Udo Zippack
Udo Zippack leitet den Trachtenverein der evangelischen Sorben in Bluno
Von Heinz Hirschfeld
Er steht dem „Sorbischer Heimat- und Trachtenverein Bluno“ vor. Die Bewahrung des Brauchtums der evangelischen Sorben spielte bereits im Elternhaus des heute 35-jährigen Udo Zippack eine große Rolle. Seine Eltern bemühten sich schon zu DDR-Zeiten darum, als es den Verein noch gar nicht gab.
In der Region der sorbischen Lausitz waren die evangelischen sorbischen Christen von Bluno dafür bekannt, dass sie zu verschiedenen feierlichen Anlässen den „Sorbischen Hochzeitszug“ aufführten. Heute gibt es dieses Ereignis nicht mehr, weil dafür mindestens 30 Mitwirkende gebraucht werden. Und der Aufwand für jeden Einzelnen ist sehr groß, da allein das Ankleiden der Braut mindestens drei Stunden dauert. „Im Verein haben wir uns aber zum Ziel gesetzt, den ,Sorbischen Hochzeitszug‘ als alte Tradition in der Region nicht ganz fallen zulassen. Wir behalten im Auge, ihn irgendwann einmal wieder aufzuführen“, sagt Vereinschef Udo Zippack.
Zurzeit gehören 29 Mitglieder zum Verein. Alle sind evangelische Christen. Mit der evangelischen Kirchgemeinde Bluno arbeiten sie gut zusammen. Beim letzten Erntedankfest zeigten Mitglieder des Blunoer Trachtenvereins, dass bei dem uralten Brauch des Erntedankfestes kirchliche Traditionen mit Bräuchen der evangelischen Sorben verschmelzen. „So wurde die Erntekrone von Mädchen unseres Vereins in sorbischen Trachten ins Gotteshaus in die Kirche getragen“, sagt Udo Zippack. Er ist nicht nur Vorsitzender des Vereins, sondern auch Ortsvorsteher und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.
Im Oldenburger Land hat die Kirchengemeinde Bluno ihre Partnergemeinde. Bei einem Besuch dort stellten sich die Blunoer in sorbischen Trachten vor. Schon Stunden zuvor begann im Bus die Zeremonie des Anziehens. Frauen streiften Lagen von Unterkleidern, Spitzenröcken, Schürzen übereinander. Strümpfe wurden zurechtgerückt, eine Haube aufs Haar gesteckt. Die Männer hatten weniger zu tun, schmückten sich aber auch festlich mit Federn und Blumen.
Vor kurzem hatte der „Sorbische Heimat- und Trachtenverein Bluno“ seinen ersten Auftritt in diesem Jahr. Beim Ostermarkt in der Lausitzhalle Hoyerswerda sind die Blunoer schon seit mehreren Jahren dabei. „Das ist ein Höhepunkt im Vereinsleben, da wir dort mit unseren Trachten und Tänzen demonstrieren können, dass die Tradition der evangelischen Sorben lebt“, sagt Udo Zippack stolz.
Doch der Verein hat Nachwuchssorgen. Die Jugend verlässt den Ort, denn sie zieht dorthin, wo es Lehrstellen, Studienplätze und Arbeit gibt. „Das ist hier Mangelware“, sagt Udo Zippack. Er versucht, die Jugendlichen für den Trachtenverein zu interessieren oder spricht sie an, ob sie nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen wollen.
Auch seine zweieinhalbjährige Tochter Sarah soll im Verein mitmachen, sobald ihr eine der Kindertrachten aus dem großen Fundus passt. „Zwei Jahre wird das wohl noch dauern“, meint er.
