Reformationsjubiläum 2017 – Sollen Evangelische Kirche und Katholische Kirche zusammen feiern?
Bischofswort vom 29. Oktober 2011
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
Halloween – nein, hallo Luther! Am Montag
feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Evangelische
Christen denken daran, dass Martin Luther im Jahr 1517 seine 95
Thesen veröffentlichte. Ob er sie wirklich an die Kirchentür in
Wittenberg schlug, ist eher ungewiss Jedenfalls verbreiteten sie sich
in Windeseile: Darum gilt der 31. Oktober als der Beginn der
Reformation und damit als das Gründungsdatum der evangelischen
Kirche. Gegen die Auswüchse der katholischen Kirche des Mittelalters
trat Martin Luther damals an mit der epochemachenden Erkenntnis, dass
der Glaube nicht von der Kirche verwaltet werden kann, sondern Sache
des einzelnen Menschen ist. Damit begann der Aufbruch in die
Neuzeit.
Luthers Einsichten bilden bis heute die Grundlage des
Protestantismus. Wir sind von Gott angenommen, unabhängig von
unseren Leistungen. Und auch unabhängig von dem, was uns nicht
gelingt. Das ist die ungemein befreiende Botschaft des Evangeliums
Jesu Christi. Christen auf der ganzen Welt fühlen sich von ihr
getragen. Reformation meint: Gott allein die Ehre zu geben, allein
auf seine Gnade zu vertrauen und nach Gottes Willen immer wieder neu
die Bibel zu befragen und die Kirche von verkrusteten Traditionen zu
befreien.
Martin Luther hat mit seinem Glaubensverständnis
eine weltweite Bewegung angestoßen. Die Schwingungen reichen bis
heute. Denn die Reformation hat nicht nur die Kirche erneuert,
sondern auch die Gesellschaft verändert. Das ist nun bald 500 Jahre
her. Im Jahr 2017 werden wir das große Reformationsjubiläum feiern.
Es wird jetzt schon intensiv vorbereitet mit Themenjahren, in denen
wir den Spuren der Reformation in Bildung und Philosophie, im
kulturellen und im politischen Leben nachgehen.
Ich wünsche
mir, dass wir das Reformationsjubiläum ökumenisch feiern werden,
gemeinsam mit den vielen christlichen Kirchen. Ja, eigentlich kann
man solch ein Jubiläum nur ökumenisch feiern, denn das befreiende
Evangelium gilt allen Kirchen. In den öffentlichen Blick gerückt
ist in den letzten Wochen besonders das Verhältnis von evangelischer
und katholischer Kirche. Die Erwartungen an den Besuch des Papstes in
Deutschland waren hoch. Viele hofften, dass von ihm ein
entscheidender Impuls für die Ökumene ausgehen würde. Nun sind
viele Menschen enttäuscht.
Dennoch oder gerade deshalb würde
ich mich sehr freuen, wenn auch die katholische Kirche sich zum
Reformationsjubiläum einladen ließe. Viele gute Ansätze, sich
gemeinsam über die Erkenntnisse der Reformatoren zu freuen, gibt es
schon: Seit langem arbeiten viele evangelische und katholische
Gemeinden gut zusammen, zwei Mal schon haben wir einen gemeinsamen
ökumensichen Kirchentag gefeiert, vor zwölf Jahren haben
katholische und lutherische Kirchen gemeinsam erklärt: der Mensch
ist durch die Gnade Gottes angenommen ist und nicht durch seine guten
Taten. Das Jubiläum im Jahr 2017 ist ein guter Anlass, auf diesem
Weg weiterzugehen.
Ich lade Sie aber schon in diesem Jahr
herzlich ein, mit uns den Reformationstag zu feiern. Am 31. Oktober
geben Ihnen viele Gottesdienste, Konzerte und Vorträge dazu
Gelegenheit.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
