Sächsische Kulturdenkmäler durch Hochwasser bedroht

Spendenaufruf der evangelischen Kirchen

10. August 2010. Dresden/Ostritz (epd): Die evangelischen Kirchen haben zu Spenden für die Flutopfer in Sachsen, Polen und Tschechien aufgerufen. Das Hochwasser, das maßgeblich durch den Bruch eines Staudammes in Polen verursacht wurde, hat am 9. August auch an sächsischen Kulturdenkmälern erheblichen Schaden angerichtet. Teile des 775 Jahre alte Zisterzienserkloster St. Marienthal in Ostritz sind durch die Flut zerstört worden. Am Nachmittag erreichte das Hochwasser auch den zum UNESCO-Welterbe gehörenden Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau.

Wie eine Sprecherin der Landestalsperrenverwaltung auf Anfrage sagte, seien einige Deiche in der Region um Bad Muskau überspült worden. Nach Angaben der Landeshochwasserzentrale stand der Wasserpegel am letzten sächsischen Messpunkt in Podrosch bei 5,75 Metern. Normal sei an der Stelle kurz vor Bad Muskau ein Wasserstand von 80 Zentimetern, hieß es. Über das Ausmaß der Schäden im Park und am Schloss konnten die Behörden am Montag noch keine Auskunft erteilen.

Die Höhe der Schäden am Zisterzienserkloster St. Marienthal im ostsächsischen Ostritz schätzt das Bistum Dresden-Meißen auf mehrere Millionen Euro. Das Wasser habe dort neben Teilen der historischen Anlage auch das Internationale Begegnungszentrums zerstört, hieß es. Das Klosterstift St. Marienthal ist das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland. Es besteht seit seiner Gründung 1234 ohne Unterbrechung.

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl erklärte in Dresden, dass seine Gebete in besonderer Weise den Todesopfern der Flut und ihren Angehörigen gelten. Er hoffe auf eine ähnliche Hilfsbereitschaft der Menschen wie im Jahr der Elbeflutkatastrophe im Jahr 2002, erklärte Bohl in Dresden. Auch der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, rief zu Fürbitten und Spenden auf.

Mitarbeiter der Diakonie Sachsen seien außerdem für Hilfe ins Hochwassergebiet gereist. Notfallseelsorger und Kirchgemeinden hätten  Menschen aus den evakuierten Gebieten aufgenommen und betreut. Über das Ausmaß der Schäden an eigenen Einrichtungen habe sich die Landeskirche noch keinen Überblick verschaffen können, hieß es weiter.

Ursache des sächsischen Hochwassers ist der Bruch des Witka-Staudammes in Polen, der nach lang anhaltendem Regen den Wassermassen nicht standhielt. Am Sonnabend erreichte die Flut Sachsen. Dort waren vor allem Städte entlang der Neiße von Überschwemmungen betroffen. In den Landkreisen Görlitz und Sächsische Schweiz galt Katastrophenalarm.

Das Hochwasser breitete sich über kleinere Flüsse aber auch in Richtung Westen aus. Im erzgebirgischen Neukirchen ertranken nach Polizeiangaben drei Menschen im Keller ihres Hauses in den Fluten.

Das betroffene Kloster St. Marienthal bittet für die Schadensbehebung um Spenden. Diese können auf das Konto Nr. 4573048003 bei der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eG (BLZ 85591000) unter dem Kennwort: «Hilfe für Marienthal» überwiesen werden.

Die Diakonie nimmt Spenden für Betroffene in Sachsen unter dem Kennwort «Flut Sachsen 2010» auf dem Konto Nr. 100030101 bei der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen (BLZ 85095164) entgegen. Für Opfer in den Nachbarländern werden Spenden unter der gleichen Bankleitzahl und dem Konto Nr. 100100100 mit dem Kennwort «Flut Polen/Tschechien 2010» erbeten.

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