständnis von Frieden und Bürgerpflicht damals über die gesamte Welt aus. Kulturelle und religiöse Vielfalt wurde unterdrückt. Letztlich ist Jesus von Nazareth, als Aufrührer verdächtigt, Opfer des als gerecht tituliertenstaatlichen Kampfes gegen den Terror geworden. In genau diese Verhältnisse verkündet der Engel die Geburt Jesu. Die Adressaten dieser Zusage waren Hirten auf dem Felde, die Benachteiligten der damaligen Gesellschaft, ohne gesellschaftliches Ansehen.
„Euch ist heute der Heiland geboren!“ Wir alle leben von dem, was wir uns nicht selbst sagen können, was uns zugesprochen sein muss. Du bist gewollt! Du bist wertvoll. Heilsame Gnade suchen wir. Und zugesagt wird uns: Frieden auf Erden.
Seitenanfang Seite drucken
  • Facebook
  • Twitter

RSS-Master

Hilfe und Information

Infotelefon (Mo - Fr, 9- 17 Uhr)
030/ 243 44 - 121
Telefonseelsorge (täglich 24 Stunden)
0800-1110222
Ihre Nachricht

Adresswerk

Das Adresswerk enthält alle wichtigen Adressen der Landeskirche.

Personen und Adressen



Kirchenzeitung

dklog_174.jpg

Rundfunkdienst

logo-rundfunkdienst.jpg

Ahnenforschung

ekbo_button_ahnenforschung_04.gif

Gemeindesuche

Veranstaltungen

Touristische Ziele

In unserer Landeskirche gibt es viel zu entdecken: Dorfkirchen, Tagungshäuser, offene Kirchen, Pilgerwege und historische Friedhöfe
mehr...

Spenden

Ohne Engagement wäre unsere Gesellschaft kälter. Hier finden Sie sinnvolle Projekte und gute Initiativen.
mehr...

Evangelisches Zentrum

Georgenkirchstraße 69
10249 Berlin
Tel.:  030 24344-0
Fax:  030 24344-500

Wegbeschreibung laden

Google-Maps

Losungen

Perspektivprogramm

Kirchenmusik

Berliner Stadtmission

Berliner Stadtmission.jpg


Schulstiftung

logo-schulstiftung.gif

Diakonisches Werk

DWBO

Evangelische Akademie

Geschäftsstelle: 
Charlottenstraße 53/54
10117 Berlin
Tel.:  030 20355-500
Fax.:  030 20355-550

AKD

logo-akd.gif

 

 

 Das Amt für kirchliche Dienste ist eine Einrichtung zur Aus- Fort- und Weiterbildung und Beratung von ehrenamtlichen und beruflichen Mitarbeitenden der Evangelischen Kirche. www.akd-ekbo.de

Kircheneintrittsstellen

Telefon: (030) 20 45 11 00
E-Mail schreiben

Berliner Dom
Am Lustgarten
10178 Berlin-Mitte
freitags von
16:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Foyer an der
Gedächtniskirche
Breitscheidplatz
10789 Berlin-Charlottbg.
montags von
16:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Heilig-Kreuz-Kirche
Zossener Str. 65
10961 Berlin-Kreuzberg
donnerstags von
10:00 Uhr bis 13:00 Uhr

St. Marienkirche
Karl-Liebknecht-Str. 8
10178 Berlin-Mitte
dienstags von
16:00 bis 18:00

St. Nikolai-Kirche
Am Alten Markt
14467 Potsdam
mittwochs von
15:00 bis 18:00 Uhr

Kirchliches Bauamt

Ulrike Trautwein


Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung!

Ihre Ulrike Trautwein
Generalsuperintendentin

EKD

EKD Logo

Klima-Kollekte

Klimakollekte.jpg

Bischof a. D. Wolfgang Huber

Website