Evangelischer Weltanschauungs-Experte Nüchtern gestorben
Würdigung eines außergewöhnlichen Theologen
9. Juli 2010. Karlsruhe/Heidelberg/Berlin (epd). Der frühere Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungen in Berlin, Michael Nüchtern (Karlsruhe), ist tot. Wie die badische evangelische Landeskirche am Donnerstag mitteilte, starb Nüchtern am 7. Juli im Alter von 60 Jahren nach langer und schwerer Krankheit.
Der badische Landesbischof Ulrich Fischer würdigte Nüchtern als außergewöhnlichen Theologen, der auch einer der Motoren des Reformprozesses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewesen sei. Für ihn bedeute der Tod Nüchterns einen außerordentlich schweren Verlust. Nüchtern gehörte auch zu den Autoren des EKD-Reformpapiers "Kirche der Freiheit".
Von 1995 bis 1998 leitete Nüchtern in Berlin als Sektenexperte die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Zuvor hatte der promovierte Theologe ab 1979 als Pfarrer und Studienleiter in der badischen evangelischen Akademie mit den Schwerpunkten "Medizinische Ethik", "Kultur" und "Diakonie" gearbeitet, ab 1991 war er einer ihrer Direktoren. 1998 kandidierte Nüchtern für das Amt des badischen Landesbischofs, verzichtete aber nach dem zweiten Wahlgang auf seine Kandidatur.
Nüchtern studierte in Heidelberg und Zürich und absolvierte seinen Pfarrdienst im Schwarzwald in Villingen und Bad Dürrheim. Der Theologe verfasste zahlreiche Bücher, Aufsätze und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen. Im Jahr 2005 habilitierte er sich, seit April 2009 war er außerplanmäßiger Professor für Praktische Theologie in Heidelberg, wo er 1976 promoviert hatte.
Nüchtern war zuletzt Referent für theologische Grundsatzfragen in der badischen Landeskirche. Wegen gesundheitlicher Probleme hatte er im vergangenen Jahr sein Amt abgegeben. Nüchtern wurde 1949 im hessischen Gelnhausen geboren und hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
