Berlin: NS-Kirche wird zu temporärer Kunsthalle
In baufälliger Kirche werden Werke moderner Künstler ausgestellt
Unter dem Titel "Treibsand" werden bis 10. Oktober Bilder, Installationen und Performances von Andreas Bauschke, Barbara Czarnojahn, Norma Drimmer, Peter Schlangenbader, Ute Faber, Sooki und Andrea Streit ausgestellt, hieß es. Die in Teilen baufällige Kirche wird von der Gemeinde nur noch selten zu Gottesdiensten genutzt und soll in den kommenden Jahren parallel zur baulichen Sanierung zu einem Kultur- und Veranstaltungsort entwickelt werden.
Die nach Plänen des Architekten Curt Steinberg erbaute Kirche war 1935 eingeweiht worden. In der Vorhalle wird der Besucher von Reichspräsident Paul von Hindenburg auf der einen und Martin Luther auf der anderen Seite begrüßt. Anstelle des Terrakottareliefs des Reformators soll hier einmal ein Relief von Hitlers Kopf gehangen haben. Den Leuchter ziert ein großes Eisernes Kreuz samt Eichenlaub.
Das Kanzelrelief zeigt Jesus umringt von einer "deutschen Familie", daneben ein Soldat mit Stahlhelm und ein SA-Mann in Stiefeln. Ähnliches findet sich auf dem Taufstein. Die mächtige Orgel erklang erstmals 1935 auf dem NSDAP-Reichsparteitag in Nürnberg, bevor sie in die Gedächtniskirche eingebaut wurde. Der das Schiff umspannende "Triumphbogen" besteht aus rund 800 Ornamentplatten. Darauf sind neben christlichen Symbolen unter anderem auch Köpfe von Soldaten mit Stahlhelmen, ein SA-Mann sowie das Symbol der NS-Wohlfahrt zu sehen. Angebrachte Hakenkreuze wurden nach dem Krieg entfernt.
Die Ausstellung in der Martin-Luther-Gedächtniskirche ist vom 22. August bis 10. Oktober dienstags, mittwochs, freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr, geöffnet.
