Christiane Hildebrand

Was genau machen Mitarbeitervertreter der Kirchenkreise? Zwei von ihnen berichten aus ihrem Alltag

Christiane HildebrandVon Liva Haensel

„So begeistert wie meine Kindergartenkinder reagieren nicht alle Dienststellenleiter auf mich“, sagt Christiane Hildebrand. Die 54-Jährige ist Vorsitzende der Gemeinsamen Mitarbeitervertretung des Kirchenkreises Stadtmitte. Sie informiert über Mitarbeiterrechte und vermittelt bei Streitigkeiten. Das passt nicht jedem in den Kram, aber hat auch schon zu enger Zusammenarbeit und Wertschätzung zwischen Dienststellenleitern und Mitarbeitervertretungen beigetragen, sagt sie.

Hildebrands Job ist nicht gerade der einfachste: „Ich muss auch mal unpopuläre Mitteilungen überbringen“, erzählt sie ganz ruhig und das Wort Mitteilungen dauert dabei einen ganzen Augenaufschlag. Unpopulär, das bedeutet beispielsweise, dem Dienststellenleiter – in der Regel Pfarrer oder Pfarrerin –  klar zu machen, dass die Angestellte zwar die Snacks für das Erntedankfest an einem Sonntag zubereitet, aber dass dies als Überstunde angerechnet werden muss für die Frau, die montags bis freitags ihren Job macht – und kein reiner Liebesdienst ist. Christiane Hildebrand schildert den Fall einer Mitarbeiterin, der es genauso erging. In solchen Fällen informiert die Mitarbeitervertreterin den Dienststellenleiter über Rechte und Pflichten. Und wenn es sein muss, kniet sie sich auch in juristische Kniffeleien hinein.

Seit 2006 ist Christiane Hildebrand Vorsitzende der Gemeinsamen Mitarbeitervertretung des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte und damit Kopf der Stelle, die bei nicht-kirchlichen Unternehmen schlicht Betriebsrat genannt wird. Christiane Hildebrand trägt eine luftige Bluse, die langen blonden Haare umrahmen das Gesicht. Ihre beiden Handgelenke schmücken Armreife. Seit der Novellierung des Mitarbeitervertretungsgesetzes vor vier Jahren habe sich eine Menge für Mitarbeiter in Gemeinden geändert, sagt die gelernte Erziehrin: „Ab 2005 bildete jeder Kirchenkreis eine Gemeinsame Mitarbeitervertretung für die Gemeinden.“ Wer daran nicht teilnehmen wollte, konnte seinen Einzelstatus behalten, wie zum Beispiel die Tabor-Gemeinde in Stadtmitte.

„Dadurch hat die Beachtung der MAV’s zugenommen“, hat Christiane Hildebrandt beobachtet. Doch nicht alle Kirchenkreise haben die luxuriöse Situation, für ihren MAV-Vorstand sogar vom Dienst freigestellte Mitarbeiter zu bekommen wie in Berlins größtem Kirchenkreis Stadtmitte. Der hat rund 700 Angestellte, die ein-Euro-Jobber mit eingerechnet. „Ab 301 Mitarbeitern gibt es eine 100-prozentige Freistellung“, sagt die ehemalige Kitaleiterin, die früher in der Kindertagesstätte der Gemeinde Moabit-West tätig war und in eine der Kitas ihres Kirchenkreises zurückkehren würde, falls sie als Vorsitzende nicht wiedergewählt würde. Doch danach sieht es eher nicht aus, im Gegenteil. Ende Januar ist die nächste Wahl für den Vorstand der Gemeinsamen Mitarbeitervertretung. Und die Leute reißen sich nicht gerade um dieses Amt.

„Der Bereich ist sehr sensibel, man muss viele Gespräche führen und vermitteln“, erklärt Christiane Hildebrand und setzt sich eine schwarzumrandete Brille auf. Hinter ihr im Regal stapeln sich Aktenordner – Kirchenkreis Prenzlauer Berg Nord, Sophien, Heilig-Kreuz-Passion, St. Petri-St. Marien. Der Kirchenkreis Stadtmitte hat allein 34 Gemeindekirchenräte, die sie alle kennt. Christiane Hildebrand geht zu Finanzausschüssen, sie ist ständiger Gast der Synode und an den Wochenenden trifft man sie auf Tagungen und Symposien des Kirchenkreises. Ihr Diensthandy schaltet die passionierte Raucherin auch abends nicht aus, denn „wenn jemand Probleme hat, ruft er ja nicht während seiner Arbeitszeit bei mir an, sondern eher nach Feierabend“.

Auch Isabella Scholz-Glomke hat einen engen Draht zu ihren Kollegen. Die Katechetin aus Perleberg kennt ihre gerade mal 17 Mitarbeiter des Kirchenkreises gut und lange. Gespräche gibt es zwischendurch und an den zwei Infotagen im Jahr, wenn die MAV dazu einlädt. Isabella Scholz-Glomke hat im Gegensatz zu ihrer Berliner Kollegin keine Freistellung, sie setzt sich neben ihrem Job für Mitarbeiterbelange ein. „Für das Einlesen in Gesetzestexte bleibt da wenig Zeit“, sagt sie.

Doch die 48-Jährige fährt alle zwei Monate nach Berlin zur Hauptmitarbeitervertreter-Versammlung (HMAV). Das sind jedes Mal 200 Kilometer hin und wieder zurück. „Ich finde es wichtig, auf dem neuesten Stand zu sein, beispielsweise die Tarifregelungen zu kennen“, sagt sie. 

Die Motivation für den Posten der MAV-Vorsitzenden bringt sie seit acht Jahren auf. Bereut hat sie es nie. „Es gab eine Zeit, da habe ich mir selbst als Angestellte gewünscht, dass mich jemand unterstützt“, sagt sie.

„Mitarbeitervertretung und Dienststellenleitung sind verpflichtet, sich gegenseitig bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen und arbeiten vertrauensvoll und partnerschaftlich zusammen.“ So lautet einer der Sätze im Mitarbeitervertretungsgesetz der Landeskirche. Christiane Hildebrand findet ihn besonders wichtig. Nicht umsonst habe ihre MAV den ersten Gesundheitstag in der Landeskirche organisiert, sagt sie. Ende September 2009 lud sie alle Mitarbeiter des Kirchenkreises in die Klosterstraße 66 ein. Es gab Tai Chi und Massagen, Anleitung zu Wirbelsäulen schonenden Übungen am Arbeitsplatz und eine Andacht.

Die Vorarbeit für diesen einzigen Tag dauerte zwei Jahre. Christiane Hildebrand und die elf anderen Mitarbeitervertreter versendeten Umfragen, sie kontaktierten Krankenkassen und sammelten Geld bei Sponsoren, um den Gesundheitstag zu finanzieren. „Die Menschen sind dabei immer das Wichtigste“, sagt Christiane Hildebrand, „die Personalentwicklung ist schon im Reformpapier ,Salz der Erde‘ erwähnt.“

Doch auch sie weiß von MAV-Konventen, dass Mitarbeiter mit ihren Bedürfnissen nicht in jeder Gemeinde auf offene Ohren stoßen. Und dass Landgemeinden aufgrund ihrer Lage manchmal im Nachteil sind. „Je größer eine MAV, desto mehr Professionalität ist auch gegeben“, meint Christiane Hildebrand. Sie rät vor allem kleineren Gemeinden, sich an eine große anzuschließen.

Die Perlebergerin Isabella Scholz-Glomke will sich dennoch weiter für ihre kleine Gemeinde engagieren. Die nächste Infobörse für Hauptmitarbeitervertreter in Berlin steht schon fest in ihrem Terminkalender: 20. Januar.

Am 21.1. wird die neue GMAV für Stadtmitte in der Heilandsgemeinde Moabit-West gewählt. Interessierte können sich an Christiane Hildebrand wenden:

Telefon (030)258185-491/492 oder per E-Mail:

[#c.hildebrand#kkbs#de#]

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