Schinkel mit Engeln und Fernsicht

Die Sanierung der Nikolaikirche in Potsdam ist abgeschlossen

Von Yvonne Jennerjahn (epd)

28. Juli 2010. Potsdam (epd). Alles ist neu. Acht Jahre lang ist die Fassade der Nikolaikirche in Potsdam saniert worden, nun ist sie fertig: Das von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entworfene Denkmal trägt statt schmutzigem Grau wieder sandfarbene Pastelltöne, vier neue Engelskulpturen krönen die Türme, ein neuer Kranz aus Palmblattnachbildungen verziert das Kuppeldach. Das Baugerüst ist gefallen, Ende Juli sollen auch die letzten Arbeiten beendet sein.

Das klassizistische Bauwerk, das 1837 eingeweiht und erst 13 Jahre später endgültig fertiggestellt wurde, zählt zu den bedeutendsten Arbeiten des preußischen Baumeisters. Die Bundesregierung hat die Kirche in die Liste der Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen. Doch die Sanierung stand immer wieder auf der Kippe.

Rund 5,2 Millionen Euro hatte die evangelische Kirchengemeinde beim Bauantrag 2001 eingeplant, erzählt der ehrenamtliche Geschäftsführer und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Joachim Uhlig. "Nun werden es wohl 6,7 Millionen Euro werden." Versteckte Mängel, die erst während der Bauarbeiten zu Tage traten, haben die Kosten nach oben getrieben. Das Winterwetter hat den Bau verzögert. Und die Gemeinde hatte sich in der Euphorie am Anfang verkalkuliert.

"Wir waren ein bisschen blauäugig und haben den Sanierungsbeschluss ohne Finanzierungsplan gefasst", erinnert sich Uhlig. Für den ersten 900.000 Euro teuren Bauabschnitt, die Ostfassade, gab es 850.000 Euro Zuschüsse von der öffentlichen Hand, der Landeskirche und der Stiftung Deutscher Denkmalschutz. Und so hätte es nach Vorstellung der Gemeinde auch weitergehen können.

Doch dann gab es Probleme, es gab kein neues Geld - und es drohte ein Desaster. Denn die gesamte Sanierung sollte in sechs Jahren abgeschlossen werden, sonst hätte die Gemeinde mit ihren rund 2.700 Mitgliedern alle bisherigen Fördermittel mit Zinsen wieder zurückgeben müssen. "Wir hätten 1,3 Millionen Euro zurückzahlen müssen und nur eine Wand fertig gehabt", sagt Uhlig trocken.

Dann gab es doch neue Fördermittel und etwas Aufschub, der Bundeskulturbeauftragte ist eingesprungen, die Landeskirche hat ihren Anteil erhöht und auch der Kirchenkreis sowie mehrere Stiftungen haben sich beteiligt. Und die Gemeinde hat Kredite aufgenommen und sich mit zwei Millionen Euro für rund 30 Jahre verschuldet.

Dezent und doch unübersehbar wird nun in der Nikolaikirche auf die Finanzprobleme hingewiesen. Zwei Tafeln bitten auf Deutsch und Englisch um Spenden für die Sanierung. Am Eingang werden Schokoladenherzen mit Bildern der Kirche angeboten, "Spende 1.50 Euro" steht auf dem Schild davor. Wer in den Innenraum gelangen will, muss einen angeketteten Opferstock aus stabilem Metall passieren, der hüfthoch mitten im Weg steht.

Auch auf Touristen ist die Kirche gut vorbereitet: Laminierte DIN-A-4-Blätter in 26 Sprachen liegen am Eingang aus, in finnisch, arabisch, chinesisch, italienisch, englisch, ungarisch. Auch ein Esperanto-Text ist dabei. An der Orgel spielt der Kantor gegen den Baustellenlärm vor der Tür an. Dort wird am Standort des alten preußischen Stadtschlosses der neue Landtag Brandenburgs gebaut. Vor der Kanzel wird es ein bisschen katholisch: Eine Lichterbank steht dort, auf der man Kerzen entzünden kann, für einen Euro das Stück.

Um Geld für die Sanierung aufzutreiben, ist die Gemeinde auch ungewöhnliche Wege gegangen, nicht immer mit dem erhofften Erfolg: Die Werbung für den Filmpark Babelsberg mit einem Großplakat unterhalb der Kuppel wurde mit dem Verzicht auf Fördermittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bezahlt. Die eingerüstete Kirche wurde als Drehort für einen Kinofilm zur Verfügung gestellt. Vor einem Jahr ist schließlich in über 40 Metern Höhe unter der Kuppel eine Aussichtsplattform eröffnet worden, mit Blick über die Stadt und auf die Landtagsbaustelle. Das Eintrittsgeld soll zum Schulden-abbau beitragen. Anfang Juli wurde bereits die 10.000ste Besucherin begrüßt.

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