Nach Anschlägen mehr Schutz für Moscheen gefordert

Menschenrechtsbeauftragter fordert "verbale Abrüstung"

12. Januar 2011. Berlin/Köln (epd). Nach dem erneuten Brandanschlag auf eine Berliner Moschee am Wochenende haben Politiker und Verbände mehr Schutz für islamische Gotteshäuser gefordert. Der Koordinationsrat der Muslime forderte die Politik auf, sich stärker für ein friedliches Miteinander einzusetzen. "Solche verbrecherischen Taten können auch Resultat eines angespannten gesellschaftlichen Klimas sein", erklärte der Sprecher des Rates, Erol Pürlü, am 11. Januar in Köln. "Die Serie von Übergriffen auf Moscheen muss endlich ein Ende finden."

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, riefen nach einem gemeinsamen Besuch der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Berlin dazu auf, in öffentlichen Äußerungen zum Islam "verbal abzurüsten". Gewalt gegen Menschen, die ihren Glauben leben, dürfe nicht hingenommen werden. Der Deutsche Kulturrat forderte eine Versachlichung der Debatte über das Zusammenleben in Deutschland.

Der Migrationsrat Berlin Brandenburg rief dazu auf, "antimuslimischen Rassismus ernst zu nehmen und ihm entschiedenen zu begegnen". Dazu müssten auch Monitoringstellen eingerichtet werden, die Anschläge auf muslimische Gotteshäuser bundesweit dokumentieren und "Zusammenhänge zu gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nicht außer Acht lassen", hieß es in einer am Dienstag in Berlin verbreiteten Pressemitteilung. "Angriffe auf Gotteshäuser jeder Religion sind ein Angriff auf die Religionsfreiheit", erklärte die Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth.

Mit dem Brandanschlag auf Deutschlands älteste Moschee in Berlin-Wilmersdorf in der Nacht zum Sonnabend sind nach Angaben des Migrationsrates allein in Berlin im vergangenen halben Jahr zehn Brandanschläge auf muslimische Gotteshäuser verübt worden. Betroffen waren unter anderem Berlins größte Moschee, die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm, sowie die Al-Nur-Moschee und das Gebäude der "Islamischen Kulturgemeinde der Iraner" im Stadtteil Neukölln.

Der Deutsche Kulturrat stellte am 11. Januar in der Berliner Sehitlik-Moschee auch sein neues Dossier "Islam, Kultur, Politik" vor. Das Dossier solle die kulturelle Vielfalt des Islams aufzeigen, Gespräche über das Miteinander in Deutschland anregen und "Vorbehalte und Ängste gegenüber dem vermeintlich Fremden" abbauen helfen, erklärte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände.
Die Broschüre sei den Angaben zufolge in Kooperation mit dem Zentralrat der Muslime, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), dem Islamrat und dem Verband der Islamischen Kulturzentren entstanden. "Die Kultur des Islam ist Teil der Kultur Deutschlands", erklärte Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Der beste Schutz gegen die Angst vor dem "unbekannten Muslim" sei Aufklärung.
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