"Fashion Week" auch im Februar 2011 auf Berliner Bebelplatz
Senat spricht von Prüfung von über zehn Alternativstandorten
Mehrere Verbände und Initiativen, darunter die "Initiative Bebelplatz", der Berufsverband Bildender Künstler Berlin, der Förderkreis "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", der Rat für die Künste und die Berliner Vereinigung für Verfolgte des Naziregimes kündigten am 6. Juli an, dagegen juristisch vorzugehen. Vom Berliner Wirtschaftssenat wurde der Vorwurf der Täuschung zurückgewiesen. Der Veranstalter der "Fashion Week" auf dem Bebelplatz habe Anfang des Jahres lediglich geäußert, dass er bereit sei, einen Alternativstandort zu beziehen, wenn dieser geeignet sei, sagte Sprecher Stephan Schulz am 6. Juli dem epd.
Seit Ende 2009 seien mehr als zehn Standorte geprüft worden, bei zahlreichen habe es genehmigungsrechtliche Einwände gegeben oder seien Baumaßnahmen vorgesehen, so Schulz. In der engeren Wahl sei jetzt die Straße des 17. Juni, die aber erst ab Sommer 2011 zur Verfügung stehe. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtbezirks Mitte habe deshalb einen Beschluss gefasst, dass die "Fashion Week" noch maximal zwei Mal, im Juli 2010 und Januar 2011, auf dem Bebelplatz stattfinden darf.
Im Januar dieses Jahres hatte es massive Proteste gegen die erneute Nutzung des Bebelplatzes für die "Fashion Week" gegeben, unter anderem von der Jüdischen Gemeinde, Berlins Ehrenbürger Edzard Reuter und dem Chef des Deutschen Historischen Museums, Hans Ottomeyer. Daraufhin hätten Behörden und Veranstalter die intensive Suche nach einem Alternativstandort angekündigt, heißt es bei den Gegnern. Bisher habe die Bevölkerung davon ausgehen können, dass sich der Konflikt zwischen der Modeveranstaltung und dem Platz damit "erledigt" habe.
Nun heiße es, der Umzug auf die Straße des 17. Juni als neuer Standort sei erst im Sommer kommenden Jahres möglich. Einwände gegen andere Standorte gebe es immer und überall, aber jeder andere Ort sei für die "Mercedes-Benz Fashion Week" besser geeignet und "weniger problematisch" als der Bebelplatz, heißt es. An die Bevölkerung appellieren die Kritiker, dem Mahnmal während der am 7. Juli beginnenden Modewoche einen Besuch abzustatten, um damit für seine Unversehrtheit zu demonstrieren.
Streitpunkt ist das auf dem Bebelplatz befindliche unterirdische Denkmal "Versunkene Bibliothek" des israelischen Künstlers Micha Ullman. Es erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 und wird durch die Modeveranstaltung bereits zum fünften Mal in Folge mit einem Zelt überbaut. Das Denkmal gibt durch eine im Boden eingelassene Glasscheibe den Blick in eine Bibliothek mit leeren Regalen frei.
Ullmann selbst bezeichnete die "Fashion Week" als einen "aggressiven Eingriff" in das Denkmal und seine Funktion. Das Mahnmal sei das "Grab einer Bibliothek", gebaut "aus der Leere und aus der Ruhe", schrieb der Künstler in einer Stellungnahme für den Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Das, was dort passiere, empfinde er daher als "Schande".
