Bischof Dröge: "erschrocken und beschämt"
Gedenken an Berliner Judenprozess und Verbrennung vor 500 Jahren
Nach einem angeblichen Verkauf geweihter Hostien an einen Juden kam es im Juli 1510 auf dem Neuen Markt in Berlin zu einem Hostienfrevel- und Ritualmordprozess mit erfolterten Geständnissen. In dessen Folge wurden 38 Juden öffentlich verbrannt. Zugleich dienten die Anschuldigungen zur Rechtfertigung der Judenvertreibung aus der Mark Brandenburg.
Beschämt müsse die Kirche erkennen, wie die christliche Theologie über Jahrhunderte hinweg von einem latenten und auch ausgesprochen manifesten Antijudaismus geprägt war, der den geistigen Nährboden für Greueltaten dieser Art bot, sagte Dröge weiter. Erst nach der beinahe vollständigen Vernichtung des europäischen Judentums im Zweiten Weltkrieg, hätten Christen begonnen, ihre Beziehung zum Judentum neu zu durchdenken - "ein längst überfälliger Weg zur Umkehr", wie der Bischof betonte.
Neben Dröge sprach auch noch der Direktor des Centrum Judaicum, Hermann Simon. Zudem hielt der Berliner Mittelalter-Historikers Dietrich Kurze einen Vortrag über den Berliner Judenprozess und seine Folgen.
