Brandenburg: Bischof und Landeschef rufen zu Versöhnung auf
Dröge und Platzeck warnen vor Schlussstrich in der Diskussion
Mit Blick auf die Versöhnungsdebatte betonten Platzeck und Dröge, die Diskussion dürfe keinen "Schlussstrichcharakter" haben. Eine dauerhafte Versöhnung brauche eine solide und faire Aufarbeitung. Es müsse ein Klima geschaffen werden, wo auch die Täter den Mut finden zu reden, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). "Manche Dinge brauchen Abstand."
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kündigte an, Gespräche in den Gemeinden zum Thema DDR-Aufarbeitung anzuregen. Er werde auf den kirchlichen Konventen den Pfarrern Mut machen, dieses Thema anzugehen, so Dröge.
Von beiden Seiten wurde bei der Sitzung auf der Insel Hermannswerder eine noch engere Zusammenarbeit im Bereich der Sozial- und Familienpolitik verarbeitet. Armutsbekämpfung müsse zu einer Querschnittsaufgabe der gesamten Gesellschaft werden, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. "Wir müssen bei der Armut im Land gemeinsam tätig werden", sagte Dröge. Die Kürzungen bei Hartz IV und Elterngeld seien nicht angemessen, ergänzte Platzeck.
Mit Blick auf die Braunkohleverstromung kündigte Dröge an, die weiteren Schritte kritisch zu begleiten und den Menschen in der Region seelsorgerlich zur Seite zu stehen. Deshalb müssten auch kritische Fragen wie etwa nach der Sicherheit der CCS-Technologie oder nach Umsiedelungen gestellt werden, sagte Dröge. Die Landesregierung forderte demgegenüber die evangelische Kirche auf, "ihre soziale Kompetenz zur Unterstützung der Akzeptanz beim Ausbau der erneuerbaren Energien einzusetzen".
Dröge und Platzeck betonten weiter die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Regierung. In den vergangenen Jahren hätten beide Seiten eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit aufgebaut, sagte Dröge. Die Gespräche seien in einer sehr freundlichen und respektvollen Atmosphäre verlaufen. Platzeck ergänzte: "Ich schätze es sehr, dass sich die evangelische Landeskirche auch unter dem neuen Bischof an aktuellen gesellschaftlichen Debatten im Land beteiligt." Das Gespräch zwischen Kirche und brandenburgischer Regierung fand bereits zum sechsten Mal seit Inkrafttreten des Evangelischen Kirchenvertrages statt.
