Neue Sendelizenz könnte Radio Paradiso retten

Sender hat Klage gegen Lizenzentzug eingereicht

26. Juli 2010. Berlin (epd). Der christliche Sender Radio Paradiso schöpft nach dem Entzug seiner Sendelizenz neue Hoffnung. Derzeit werde intern geprüft, ob sich der Sender auf die von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) ausgeschriebene UKW-Frequenz für das Stadtgebiet Berlin bewerben wird, sagte Geschäftsführer Matthias Gülzow am 23. Juli in Berlin dem epd. Die übrigen drei ausgeschriebenen Frequenzen für Brandenburg seien für ihn "zunächst nicht interessant".

Am 23. Juli hat der Sender nach Angaben von Gülzow Klage gegen den Lizenzentzug durch die Medienanstalt beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht. "Wir haben zudem vorläufigen Rechtsschutz beantragt, um die Frequenzen so lange weiter nutzen zu können, bis die Gerichte entschieden haben", sagte Gülzow.

Der Medienrat der MABB hatte im Mai beschlossen, die bisher von Radio Paradiso genutzten UKW-Frequenzen in Berlin und Brandenburg ab Dezember an den Sender Oldiestar zu vergeben. Zur Begründung hieß es, der Medienrat habe den Sender mehrfach auf Defizite im Programm hingewiesen. So habe es unter anderem an theologischen Beiträgen gemangelt. Paradiso und andere Programmveranstalter haben bis zum 25. August Zeit, sich auf die neu ausgeschriebenen Frequenzen zu bewerben.

Mit der Ausschreibung der Berliner Frequenz 101,9 MHz sucht die Medienanstalt einen Nachfolger für das Berliner Jazz Radio. Der Sender gehört wie Paradiso zum Verbund "Radiohaus Berlin", den Gülzow leitet. Das Jazz Radio hat Insolvenz angemeldet und ist nach Einschätzung des Insolvenzverwalters nicht mehr zu retten, wie Gülzow dem epd sagte.

Eine der drei ausgeschriebenen Brandenburger Frequenzen wird aktuell gar nicht genutzt, zwei davon hat derzeit noch der WDR-Sender Funkhaus Europa belegt, der im Sendegebiet des RBB das eingestellte Radio Multikulti ersetzt. RBB-Sprecher Ralph Kotsch kündigte an, dass der Sender sich nicht erneut dafür bewerben werde. Die jüngste Media-Analyse habe ergeben, dass in Brandenburg lediglich 0,1 Prozent der Hörer Funkhaus Europa einschalteten.

Radio Paradiso ging 1997 auf Sendung. Hauptgesellschafter sind die Evangelische Darlehnsgenossenschaft und das Berliner Immanuel-Krankenhaus. Die EKD Media, die ebenfalls Anteile hält, gehört zu 60 Prozent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zu 40 Prozent dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Das GEP trägt unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).

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