EKD-Ratsvorsitzender Schneider würdigt von Canstein als Vorbild

Festakt in Halle zur Gründung der "Cansteinschen Bibelanstalt" vor 300 Jahren

Halle (epd). Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat den Gründer der ersten Bibelanstalt der Welt, Freiherr Carl Hildebrand von Canstein, als "herausragende Figur in der Geschichte des Protestantismus" gewürdigt. Mehr als 150 Jahre nach Luthers Thesenanschlag habe von Canstein das "Versprechen der Reformation" eingelöst, dass "jeder und jede" die Bibel selbst lesen könne, sagte der rheinische Präses am 31. Mai bei einem Festakt der Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft in Halle.

Mit diesem Einsatz für die persönliche Mündigkeit und seinem gelebten ehrenamtlichen Engagement sei er ein Vorbild eines "Typs von Verantwortungselite". Auch für die "zukünftige Gestalt unserer Kirche" gewinne das Ehrenamt weiter an Bedeutung, sagte Schneider. Niemand könne verkennen, dass die Möglichkeiten und Mittel, um Mitarbeiter zu finanzieren, "deutlich zurückgehen werden".

Von Canstein (1667-1719) hatte 1710 in Halle eine Druckerei für die Produktion günstiger Bibeln eingerichtet. Dazu nutzte er das damals neue Druckverfahren im stehenden Satz, bei dem alle und nicht nur einzelne Seiten als Bleiplatten vorlagen. Anders als bei den beweglichen Lettern war damit ein schnellerer und auf Dauer günstigerer Bibeldruck möglich.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) würdigte die Gründung der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle als bedeutend "für die lesende Gesellschaft". Sie sei durch die Überzeugung getragen gewesen, "dass das Buch in unserer Kultur, in unserem Gemeinwesen durch nichts zu ersetzen ist", sagte Böhmer beim Festakt.

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich erinnerte daran, dass es auch heute noch Aufgabe der Kirche und Bibelgesellschaften sei, die Bibel "möglichst preiswert unter die Leute zu bringen". Als Beispiele nannte er eine bei einer Supermarktkette vor Kurzem erhältliche Luther-Bibel oder die "Basis-Bibel" in verständlicher Sprache. Der bayrische Landesbischof ist Vorsitzender der Stiftung Deutsche Bibelgesellschaft.

Die Vollversammlung der Bibelgesellschaft berät seit Montag in Halle über die Arbeit der regionalen Bibelgesellschaften und Bibelzentren sowie über die digitale Verbreitung der Bibel. Im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens mit Vertretern aus insgesamt 40 Mitgliedsorganisationen steht die Gründung der "Cansteinschen Bibelanstalt" vor 300 Jahren in der Saalestadt.

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